Frau aufs Übelste in Oberhausen beschimpft

Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Wie eine zufällige Begegnung das Leben einer selbstsicheren Frau beeinträchtigt. Oberhausenerin wurde beleidigt und bedroht – und erhielt keine Hilfe.

Oberhausen.. Michaela A. ist keine, die sich die Butter vom Brot nehmen lässt. Die 55-jährige Oberhausenerin wirkt selbstbewusst, eine echte Ruhrpottpflanze. Doch vor über zwei Jahren hat die Frau etwas auf der Straße erlebt, das ihr noch heute die Tränen in die Augen treibt und ihr Angst macht. Und angesichts der juristischen Aufarbeitung des Falls fühlt sich Michaela A. hilflos, sie empfindet es so, dass das „Opfer die Strafe erhält“ und hat „ihren Glauben an die Justiz verloren“. Obwohl diese korrekt nach Buchstaben des Gesetzes gearbeitet hat.

Doch die Oberhausenerin möchte ihre Geschichte erzählen, die für manche nur eine Bagatelle darstellen mag, aber ihr Gerechtigkeitsempfinden erschüttert hat.

Bedrohliche Situation

An einem Dezemberabend 2012 war Michaela A. nach eigenen Angaben mit ihrer Freundin joggen, sie hatten zwei Hunde dabei. Ihnen entgegen kam eine junge Frau mit einem Hund. „Wir haben uns an die Seite gestellt, um die Frau, die mit einem Handy telefonierte, vorbeizulassen, die blieb aber bei uns stehen“, erzählt die 55-Jährige.

Sie habe die Frau gebeten, weiterzugehen wegen der kläffenden Hunde und daraufhin habe diese sie aufs Übelste beschimpft und beleidigt. Michaela A. wiederholt die Worte der Passantin, die wir hier nicht wiedergeben, die aber heftig waren. Als Michaela A. und ihre Freundin weggingen, sei ihnen die junge Frau gefolgt und drohte, „ihnen jemanden zu schicken“.

„Ich habe Angst gehabt“

Der kam an der nächsten Kreuzung, offensichtlich von der Frau per Handy gerufen. „Ein Auto hielt, ein Typ stieg aus, kam auf mich zu, rempelte mich an, stieß mir seinen Finger in die Brust und bedrohte mich“, sagt Michaela A. „Ich habe Angst gehabt, weil der so aggressiv war.“ Dann sind die beiden zusammen weggefahren. „Und ich blieb fix und fertig zurück.“

Die Hundetrainerin wollte den Vorfall nicht einfach so stehen lassen: „So kann man sich doch nicht in der Öffentlichkeit verhalten.“ Sie erstattete Anzeige bei der Polizei, das Nummernschild hatte sie sich gemerkt. Doch das verlief im Sande. Über einen Anwalt konnte der Mann ermittelt werden, der Michaela A. angegangen war, und auch die junge Frau. Die Oberhausenerin erstattete wieder Anzeige, doch weil gegen den Mann ein anderes Verfahren lief, bei dem die zu erwartende Strafe deutlich höher ausgefallen wäre, wurde das Ermittlungsverfahren eingestellt.

Ein Täter-Opfer-Ausgleich im Falle der jungen Frau scheiterte, weil diese den Bedingungen nicht zustimmte. Ende 2013 reichte Michaela A. Klage beim Amtsgericht gegen den Mann (wegen Körperverletzung) und die Frau (wegen Beleidigung) ein und beantragte Schmerzensgeld. Der Richter wies die Klage allerdings ab, da es sich bei dem Fall nicht um Körperverletzung handele.

Schon wieder Beleidigungen

Ein Termin beim Schiedsmann scheiterte, weil die junge Frau auch hier Michaela A. wieder beleidigte. Bei einer erneuten Klage gegen die Frau machte der Richter deutlich, dass die Worte der Angeklagten für ihn keine Beleidigung darstellten, weil ja nur die Freundin von Michaela A. diese mitbekommen habe. Das Ganze lief auf einen Vergleich hinaus, bei dem die Beklagte formaljuristisch erklärte, sich zu entschuldigen. Deren Anwalt stimmte zu, die junge Frau war bei der Verhandlung nicht anwesend.

Nur eine Bagatelle? „Hier wird eine Frau sehr massiv angegangen und die Justiz macht nichts. Das ist ein Unding“, kritisiert der Rechtsbeistand der Oberhausenerin, Assessor Jörg Friedrich. „Wenn sich die Frau nur einmal bei mir persönlich entschuldigt hätte, dann wäre die Sache für mich erledigt gewesen“, sagt Michaela A.