Fotograf Rudolf Holtappel erzählt Revier-Geschichte

Die Marktstraße, fotografiert 1971.
Die Marktstraße, fotografiert 1971.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Ludwiggalerie blickt im Kleinen Schloss ins Lebenswerk des unermüdlichen Motiv-Jägers. Bilder sind die Beute eines Präzisions-Experten.

Oberhausen.. Mit Ausschnitten aus dem Lebenswerk eines weiteren großen Meisters seines Faches lockt die Ludwiggalerie Liebhaber der Fotokunst in die Panoramagalerie und ins Kabinett im Kleinen Schloss. Zur Eröffnung seiner Ausstellung „Augenzwinkern“ kann Rudolf Holtappel (1923 - 2013) zwar selbst nicht mehr kommen, dafür aber gibt seine Ehefrau Herta Holtappel gern Auskunft über Ansichten und Einstellungen ihres verstorbenen Gatten. „Seine Bilder sind nicht für die Museumswand entstanden. Für ihn war ein Foto ein Foto, wenn es gedruckt wurde.“

Heute, mit etwas Abstand, könne sie sagen, dass ihr Mann von der Fotografie besessen gewesen sei, jedoch trotzdem sehr ausgeglichen, „weil er sein ganzes Leben lang tun konnte, was ihm gefiel“. Verblüffend ehrlich gibt Herta Holtappel zu: „Damit, dass die Preise für die Fotos derartig gestiegen sind, hätte ich nie gerechnet. Die Amerikaner sind ganz verrückt darauf.“

Amerikaner verrückt auf die Bilder

Nicht nur sie. Auch bei uns wächst das Interesse an Holtappels Dokumentation des historischen Reviers, das durch den Strukturwandel verschwunden ist. Doch Nostalgie reicht nicht allein, um zu faszinieren. Holtappels Fotos überzeugen durch hohe Qualität. „Seine Bilder bestechen durch Präzision. Er kann etwas, zum Beispiel gelben Rauch, mitschwingen lassen, was der Betrachter zu erkennen glaubt, obwohl es in Wirklichkeit nicht vorhanden ist“, sagt Christine Vogt, Direktorin der Galerie und Kuratorin der Ausstellung. Wer sie betritt, ist sofort beeindruckt. Jedes Foto erzählt eine Geschichte und zwar so, als sei sie inszeniert. In Wahrheit sind die Bilder die Beute eines unermüdlichen Motivsuchers auf der Pirsch. „Er war ein chronischer Einzelgänger, musste immer allein auf die Jagd gehen“, sagt Herta Holtappel.

Gezeigt wird Holtappel als Chronist des Ruhrgebiets und seiner Bewohner, wobei Oberhausen bei der Auswahl der Motive eine vorrangige Rolle spielte. Weil er viele Jahre lang für Karstadt arbeitete, nahm er auch Mode, Ausverkäufe und Einkaufsszenen ins Visier – immer mit einem gewissen Augenzwinkern, was den Titel der Ausstellung erklärt. Ein weiterer Schwerpunkt der Präsentation ist die Theaterfotografie, denn Holtappel war als Bildchronist des Regisseurs Günther Büch und des Intendanten Klaus Weise sehr aktiv. Zu sehen sind außerdem sehr inter­essante Porträts und einige seiner Experimente, die er etwa seit dem Jahr 2000 betrieb. „Ich missbrauche alles, was lichtempfindlich ist“, soll er gesagt haben.