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Devil Side

"Flüsterlautstärke" verärgert Metal-Fans beim Devil Side

23.07.2012 | 09:29 Uhr
"Lauter! Lauter!" Viele Metal-Fans und -Band waren beim Devil Side Open Air in Oberhausen irritiert, weil die Veranstalter die Lautstärke drosseln musste. Ein Unternehmer hatte das Festival verhindern wollen.Foto: WAZ FotoPool

Oberhausen.   Viele Besucher des Devil Side Festivals machten ihrem Ärger am Wochenende Luft, Frank Berger zum Beispiel: „Das ist Rock’n’Roll! Wie kann es sein, dass wir die Musik nur in solch einer Flüsterlautstärke hören können?“ Der Grund: Ein Unternehmer hatte versucht, das Open Air kurzfristig zu verhindern.

Paukenschlag beim Musikfestival „Devil Side“ vor der Turbinenhalle - und selbst dieser wäre wohl zu laut gewesen: Zum ersten Mal lockte dorthin die Sause für Metal, Crossover, Rock und Punk, doch Fans und Musiker sind verärgert.

Was war geschehen? 46 Bands, zwei Bühnen, 6000 Besucher und ein von Schlaglöchern befreiter Parkplatz der Turbinenhalle. Eigentlich sollte der Band-Marathon mit Schwergewichten der Szene wie „Hatebreed“, „Sabaton“ und „In Flames“ eine harmonische Angelegenheit werden. Doch schon am Freitag waren die ersten Störsignale zu vernehmen. Der Grund: Das Festival war einfach zu leise.

Sängerin riet Besuchern, ihr Geld zurückzufordern

„Das ist Rock’n’Roll! Wie kann es sein, dass wir hier die Musik nur in solch einer Flüsterlautstärke hören können?“ Frank Berger ist verärgert. Er hatte sich mit einem Arbeitskollegen aus Viersen auf den Weg nach Oberhausen gemacht. Rund 60 Euro kostete das Ticket für Freitag und Samstag. „Hätte ich das gewusst, hätte ich mich womöglich anders entschieden!“

Etwa 6000 Fans besuchten das erste Devil Side Festival in Oberhausen. 2011 war das Open Air kurzfristig abgesagt worden. Foto: Sebastian KonopkaFoto: WAZ FotoPool

Mit seiner Meinung war Berger nicht alleine. Ein Umstand, der natürlich auch dem Veranstalter auffiel. „Wir sind mit der Situation alles andere als glücklich“, sagt Pressesprecher Martin Zowislok. Denn: Kurz vor dem Festival hatten die Macher eine gerichtliche Anweisung erhalten, die Dezibelwerte zu reduzieren. „Und zwar in einem Umfang, der sich deutlich von einem üblichen Festival unterscheidet“, so Zowislok. Ein Unternehmer im angrenzenden Gewerbegebiet „Im Lipperfeld“, der am Sonntag nicht für eine Stellungnahme zu ermitteln war, soll vier Tage vor Beginn der Veranstaltung versucht haben, das Festival durch eine Klage zu verhindern.

Dies hätte letztlich als gerichtliche Auflage die Reduzierung der Lautstärke zur Folge gehabt. Nach der Klage limitierte die Oberhausener Stadtverwaltung die Lautstärke laut Zowislok auf 75 Dezibel: „Das ist schon sehr verwunderlich, da bereits seit Dezember fest steht, dass eine solche Veranstaltung an dieser Stelle stattfinden wird.“ Vorab sei „Devil Side“ in allen relevanten Punkten bei der Stadt genehmigt worden. Auch die Sicherheitskonzepte seien abgesegnet. Es hätte „sehr gute Gespräche“ mit der Feuerwehr und den Organisatoren der Turbinenhalle gegeben.

Devil Side 2012

Der fehlende „Bumms“ beim Klang fiel nicht nur den Besuchern, sondern am Freitag auch einigen Musikern selbst unangenehm auf.

Die Sängerin der Gruppe „Arch Enemy“ Angela Gossow ging sogar soweit, dass sie den Besuchern riet, ihr Geld zurückzufordern. Zowislok: „So etwas ist vielleicht nicht unbedingt förderlich, da wir natürlich versuchen, das Festival trotz der Auflagen so gut wie möglich über die Bühne zu bringen!“

Das Devil-Side-Festival fand nach den Stationen Duisburg (Landschaftspark) und Essen (Unigelände) erstmals in Oberhausen statt. Die Bands spielten Freitag und Samstag von 10.30 Uhr bis 23 Uhr. Am Sonntag fand das gesamte Festival dann – wie vorab geplant – nicht Open-Air, sondern in der Turbinenhalle statt.

Devil-Side-Rückkehr ist fraglich

Abgesehen von den Lautstärkeauflagen bleibt der Standort Oberhausen für die Veranstalter durchaus interessant. „Die Infrastruktur ist ausgezeichnet, der Platz ausreichend groß und die Nähe zur Turbinenhalle ein absoluter Gewinn“, sagt Zowislok. „Es ist schade, dass die geringe Lautstärke dann immer auf das Festival zurückfällt. Uns sind in einer solchen Situation die Hände gebunden!“ Ob „Devil Side“ 2013 zurückkehrt, steht noch nicht fest.

Devilside Festival 2009

 

Dirk Hein


Kommentare
23.07.2012
17:38
Lautstärke- was für ne Lautstärke?
von Saldix | #4

Die Lautstärke war sowohl am Freitag als auch am Samstag für ein Rockkonzert völlig unzureichend! Es kann nicht sein, dass man sich bei Bands wie Overkill oder Sabaton noch mit dem Nachbarn unterhalten kann und das Gequatsche der Anderen mitbekommt anstatt sich auf die Musik konzentrieren zu können. Nicht umsonst waren ja nicht nur die meisten Besucher verärgert sondern viele Bands haben sich auch für die Beschallung auf Bierzelt-Niveau entschuldigt. Wohlgemerkt: dieses passierte einem 20 m und nicht 200 m von der Bühne entfernt!

1 Antwort
Lautstärke- was für ne Lautstärke?
von Codemancer | #4-1

Das ist dann höchsten als Planungsfehler des Veranstalters zu verbuchen. Wenn man so ein Fest in so einer Umgebung plant und sich dann wundert, wenn sich jemand beschwert und man deshalb nicht die Lautstärke nach belieben aufdrehen kann, dann ist man entweder hoffnungslos naiv oder extrem dreist.

23.07.2012
13:51
Samstag war völlig OK
von Corso | #3

Also zu den anderen Tagen kann ich nix sagen aber Samstag war die Lautstärke völlig OK. Leider mal wieder mies ausgesteuert aber nicht wirklich zu leise.

Der Platz war aber meiner Meinung nach völlig untauglich. Die Bühnen waren viel zu nah zusammen, so dass der Soundcheck der nächsten Band den Auftritt der aktuellen gestört hat. Auch der Untergrund selber war absolut nicht geeignet geeignet.

Die alte Location in Essen war um längen besser

23.07.2012
13:04
Welcher Unternehmer war das denn?
von snafuprinzip | #2

Darf man auch erfahren um welchen Unternehmer es sich dabei genau handelt?

Ich würde wie einige tausend andere nämlich mal gerne bei ihm anklopfen und mein Eintrittsgeld zurückfordern und dem guten Herren dabei mal meine Meinung kundtun.

Danke und schönen Gruß,
snafu.

7 Antworten
Welcher Unternehmer...
von cojones | #2-1

@snafuprinzip
Ich glaube sie haben, wie viele andere auch, ein sehr gestörtes Verhältnis zur Demokratie.
Wenn jemand sein verbrieftes Recht einfordert und genau davon reden wir in diesem Fall, stoßen sie Drohungen gegen denjenigen aus?
Es gibt ein Landesemissionsschutzgesetz, in dem exakte Werte für die zulässige Beschallung festgelegt sind.
Das ist ein Gesetz und keine Kann-Bestimmung.
Ob ihnen das jetzt passt oder nicht, ist völlig Zweitranging.
Wenn sie sich darüber aufregen ist das eine Sache, sich aber hinzustellen und damit zu drohen, den Unternehmer, der geklagt hat, aufzusuchen "um ihm die Meinung " zu sagen, zeugt davon, das sie ein schlechter Demokrat sind.
Gesetze gelten für alle, nicht nur für die anderen.

@cojones
von Codemancer | #2-2

Lass Sie ihn ruhig vorstellig werden. Dann kann er gleich den entstandenen Mehraufwand der umliegenden Firmen bezahlen, die wegen dieses Festivals besondere Vorsichtsmaßnahmen treffen mussten, um auch im Worst-Case den Betrieb aufrecht erhalten zu können.

Oha!
von An77 | #2-3

Na da haben sich ja zwei auf Anhieb lieb.

Der eine sieht in der Demokratie einzig das Einhalten von Vorschriften (was ja auch richtig ist) aber die freie Meinung sagen, liegt im nicht so richtig....
Zumindest wenn Sie nicht mit seiner übereinstimmt.
Und der andere sieht schon die Welt untergehen, wenn 6000 Leute umme Ecke ne Party feiern.
Besondere "Vorsichtsmaßnahmen" für den "Worst-Case". Also Codemancer, nach diesen Kommentaren könnte ich süchtig werden. Jedesmal ein Feuerwerk der Erheiterung....
"besondere Vorsichtsmaßnahmen" - Gnade! Meine armen Bauchmuskeln!
Wird neuerdings der Euro da gedruckt?
Oder sind da die strategischen Sprit-Reserven des Bundes gelagert?


Der Witz ist: Ich war nicht mal auf dem Devil-Side und würde da auch in Zukunft (in Oberhausen) wohl nicht hingehen. Dazu ist der Sound in der Turbohalle einfach zu mies.
Und draußen neuerdings auch zu leise.

@An77
von Codemancer | #2-4

Die eigene Meinung sagen ist ja schön und gut. Aber das sollte dann auch in einem entsprechend vernünftigen Ton passieren, was bei snafu[bla] eher nicht der Fall ist, denn mehr anmaßend und unverschämt.

Aber schön, dass Sie das alles so lustig finden. Das zeugt davon, dass sie von den zugrunde liegenden Prozessen und Gegebenheiten keine Ahnung haben. Der "Worst-Case" wäre z.B. gewesen, dass die Grenzwerte enorm überschritten werden, sodass für einen halben Arbeitstag oder zumindest bis zur offiziellen Klärung des Vorfalls ein konzentriertes Arbeiten nicht möglich gewesen wäre - das sind wiederum Kosten für den Unternehmer. Um solchen Problemen entgegen zu wirken, hat der Betrieb, wo ich tätig bin, möglichst viele Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten lassen, wenn es denn möglich war. Dafür mussten aber erstmal die technischen Voraussetzungen erfüllt werden - was alles Arbeitszeit benötigte und Kosten verursachte.

@An77
von Codemancer | #2-5

Unabhängig davon, wie wichtig das Unternehmen für das große Ganze der Bundesrepublik ist, muss ein jeder Betrieb schauen, dass der Laden am laufen bleibt.

Aus Sicht des durchschnittlichen Kunden muss auch bei so einer Sache der regelmäßige Support gewährleistet werden - und wenn ein Unternehmer deshalb seine rechtlichen Möglichkeiten nutzt, dann finde ich das völlig legitim - auch wenn ich durchaus für solche Festivals zu begeistern bin.

Man muss als vernünftiger Erwachsener hingehen und nicht nur auf seine eigenen Rechte, sondern auch auf die Rechte der anderen Schauen. Meine eigene Freiheit endet nach wie vor dort, wo ich Anderen unzumutbar auf den Senkel gehe. Dies wurde hier ausgelotet, die Stadt hat einen Kompromiss erwirkt und wenn das hier einigen nicht passt: Pech. Meckern Sie den Veranstalter an, dass er eine geeignetere Location wählen soll, aber beschweren Sie sich nicht, dass jemand Ihre Vorlieben nicht teilen will.

Najanaja....
von An77 | #2-6

...hätten Sie mal meinen letzten Satz richtig gelesen, hätten Sie sich ihren letzten sparen können. Ich meide die Tupse eben schon länger...

Aber nachdem ich gerade ihre Kommentare zum Thema Büro-Mode genoßen habe und die hiesigen nochmal Revue passieren lasse, komme ich zu dem Schluß, daß Sie sich und ihre Welt ein wenig zu ernst nehmen.
Ihre Firma ist nicht der Naber der Welt.
Meinen Sie bei Bochum Total oder Essen Original lagern die Ansässigen Betriebe ihre Belegschaft aus und sprechen vom "Word-Caste" also vom Zusammenbruch des gesamten Betriebes?
Und es hatte wohl auch kein Mensch vor ihren Schreibtisch zu belagern um da genüßlich drauf zu nächtigen. Im schlimsten Fall pullert da ein Mensch vor den Firmenzaun, was wahrscheinlich eh jedes Wochende passiert.

Nein, es ist wie es ist: Total Übertrieben.
Ein Chef einer kleiner Firmen paßte das alles nicht und er wollte mal zeigen wer er ist.
Und ja: Ich schmunzel darüber, ob des Wißens, daß die Welt auch richtige Probleme hat.

@An77
von Codemancer | #2-7

Es ist unerheblich, wie groß das Problem ist, wie groß Sie denken, dass es ist und wie groß derjenige ist, der das Problem hat. Wichtig sind nur die Fakten: Es wurde sich beschwert, die Stadt hat eine entsprechende Auflage geschaffen und fertig - keine Übertreibung sondern rechtlich in Ordnung.

Wem dieser einfache Sachverhalt zu "ernst" ist: "Willkommen in der Realität". Ich finde ein wenig mehr Ernsthaftigkeit würde der Welt und insbesondere unserem Land mehr als gut tun. Diese Spaßgesellschaft in der jeder tut, was er grad für eine geile Idee hält, geht doch mehr und mehr den Bach runter.

Schade eigentlich. Ich dachte jemand Ihres Alters würde das zumindest im Ansatz kapieren können.

23.07.2012
11:00
danke querulant
von trickflyer | #1

für deinen einsatz.hoffentlich kauft bei dir niemand mehr auch nur 1 blatt

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