Firmen klagen über Mehrarbeit durch Mindestlohn

Die Umsetzung des ab 1. Januar geltenden Mindestlohns von 8,50 Euro bedeutet nach Ansicht des Unternehmerverbandes für die Betriebe einen erheblichen zusätzlichen Aufwand. Die Verordnungen, die die Umsetzung im Detail regeln, bestätigten die „schlimmsten bürokratischen Befürchtungen“, erklärt der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Wolfgang Schmitz.

Der Mehraufwand treffe auch Firmen, die deutlich über dem Mindestlohn zahlen. So betreffe die Berichtspflicht zur Aufzeichnung der Arbeitszeiten in vielen Fällen Arbeitnehmer, für die sich die Mindestlohnproblematik überhaupt nicht stelle. „Jetzt haben wir eine neue Belastung für Unternehmen, die die Arbeitszeit detailliert dokumentieren müssen“, kritisiert Schmitz.

Flut von Anfragen

Das Arbeitsleben werde auch „ungemütlicher“. Insbesondere bei geringfügig Beschäftigten sei bislang oft keine genaue Festlegung der Arbeitszeit vereinbart worden. Man war sich einig über bestimmte Aufgaben, die im Rahmen der Beschäftigung erledigt werden sollten. „Jetzt muss der Betrieb genau darauf achten, dass Anwesenheitszeit tatsächlich Arbeitszeiten sind und die Zigarette zwischendurch oder der Plausch mit den Kollegen außerhalb der Arbeitszeit stattfindet.“

Die juristische Abteilung des Unternehmerverbandes habe aktuell eine Flut von Anfragen zum Thema vorliegen. „Für Unternehmen, die mit ihren Tarifverträgen deutlich über Mindestlohn liegen, mit Stundenlöhnen von 30 Euro und mehr, ist es schwer zu verstehen, warum auch sie durch das Gesetz mehr Arbeit haben.“ Darüber hinaus gebe es nach wie vor viel Unsicherheit, wie sich der Mindestlohn etwa auf Arbeitszeitkonten mit schwankender Verteilung der Arbeitszeit auswirke und welche Entgeltbestandteile auf den Mindestlohn angerechnet werden können.

Der Unternehmerverband fordert eine „praxisnahe Umsetzung“ der Mindestlohnvorgaben. „Das Meldeverfahren zu den Arbeitszeiten muss vereinfacht werden. Es gibt keinen Grund, Unternehmen unverhältnismäßig stark zu belasten, die ihren Mitarbeitern gute Löhne zahlen.“ Der Unternehmerverband fordert die Politik auf, die Auswirkungen des Gesetzes spätestens nach den ersten sechs Monaten genau unter die Lupe zu nehmen.

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