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Finanzaufsicht schließt insolvente Bank in Oberhausen

31.12.2012 | 08:00 Uhr
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Finanzaufsicht schließt insolvente Bank in Oberhausen
In diesem Bürogebäude an der Essener Straße hat die FXdirekt Bank ihren Sitz. Das Institut ist zahlungsunfähig.Foto: Michael Dahlke

Oberhausen.  Das Wertpapierhandelshaus FXdirekt darf keine Geschäfte mehr machen. Die 3200 Kunden müssen sich nun darauf einstellen, zumindest einen Teil ihres eingesetzten Geldes zu verlieren. Eine Notwendigkeit zur Rettung der Bank sieht die BaFin nicht. Die FXdirekt habe keine systemische Relevanz.

Wer in diesen Tagen die Nummer der FXdirekt Bank an der Essener Straße wählt, erreicht nur einen Anrufbeantworter: „Sehr geehrte Damen und Herren, mit Anordnung vom 21. Dezember 2012 hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, BaFin , ein Moratorium gegen die FXdirekt Bank AG verfügt…“ Das bedeutet: Weitgehend unbemerkt von der örtlichen Öffentlichkeit hat die BaFin die Wertpapierhandelsbank mit Sitz in Oberhausen geschlossen. Betroffen sind laut BaFin rund 3200 aktive Kunden, vorrangig Privatkunden und sogenannte Daytrader, die Wertpapiere am selben Tag an- und verkaufen. Sie müssen sich jetzt darauf einstellen, zumindest einen Teil ihres eingesetzten Geldes zu verlieren.

Wetten auf Währungen

Die angebotenen Leistungen der FXdirekt hatten Anleger mit hoher Risikobereitschaft im Visier. Sie bot als Direktbank vornehmlich Privatkunden aus dem In- und Ausland Devisen- und Edelmetallgeschäfte sowie CFD-Handelsgeschäfte an. Ein CFD (Contract for Difference) ist ein Differenzgeschäft zwischen dem Kauf- und Verkaufspreis eines Finanzinstruments. Diese Wetten erlauben es, mit den Preisveränderungen zum Beispiel von Aktien, Rohstoffen, Indizes oder Währungen spekulieren zu können, ohne diese selbst besitzen zu müssen.

Anlegerentschädigung
Abgesichert sind max. 20.000 Euro

Die Forderungen der Kunden an die FXdirekt Bank AG sind nach Darstellung der Bankenaufsicht BaFin im Rahmen des Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetzes geschützt. Das Institut gehöre der Entschädigungseinrichtung für Wertpapierhandelsunternehmen (EdW) an.

Wenn die BaFin den Entschädigungsfall festgestellt hat, liegen die gesetzlichen Voraussetzungen dafür vor, dass die Entschädigungseinrichtung die Kunden entschädigen kann. Die EdW hat die Gläubiger des Instituts dann unverzüglich darüber zu unterrichten.

Kunden bekommen aber nicht ihr komplett eingesetztes Geld zurück: Der gesetzliche Entschädigungsanspruch jedes berechtigten Bankkunden sei begrenzt auf 90 Prozent der Verbindlichkeiten aus Wertpapiergeschäften und auf den Gegenwert von maximal 20.000 Euro.

Nach Angaben der BaFin ist die FXdirekt, die die Zahl ihrer Mitarbeiter in eigenen Veröffentlichungen zuletzt auf mehr als 100 beziffert hatte, nun zahlungsunfähig und darf keine Geschäfte mehr machen. Die Aufsichtsbehörde erließ ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot. Außerdem ordnete sie an, die Bank für den Verkehr mit der Kundschaft zu schließen. Ein „Moratorium“ bedeutet außerdem, dass das Institut keine Zahlungen mehr entgegennehmen darf, die nicht zur Tilgung von Schulden ihm gegenüber bestimmt sind.

Verbliebene Vermögenswerte sichern

Man habe das Moratorium anordnen müssen, um die verbliebenen Vermögenswerte zu sichern, teilte die Finanzaufsicht zur Begründung mit. Dem Institut sei es nicht gelungen, dem Rückgang der Handelsaktivitäten seiner Kunden und den Veränderungen des Marktumfelds zu begegnen. Nach Abzug der laufenden Periodenverluste verfüge das Institut nicht mehr über das erforderliche Anfangskapital. Es sei aufgrund einer negativen Fortführungsprognose zahlungsunfähig und habe daher der BaFin die Insolvenz wegen Überschuldung angezeigt.

Eine Notwendigkeit zur Rettung der Bank sieht die BaFin nicht. Die FXdirekt habe keine systemische Relevanz, ihre Bilanzsumme belaufe sich auf 37,3 Millionen Euro. Das Institut habe Verbindlichkeiten gegenüber Kunden in Höhe von rund 17,2 Millionen Euro.

In den vergangenen Monaten hatte es gegen die Oberhausener Bank massive Vorwürfe gegeben. So hatte das Magazin „Wirtschaftswoche“ mehrfach über „dubiose Geschäftsmethoden“ berichtet, von „Kursmanipulation“ war unter anderem die Rede. Gegenüber dem Magazin hatte die Bank aber alle Unregelmäßigkeiten bestritten.

Von Christian Icking

Kommentare
04.01.2013
23:33
Finanzaufsicht schließt insolvente Bank in Oberhausen
von Spatenklopper | #7

@ #5 & #6

Leider bleibt das eher Wunsch als Realität, damit die künstliche Verknappung und die nicht der Realität entsprechenden Preise sich normalisieren könnten, müsste es weltweit
"mal wieder" knallen und das bei sehr großen Banken.

Da diese aber "systemrelevant" sind, können diese sich auf die Rettung durch den Staat verlassen
und weiter an diesem, aus humanitärer Sicht gesehenem asozialem Modell, festhalten und es weiter ausbauen.

Solange Menschen irgendwo auf der Welt verhungern, muss es verboten werden mit Lebensmittel zu spekulieren.

03.01.2013
12:30
Finanzaufsicht schließt insolvente Bank in Oberhausen
von lespaul123 | #6

Eine "Ratten"bank weniger ! Hoffentlich werden die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen und wandern ein.

03.01.2013
11:17
Mögliche Konsequenzen
von bearny67 | #5

Vielleicht werden nun ein paar wenige Preise nun nicht so eklatant steigen, Rohstoffe ein bisschen weniger künstlich verknappt, Währungen und ganze Staaten nicht ganz so an die Wand gedrängt,....

Nein, einen Kranz habe ich nun wirklich nicht vor zu spenden.

03.01.2013
09:16
Finanzaufsicht schließt insolvente Bank in Oberhausen
von holmark | #4

Die sind wohl der Deutschen Bank zu sehr ins Gehege gekommen...

03.01.2013
08:22
Finanzaufsicht schließt insolvente Bank in Oberhausen
von tomatenkiller_neo | #3

Mein Mitleid hält sich in Grenzen ...

03.01.2013
06:37
#1 ähnlich bei VW
von meigustu | #2

da ist auf den Phantasiekurs für nicht am Markt vorhandene Aktien jemand reingefallen, den man bis dahin als leuchtendes Beispiel für Unternehmerkunst präsentiert hat.

02.01.2013
16:24
Finanzaufsicht schließt Bank
von Spatenklopper | #1

"„dubiose Geschäftsmethoden“ berichtet, von „Kursmanipulation“ war unter anderem die Rede"

Ach nein, welch Neuheit.
Alltag im Geschäftsfeld solcher Banken, wie diese abläuft steht übrigend schon im Artikel selbst:
"Diese Wetten erlauben es, mit den Preisveränderungen zum Beispiel von Aktien, Rohstoffen, Indizes oder Währungen spekulieren zu können, ohne diese selbst besitzen zu müssen."

Oder wie sollen Transaktionen genannt werden, bei denen oftmals nicht mal die "(ver)spekulierte" Masse physisch vorhanden ist.
Wie war es noch 2008, dort wurde das 8fache der reelen Mengen gehandelt und es ist damals schon gewaltig in die Hose gegangen.
Banken fallen weich (wenn überhaupt), die Politik sich nicht einig (außer bei Bankenrettungen), aber solang solche Spekulationsgeschäfte nicht unterbunden werden, wird es nicht die erste und letzte Bank gewesen sein.

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