Das aktuelle Wetter Oberhausen 13°C
Wirtschaft

Filmstudio im Banktresor

16.12.2011 | 11:52 Uhr
Filmstudio im Banktresor
Foto: Ulla Emig

Oberhausen.Es ist ein verwitterter, unscheinbarer Hinterhof, in dem sich eines der wohl überraschendsten Unternehmen dieser Stadt versteckt: In den Tresorräumen der ehemaligen Landeszentralbank am Friedensplatz hat die 30-jährige Sabrina Gehrmann ein Studio eingerichtet, in dem sie mit ihrem achtköpfigen Team des Produktionsunternehmens „Kauffix“ für Sony, Media Markt oder die US-amerikanische Botschaft professionelle Videos fürs Internet dreht.

Fernsehen fürs World Wide Web – ein wachstumsstarkes Geschäft, in dem sich Sabrina Gehrmann eine Vorreiterrolle erarbeitet hat. „Wir haben Kunden aus der ganzen Welt“, sagt die gebürtige Oberhausenerin.

Vertonung in 23 Sprachen

„Früher haben die großen Regisseure keine Filme fürs Fernsehen gemacht, weil sie dachten, kaum einer habe ein Empfangsgerät zu Hause und wer guckt schon Filme im Fernsehen? Das Gleiche denken heute viele übers Internet. Und sie liegen falsch.“ 32.000 Leute haben sich im Internet angeschaut, als Jürgen Drews im Oberhausener Studio einen Weihnachtsbaum schmückte, 83.000 Mütter wollten erst ein Oberhausener Video sehen, eh sie im Internet den neuen Kinderwagen kauften: Kurze Werbefilme, die etwa auf der Versandplattform „Amazon“ Produkte erklären; Reportagen von Computerspiel-Messen, die live ins Internet gesendet werden; Unterhaltungs-Magazine und Imagevideos, die Gehrmann und ihr Team in 23 Sprachen vertonen, gehören zum Portfolio.

Meist Auftragsarbeiten zur Kundenwerbung etwa für Banken, je nach Wunsch sind die Filme schon für 1000 Euro zu haben. „Gerade produzieren wir aber für Berliner Museen einige Lehrfilme in Gebärdensprache“, sagt die Geschäftsführerin von „Kauffix“.

Schauspielstudium in Köln

2005 hat Sabrina Gehrmann ihre Firma in Mülheim gegründet. Die gelernte Mediengestalterin und Veranstaltungskauffrau hatte nach ihrem Schauspielstudium in Köln für Constantin-Film und später für ein Düsseldorfer Unternehmen gearbeitet, das sich auf Filme über Firmen und ihre Produkte spezialisiert hat. „Die Frage stand sofort im Raum: Wieso gibt es solche Filme nicht auf professionell fürs Netz?“

2005 war die Zahl der Online-Haushalte überproportional gestiegen, 20 Millionen Haushalte hatten einen Internetanschluss (heute sind es 51,7 Mio). Damit stieg auch die Zahl derer, die im Internet Waren einkauften. „Man möchte sich ein Produkt ja genauso anschauen wie im Geschäft“, sagt Thomas Mix von Kauffix.

Um das möglich zu machen, ist eine ganze Menge Technik nötig. Nachdem Gehrmann und ihr Team einige Jahre in gemieteten Studios gedreht hatten, haben sie sich 2009 in den Oberhausener Tresorräumen der ehemaligen Landeszentralbank am Friedensplatz eingemietet. „Der Vorteil: die Akustik. Hier gibt es keine störenden Umgebungsgeräusche.“ Nachteil: der Umbau.

Datenmenge auf drei Servern

Sechs Monate, 250.000 Euro und viele fluchende Handwerker, die Lüftungsschächte in die 1,5 Meter dicken Wände bohren mussten.

Über zwei Etagen erstreckt sich das heutige Studio. Im Keller wird mit Profi-Ausrüstung vor einer Leinwand gedreht, die Aufnahmen entweder direkt ins Internet gebracht oder erst im Obergeschoss geschnitten. Drei Server enthalten die massigen Datenmengen, die bei bis zu drei Stunden Filmmaterial von drei hochauflösenden HD-Kameras entstehen. Meterweise Glasfaserkabel schaffen es, diese Filme auch noch ohne Störung direkt ins Netz zu laden, so dass sie mehr als 200.000 Menschen gleichzeitig ansehen können.

Eine halbe Million Umsatz

„Ähnlich wie im Fernsehen gibt es auch im Internet Einschaltquoten. Wir werden daran gemessen, wie häufig die Filme gesehen werden oder ob sie dazu geführt haben, dass Produkte eher gekauft werden“, erklärt Thomas Mix.

Rund 200 Firmen gehören zu den Kunden der Kauffix GmbH & Co. KG - viele Oberhausener sind allerdings nicht darunter. „Wir würden gerne mehr mit den Unternehmen vor Ort machen.“

2010 hat Gehrmann ihr Unternehmen in eine GmbH umgewandelt und professionalisiert. Mit Erfolg: Der Jahresumsatz 2011 liegt bei einer halben Million - dreimal so viel wie 2010. Neben den acht Festangestellten gehört eine ebenso große Gruppe an Freischaffenden zum Team. Info: www.kauffix.tv

Stephanie Weltmann

Facebook
 
Videos die Sie interessieren könnten
Kommentare
17.12.2011
12:34
Filmstudio im Banktresor
von Davee | #2

Die bisher gesehenen Produktionen gefallen mir leider nicht so sehr! ich denke man könnte bei einigen Produktionen auch wenn sie "low - Budget" sind mehr raus holen.

17.12.2011
12:28
Filmstudio im Banktresor
von Davee | #1

Leider muss ich sagen das mir die Produktionen von Kauffix nicht gefallen....Obwohl die technik ja anscheint vorhanden ist könnte man mehr raus holen!

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6167212/create

Umfrage der Woche
Die Stadt Oberhausen hat zu Bürgerversammlungen zum Sparpaket eingeladen und ein Online-Forum geschaltet, in dem Bürger ihre Meinungen zu den Sparvorschlägen für den städtischen Haushalt kundtun können. Was halten Sie von dieser Form von Bürgerbeteiligungen?

Die Stadt Oberhausen hat zu Bürgerversammlungen zum Sparpaket eingeladen und ein Online-Forum geschaltet, in dem Bürger ihre Meinungen zu den Sparvorschlägen für den städtischen Haushalt kundtun können. Was halten Sie von dieser Form von Bürgerbeteiligungen?

Captcha

Bitte übertragen Sie den Code in das folgende Feld:

Wort unleserlich? (Neuladen)

 
Aktuelle Fotos und Videos
Stimmen zum Rauchen
Video
Video
Radrennen in Oberhausen
Bildgalerie
Pfingstradrennen
Wohnhausbrand in Lirich
Bildgalerie
Feuer
2.Bürgerforum
Bildgalerie
Entspannte Atmosphäre
Aus dem Ressort
Bald beginnt die Sterkrade Fronleichnamskirmes
Volksfest
Das Volksfest sei nicht weniger bedeutsam als Crange, finden Schausteller. Am Mittwoch geht’s los.
Rot-Grün: Hallenbäder bleiben offen
Kommunalpolitik
Oberhausener Regierungskoalition beerdigt Sparplan der Stadtverwaltung. Schließung von Sterkrade und Alt-Oberhausen sollte 2,7 Millionen Euro bringen