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Film über Oberhausener Falke soll ein neues Bild von Deutschland vermitteln

26.06.2012 | 11:36 Uhr
Film über Oberhausener Falke soll ein neues Bild von Deutschland vermitteln
Noch hält Michael Kladny den jungen Wanderfalken fest.Foto: Kerstin Bögeholz

Oberhausen.   Ein junger Wanderfalke überlebte auf dem Oxea-Gelände in Oberhausen eine Flatterpartie aus seinem Nest. Vogelschützer pflegten ihn. Nun wird er von einem Kamerateam gefilmt, das im Auftrag des Auswärtigen Amtes eine Wissenschaftssendung über Industrie und Natur in Deutschland produziert.

Der kleine, gerade mal 650 Gramm schwere Kerl ist ein schauspielerisches Schwergewicht. Er schreit dringlich-bewegend ins Mikro. Blickt aus kugelrunden dunkelbraunen Babyaugen in die Kamera, schlägt elegant mit den Schwingen. Keine Frage, der junge Wanderfalke ist heute der Film-Held auf dem Oxea -Gelände in Holten. Morgen wird er vielleicht schon ein Star in der gesamten arabischen Welt sein.

Einmal um die halbe Welt

Der junge Falke wird nämlich gerade von einem Filmteam aufgenommen, das im Auftrag des Auswärtigen Amtes und von ZDF Enterprises arbeitet. Die Filmleute sind dabei, eine Wissenschaftssendung für einen neuen Sender in Qatar zu produzieren, die in der gesamten arabischen Welt ein neues Bild von Deutschland, seiner Forschung, seiner Industrie und Natur vermitteln soll.

Da passen Oxea - Industrie und Forschung - sowie die Wanderfalken natürlich bestens ins Bild. Ob sich der kleine Greifvogel, der als Vertreter seiner Art eh weite Wege zurücklegt, aber hätte träumen lassen, dass sein Bild einmal beinahe rund um die Welt fliegen wird...

Aus dem Nest gefallen

Die Geschichte des jungen Raubvogels ist ja auch zu rührend. Vor einer Woche fiel er zu früh, ohne richtig fliegen zu können, aus dem Nest. Trotz einer schwindelerregenden Flatterpartie, die Falken nisten in über 30 Metern Höhe, verletzte sich das Tier nicht. „In der Natur wäre er in einer Felsspalte gelandet und dort von den Eltern weiter gefüttert worden“, erklärt Michael Kladny von der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz. Eigentlich nisten die Tiere in Felswänden. Im Ruhrgebiet haben sie Industriebauten für sich entdeckt.

So landete der kleine Falke nicht auf einem Felsen, sondern auf dem Boden. „Dort wäre er verhungert“, ist Kladny überzeugt. Michael Tomec, Mitglied des Naturschutzbundes und Oxea-Mitarbeiter, schätzt, dass der Absturz ein Missgeschick war. Denn der Falke hat noch drei Geschwister. „Die sitzen jetzt alle draußen am Nest und üben das Fliegen, schlagen mit den Flügeln, um ihre Muskulatur zu stärken“, erklärt der Vogel-Experte über die rund 42 Tage alten Tiere. Da könnte einer den anderen schon mal geschubst haben.

Naturschutz

Wanderfalken sind wie alle Greifvögel streng geschützt. Dennoch gibt es vermehrt illegale Verfolgungen.

Die gehen so weit, dass mit Giftködern versehene Tauben ausgeschickt werden. Michael Kladny von der AG Greifvogelschutz appelliert, Auffälligkeiten der Polizei zu melden.

Der Jung-Vogel war also am Boden, aber im Grund gut drauf, als er zu seinem Schutz eingefangen wurde. „Er hatte nur ein paar Parasiten, war ansonsten gesund, das Gewicht stimmte auch“, sagt Kladny. Da reichte es, den Kleinen eine Woche lang zu pflegen. Was Karl-Heinz Peschen von der AG Falkenschutz in Wesel übernahm. Nach nur sieben Tagen war der junge Falke gerüstet, wieder aufs Oxea-Gelände zu ziehen, wurde die Familienzusammenführung vorbereitet.

Kindchenschema

Besonders, wenn noch Geschwister da sind, füttern die Eltern auch einen zeitweise verlorenen Sohn ohne weiteres wieder. An dem Federkleid erkennen sie das Jungtier. „Das ist so ähnlich wie bei uns, es ist niedlich, entspricht dem Kindchenschema“, sagt Kladny über das braun-beige Gefieder des Falken. Erst mit einem Jahr wird er sich die Robe eines Erwachsenen zulegen. Bis dahin würden ihn alle Wanderfalken, sonst sehr territoriale Tiere, in ihrem Revier dulden.

Aber wohin jetzt mit dem Kleinen? Zurück ins Nest kann er nicht. „Wenn wir da dran kämen, würden seine Geschwister sich erschrecken und abspringen“, sagt Kladny. Also wird der Vogel auf einem Gebäude gegenüber vom Nest abgesetzt. Hier wagt er sich sofort an den Rand, macht unbeeindruckt von starken Windböen wild-akrobatische Flugübungen. Als ein Elterntier mit einer Taube ankommt, Wanderfalken, die bis zu 340 km/h fliegen können, jagen nur Vögel, wird der Sohnemann nervös. Flattert noch heftiger. „Er signalisiert seinen Eltern so, ich bin fit“, sagt Kladny. Denn nur fitte Jungtiere werden gefüttert. So ist das in der Natur.

Das Wanderfalken-Paar nistet übrigens seit 2004 auf dem Oxea-Gelände. Jährlich hat es zwei bis vier Jungtiere großgezogen. Der Nachwuchs muss das Revier der Eltern verlassen, sobald er erwachsen ist. Dabei legen die Tiere weite Strecken zurück - deshalb der Name Wanderfalke.

Andrea Micke

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