Fast mythische Jagd mit sinnlosem Ende

Ins Nordamerika der 1870er Jahre entführt der Romantipp des Sterkrader Buchhändlers Arndt Wiebus die Leser: Das kümmerliche Kaff Butcher’s Crossing in Kansas, ein entlegenes Tal in Colorado – das ist der Rahmen, in den John Williams seine Erzählleinwand gespannt hat. Williams (1922 - 1994), dessen Roman „Stoner“ erst 20 Jahre nach seinem Tod zu einem Welterfolg wurde, nimmt die Leser in seinem zweiten Roman „Butcher’s Crossing“ mit auf eine gewaltige Büffeljagd, die zunächst kaum noch möglich scheint und sich dann auch im Nachhinein als letzte große, fast mythische Jagd erweist, als sinnlos blutiges Ende fragwürdiger Profitgier.

Einerseits ein rauschhafter Jagderfolg des unbeirrbaren Büffeljägers Miller und seiner Gefolgschaft, andrerseits die verstörende Entwicklung des jungen Will Andrews, der von der Ostküste kommend diese Unternehmung finanziert hat. Er will zu sich selbst finden und hofft, dass Natur- und Jagderleben ihm das ermöglichen. Die abenteuerliche Jagdgesellschaft kehrt nicht vollzählig zurück zum Ausgangsort ihrer Jagd. Der hat sich während ihrer langen Abwesenheit ebenso verändert wie sie selber. Williams erzählt in einer monumental scheinenden Schlichtheit und beharrlichen Genauigkeit eine Parabel von Gewinn und Verlust, vom Finden und restlosen Zerstören eines Paradieses, von der alles verzehrenden Fratze des Kapitalismus.
John Williams: Butcher’s Crossing, DTV, 2015. 21,90 Euro