Fantastisch
11.08.2009 | 18:46 Uhr 2009-08-11T18:46:00+0200Das Kinderstoff-Atelier ist ein idealer Ort für textile Kreativität. Mädchen nähen wie die Schneider, motiviert durch Erfolg.
„Nähen wie die Schneider”: Die Plätze in den sechs Workshops im Kinderstoff-Atelier von Beate Pöhlmann waren sofort vergriffen, als der Action-Guide auf den Markt kam. Der Umgang mit der Nähmaschine steht bei den jungen Damen wieder hoch im Kurs. Was ist so faszinierend am textilen Handwerk? Wir gingen der Sache auf den Grund.
„Tatort” ist der Kinderstoff-Laden namens „Farbenfroh”an der Duisburger Straße 167. Kunterbunte Buchstaben wiesen uns den Weg über den Hof. Wir treten ein und werden gefangen genommen von dem Anblick, der dem Namen dieses Geschäfts alle Ehre macht: Prall gefüllt sind die Regale mit einer unglaublich vielfältigen Stoffballen-Pracht. Herrlich leuchtende Farben, raffinierte Muster, der Spaß an schönen Stoffen, der, wie Beate Pöhlmann betont, die Grundvoraussetzung fürs Gelingen textiler Werke ist, scheint hier vorprogrammiert zu sein. Wunderschöne Patchwork-Decken, Kissenbezüge, Kleidchen, die das Herz eines jeden kleinen Mädchens höher schlagen lassen, bunte Taschen aller Art, Stofftiere, textile Deko – einige erlesene kunsthandwerkliche Textil-Arbeiten lassen erahnen, dass sich mit Stoff, Nadel und Faden enorm viel Hübsch-Nützliches zaubern lässt. Alles, was schön und teuer ist. Eine Einladung, selbst aktiv zu werden.
Doch wenn die Lust nicht gleich verloren gehen soll, sagt Beate Pöhlmann, muss das erste Werk gelingen. Nicht zu kompliziert soll es sein, dennoch pfiffig und individuell, damit die Freundin vor Neid erblasst. Motto: Nichts motiviert mehr als der Erfolg.
Dreieinhalb Stunden Arbeitszeit sind eingeplant, Ziel ist ein Kosmetiktäschchen, mehrfarbig, mit Innenfutter, Verzierung und Reißverschluss. Die Maschinen waren vorbereitet, ein jede mit einem anders farbigen Garn. Die ersten Nähte auf dem Probierstoff haben schon hinter sich, sie arbeiten höchst konzentriert, als wir ihnen über die Schulter schauen. „Die Maschine hakt!” oder „Das Füßchen ist abgedriftet!”: Auf Hilferufe reagiert Kerstin Hermanns promt, die den Mädchen in Beate Pöhlmanns Workshop assistiert. Die Kursleiterin steht am Schneidetisch und bringt die Lieblingsstoffe, die die Mädchen aus dem reichhaltigen Sortiment ausgewählt haben, in die korrekte Grundform. „Alle haben ihre eigenen Ideen”, sagt sie und es zeichnet sich schon ab: Jedes Täschchen wird ein fantastisches Einzelstück.
Hier muss eine Naht noch einmal aufgetrennt, dort ein Faden neu eingelegt werden. Kim (13) war schon im letzten Jahr im Kurs. „Meine Freundin näht auch”, verrät sie und schwärmt: „So viele schöne Stoffe, die muss man erst mal haben!” Michelle (12) hat sich für den Kurs entschieden, „weil man hier so schöne Sachen machen kann.”

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