Fahrzeugkarten retten Leben

Die Rettungskarten zeigen den Feuerwehrleuten, wo sie welches Werkzeug am Unfallauto einsetzen können.
Die Rettungskarten zeigen den Feuerwehrleuten, wo sie welches Werkzeug am Unfallauto einsetzen können.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
In Autos steckt immer mehr Technik – eine Herausforderung bei Unfällen. Spezielles Training und Typenkenntnisse helfen den Einsatzkräften.

Oberhausen.. Es ist erst wenige Wochen her, dass die Einsatzkräfte der Feuerwehr zu einem schweren Unfall auf der Essener Straße gerufen wurden. Ein Autofahrer war frontal gegen einen Baum geprallt. Für den jungen Mann kam jedoch jede Hilfe zu spät.

Nicht immer enden Rettungseinsätze so dramatisch. Immer aber kommt es auf Minuten an, denn schnelle Hilfe kann Leben retten. Die moderne Technik in neueren Fahrzeugen ist für die Einsatzkräfte oft eine echte Herausforderung – durch Gastanks, mehrere Batterien oder Airbags an vielen Stellen im Wagen. Rettungskarten, die es für nahezu jeden Fahrzeugtyp gibt, können da helfen.

Kaum ein Auto mit Rettungskarte

Aber: Kaum ein Autofahrer weiß, dass es sie gibt. Marc Süselbeck von der Oberhausener Berufsfeuerwehr weiß aus Erfahrung zu berichten: „Ich habe noch nie erlebt, dass in einem verunglückten Auto eine Rettungskarte lag.“ Und weil das so ist, sei die Feuerwehr gerüstet, sagt Wolfgang Tingler, Chef der Wehr in Oberhausen: „In dem Maße, in dem sich die Fahrzeug-Technik verändert, müssen sich unsere Sicherheitstechnik und unsere Einsatzstrategien anpassen.“

So werden bei einem Unfall so schnell wie möglich alle Informationen zum betreffenden Fahrzeug ermittelt – sei es über Nachfragen bei denjenigen, die den Unfall melden, sei es übers Internet. „Auf der Fahrt zum Einsatzort erhalten wir über die Leitstelle die wichtigsten Informationen“, sagt Jürgen Jendrian. Er ist seit vielen Jahren immer wieder als Einsatzleiter der Wehr vor Ort.

Auch Rettungskarten sind dank des Internets schnell zur Hand. Aber: „Es ist nicht damit getan zu wissen, dass ein Golf verunglückt ist. Wir müssen möglichst auch Typ, Baujahr und wann er gebaut wurde wissen“, sagt Jendrian.

Vor allem die neueren Fahrzeuge bergen große Gefahren, wenn die Rettungskräfte beispielsweise die Rettungsschere an der falschen Stelle ansetzen: „Wir haben längst nicht mehr nur eine Batterie in den Autos, meist sind es zwei. Zudem neigen Materialien wie Karbon oder Glasfaser zum Zersplittern“, führt Jendrian aus. Airbags gebe es mit Pyrotechnik oder Gasdruck. „Hier droht Explosionsgefahr.“ Und dann gibt es noch die Hybridautos, die nicht nur mit Benzin, sondern auch mit Gas fahren.

Ausdruck spart beim Einsatz Zeit

Immer wieder passe die Feuerwehr ihr Prozedere im Rettungsfall an die neuen technischen Gegebenheiten an, ergänzt Wolfgang Tingler: „Wir beschaffen auf Schrottplätzen nicht nur uralte Autos, sondern auch neuere, um daran die technischen Bedingungen zu üben.“

Eines aber sei bei jedem Einsatz gleich: Zuerst werden die Batterien abgeklemmt, um elektrische Spannungen im Fahrzeug zu verhindern, dann stehen immer Beamte mit Löschmitteln bereit, um im Ernstfall jedes noch so kleine Flämmchen zu ersticken.

Für die Rettungskräfte vor Ort, so sagen die Feuerwehrleute übereinstimmend, wäre es sinnvoll, wenn sich Fahrzeugführer für ihr Auto eine Rettungskarte aus dem Internet ausdrucken, denn das spare Zeit. Feuerwehrchef Tingler macht aber auch deutlich: „Irgendwann ist Schluss mit der ganzen Recherche. Dann müssen wir handeln.“ Schließlich gehe es darum, dass die Rettungskräfte einem Verunglückten so schnell wie möglich zu helfen.