Gesundheit
Experten zum Thema Knochenbrüche im Alter
06.05.2010 | 09:36 Uhr 2010-05-06T09:36:00+0200
Es ist ein Drama, das sich täglich in Haushalten, Pflegeheimen und Krankenhäusern abspielt: Ein Mensch stürzt, bricht sich einen Knochen, wird pflegebedürftig und stirbt. Was junge Leute noch recht gut wegstecken, ist für Senioren oft genug lebensbedrohlich.
Ein Thema also, das ernst genommen werden sollte, und deswegen ist es auch eines beim WAZ-Medizinforum am Montag, 17. Mai, um 18 Uhr, im St.-Clemens-Hospital (Eingang Robert-Koch-Straße 19). Dr. Thomas Friess, Chefarzt der Unfallklinik im St. Clemens, Dr. Theodor Nienhaus, Chefarzt der Geriatrie (Altersmedizin) und Dr. Holger Ernst, Leitender Arzt des Reha-Zentrums Oberhausen referieren darüber, wie gefährlich ein Bruch im Alter ist und – vor allem – wie man schnell wieder aus dem Bett kommt.
Zentrum für Alterstraumatologie gegründet
„Trotz unserer Hochleistungsmedizin wird ein Drittel aller Patienten mit einem Oberschenkelhalsbruch innerhalb von einem halben Jahr pflegebedürftig“, erklärt Dr. Friess. Die Fraktur in Nähe des Hüftgelenks – der häufigste Bruch bei Stürzen im Alter – verkürze das Leben älterer Menschen um durchschnittlich sieben Jahre, um genauso viel Zeit wie ein Krebsleiden. „20 bis 60 Prozent dieser Patienten sterben innerhalb von fünf Jahren.“ Angesichts solch niederschmetternder Zahlen hat das St. Clemens 2006 ein „Zentrum für Alterstraumatologie“ gegründet, das 2008 zertifiziert wurde.
Der Kern des Zentrums ist die enge Zusammenarbeit zwischen Unfallchirurgen, Altersmedizinern sowie der Pflege, den Krankengymnasten und dem Sozialdienst. So soll nicht nur der Bruch fachgerecht „versorgt“ werden, sondern der Patient soll möglichst schnell wieder auf die Beine kommen, um eine Pflegebedürftigkeit zu vermeiden.
Schon vor der Operation werden Begleiterkrankungen wie ein hoher Blutdruck, Zucker-, Schilddrüsen- und Durchblutungsprobleme möglichst gut behandelt, um das Narkoserisiko zu senken und die Heilung zu verbessern. Auch die Medikamente werden geprüft. Nach der OP folgt sehr schnell die Reha, und zwar noch im Krankenhaus: „Der Patient muss dafür nicht verlegt werden. Wir haben eigens Betten für Menschen mit Altersfrakturen.“
Altersbedingte Knochenbrüche sind auf dem Vormarsch
Danach können Patienten, die bereits entlassen sind, noch in die Tagesklinik kommen, um dort „fitgemacht“ zu werden. Der Sozialdienst kümmert sich derweil darum, dass Stolperfallen aus der Wohnung verschwinden und Hilfsmittel bestellt werden.
In NRW ist das St. Clemens bislang das einzige zertifizierte Zentrum für Alterstraumatologie, doch bundesweit finden sich immer mehr Nachahmer. Denn altersbedingte Knochenbrüche sind auf dem Vormarsch, weiß der Fachmediziner. Mit der eigenen Arbeit zeigt sich Friess, der sich auch berufspolitisch für das Thema engagiert, zufrieden: „Wir konnten bei uns die Quote der Menschen, die mobil waren und nach dem Bruch in ein Pflegeheim mussten, um 15 Prozentpunkte verringern.“

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