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Einigung

Ex-Centro-Fanshopleiter kassiert vom FC Bayern "gut dotierte Ablösesumme“

24.02.2016 | 12:24 Uhr
Ex-Centro-Fanshopleiter kassiert vom FC Bayern "gut dotierte Ablösesumme“
Fanshop-Geschäftsführer Markus M. vor dem Amtsgericht Oberhausen.Foto: Kai Kitschenberg

Oberhausen.  FC Bayern muss sich vor dem Arbeitsgericht Oberhausen in zwei Prozessen verteidigen: Der Klub hat massiven Ärger wegen seines Fanshops im Centro.

Wenn man gegen den FC Bayern antritt, ist ein Unentschieden ein achtbares Resultat – vermutlich deswegen war dem ehemaligen Leiter des FC Bayern-Fanshops die Erleichterung ins Gesicht geschrieben, als klar wurde: Der Gütetermin vor dem Arbeitsgericht endet tatsächlich gütlich – mit einer gut dotierten „Ablösesumme“ für den Shopleiter, der zudem noch bis Ende Juli seinen Lohn bekommt. Zuvor hatte der Verein ihm die fristlose Kündigung in die Hand gedrückt.

Doch selbst dieser Affront kann die Treue des 50-Jährigen zu seinem Fußballverein nicht erschüttern. „Mir blutet das Herz“, hatte der 50-Jährige schon vorab erklärt, angesichts des Umstandes, dass er vor Gericht gegen seinen Verein und Arbeitgeber antreten musste. Als Bayern-Fan hatte er fast 19 Jahre lang in dem Shop gearbeitet,  Ex-Präsident UIi Hoeneß hat ihm sogar mal in einer familiären Notlage massiv geholfen.

Als Mario Götze den Shop feierte, krachte es hinter den Kulissen

Doch in den letzten Monaten hing der Haussegen schief: Als am 4. Dezember Weltmeister Mario Götze und tausende Fußballfans den neuen, vergrößerten Fanshop des FC Bayern München im Oberhausener Centro einweihten, krachte es hinter den Kulissen bereits gewaltig: Das Unterstützungsteam aus München habe sich mehr um Götze und das Büffet gekümmert als um die vielen Tausend Kunden. Der Shopleiter klagt, er habe nicht einmal genug Personal bekommen, um eine zweite Kasse zu öffnen.

Prozess
Bayern München hat Ärger wegen Shop im Centro Oberhausen
Bayern München hat Ärger wegen Shop im Centro Oberhausen

Weltmeister Mario Götze war da und Tausende Fußballfans, als drei Wochen vor Weihnachten der FC Bayern München seinen neuen Shop im Oberhausener Centro eröffnet. Doch mit dem Fangeschäft kam auch massiver juristischer Ärger. In der kommenden Woche muss sich der FC Bayern in gleich zwei Verfahren vor dem Arbeitsgericht verantworten.

Der Hauptvorwurf, so der „Spiegel“ in seiner neuesten Ausgabe: massive Verstöße gegen das Datenschutzgesetz. Was im neuen Bayernshop passiert, wird von beinahe so vielen Kameras verfolgt wie ein durchschnittliches Bundesligaspiel: Neun hängen im Verkaufsraum, zwei weitere überwachen den Sozialraum des Shops.

Einer Beschäftigten reichte es Mitte Dezember: Sie fordert den Abbau dieser Kameras, die Löschung der Daten und 5000 Euro Schadenersatz. „Eine Überwachung von Sozialräumen ist schlicht rechtswidrig“, so der Essener Anwalt für Arbeitsrecht, Christian Nohr. Vorher, im deutlich kleineren Shop, gab es nur eine Kamera – und die war im Verkaufsraum. Zudem konnten die Mitarbeiter auf einem Monitor sehen, was die Kamera aufnahm und im Falle eines Diebstahls mit der Polizei die Aufnahmen auswerten.

Hoeneß: "Anfangs haben wir rote Zahlen gemacht"

Heute wissen sie nicht einmal, wo sie in München anrufen sollten, um im Falle eines Falles an die Bilder zu kommen. Auch, dass Ende November alle Mitarbeiter vor einer weißen Wand fotografiert wurden, legt nach Ansicht von Rechtsanwalt Nohr nahe, dass per Gesichtserkennung eine lückenlose Überwachung der Mitarbeiter geplant ist. Nohr vermutet in der deutlichen Ausweitung der Überwachung denn auch weniger Diebstahlsprävention als den Einzug einer neuen Unternehmenskultur.

Die habe mutmaßlich auch zur Kündigung des bisherigen Shopleiters geführt. Der 50-Jährige, treue Bayernfan hat seit fast 19 Jahren die Geschicke des Shops geleitet, der so etwas wie die Bayerische Fußball-Botschaft im nicht immer FCB-freundlichen Revier ist.

So räumte der damalige Vereinspräsident Uli Hoeneß 2012 ein: „Anfangs haben wir da rote Zahlen gemacht. Aber ich habe gesagt: Der Shop muss sein.“ Damit die Schalke- und Dortmund-Fans im Centro an den Bayern-Devotionalien vorbeilaufen müssen...

Unternehmerisch sind die Zeiten rauer geworden

Doch unternehmerisch sind die Zeiten für den FC Bayern im Revier offenbar rauer geworden. Wie der Spiegel berichtet, sind die Umsatzzahlen im Geschäftsjahr 2014/2015 um rund eine halbe Million auf 1,9 Millionen gesunken. Obwohl der neue, größere Shop darauf deutet, dass man im Fußballwesten weiter nach vorne spielen will, sehen die Münchener Manager den bisherigen Shopleiter offenbar nicht mehr im Kader: „Ich habe halt das Maul aufgemacht“, meint er. Die neue Unternehmenskultur mit vielen in seinen Augen falschen Vorgaben – so sollte er zur Oktoberfestzeit Trachten verkaufen – und an Schikane grenzenden Vorschriften nahm er nicht widerspruchslos hin.

Am Tag der Eröffnung soll es hinter den Kulissen gekracht haben. Das Unterstützungsteam aus München habe sich mehr um Mario Götze und das Büffet gekümmert als um die vielen Tausend Kunden. Der Shopleiter klagt, er habe nicht einmal genug Personal bekommen, um eine zweite Kasse zu öffnen. Das wiederum legt ihm wohl München als Fehlplanung aus.

Versuche zur gütlichen Einigung schlugen offenbar fehl, der Shopleiter nahm sich anwaltlichen Beistand. Und als Arbeitsrechtler Christian Nohr im Namen seines Mandaten die Überlegung in den Raum stellte, ob es angesichts der Mitarbeiterbeschwerden nicht sinnvoll sei, einen Betriebsrat zu gründen, wurde dem 50-Jährigen am 29. Januar fristlos gekündigt.

Eine Begründung gab es bislang nicht – auch keine Reaktion auf Medienanfragen. Vor dem Arbeitsgericht dürften die Vertreter des größten Sportvereins der Welt einen schweren Stand haben. Es gab bereits ein Versäumnisurteil: Zum ersten Termin wegen der Videoüberwachung am 6. Januar erschien niemand. Dreikönige ist in Bayern schließlich Feiertag.

Versäumnisurteil kassiert, Hausverbot für Klägeranwalt

Ein schnellerer Konter gelang dem Verein, nachdem Anwalt Nohr sich im Fanshop umsah und bat, die Sozialräume sehen zu dürfen. Der Mitarbeiter versuchte, aus München eine Erlaubnis zu bekommen, erreichte niemanden. Nohr verzichtete dankend – und bekam tags drauf die rote Karte: Hausverbot für den Centro-Shop. Was dazu führen kann, dass der FC Bayern ein weiteres Mal in Oberhausen antreten muss. Nohr klagt vor dem Amtsgericht darauf, den Fanshop wieder betreten zu dürfen. Dabei ist er eigentlich Schalke-Fan.

Seine Fehlplanung, so sah es offenbar der Verein. Hinzu kommt: Die Umsätze, so berichtet der Spiegel, sind im Centro Geschäftsjahr 2014/2015 um rund eine halbe Million auf 1,9 Millionen gesunken. Obwohl der neue, größere Shop darauf deutet, dass der FC Bayern im Fußballwesten weiter offensiv  spielen will, sahen die Münchener Manager den Shopleiter offenbar nicht mehr im Kader: „Ich habe halt das Maul aufgemacht“, meinte dieser. Jetzt bekommt er einen goldenen Handschlag – und muss künftig schweigen.

Angestellte fordert 5000 Euro Schadenersatz

Ob der FC Bayern in dem morgen anstehenden zweiten Verfahren auch mit einer Geldzahlung davonkommt, bleibt abzuwarten: Dieses Mal geht es um Fragen des Datenschutzes. Nicht nur, dass neun Kameras den Shop besser überwachen als manchen Strafraum: Auch im Sozialraum hängen zwei Kameras – und das ist nach Auffassung des Klägeranwalts Christian Nohr genauso Unrecht wie die Besetzung der Datenschutzbeauftragten mit einer Beschäftigten, die gleichzeitig für Recht und Personal zuständig ist. Auch wenn es sich mit Heide Schwarzenbeck um die Tochter der Club-Legende und des 74er-Weltmeisters Georg „Katsche“ Schwarzenbeck handelt.

Eine Beschäftigte des Fan-Shops forderte jetzt den Abbau dieser Kameras, die Löschung der Daten und 5000 Euro Schadenersatz. „Eine Überwachung von Sozialräumen ist schlicht rechtswidrig“, so der Essener Anwalt für Arbeitsrecht. Vorher, im kleineren Shop, gab es nur eine Kamera im Verkaufsraum. Zudem konnten die Mitarbeiter auf einem Monitor sehen, was die Kamera aufnahm und im Falle eines Diebstahls mit der Polizei die Aufnahmen auswerten.

Heute wissen sie nicht einmal, wo sie in München anrufen sollten, um im Falle eines Falles an die Bilder zu kommen. Auch, dass Ende November alle Mitarbeiter vor einer weißen Wand fotografiert wurden, legt nach Ansicht von Rechtsanwalt Nohr nahe, dass per Gesichtserkennung eine lückenlose Überwachung der Mitarbeiter geplant ist. Nohr vermutet in der Überwachung und der Ablösung des Shopleiters weniger Diebstahlsprävention als den Einzug einer neuen Unternehmenskultur.

Stephan Hermsen

Kommentare
25.02.2016
18:45
Ex-Centro-Fanshopleiter kassiert vom FC Bayern "gut dotierte Ablösesumme“
von Rentnerweisheit | #3

Ist typisch für den FC Bayern, ein Verein der vorbestrafte Führungskräfte in seinen Reihen hat, legt auch keinen Wert auf Korrektheit.
Diese...
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1 Antwort
Ex-Centro-Fanshopleiter kassiert vom FC Bayern "gut dotierte Ablösesumme“
von Rentnerweisheit | #3-1

Entschuldigung :: Sollte heißen "Abgewiesen und nicht angewiesen. Perdone.

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2016-02-24 12:24
Centro, Bayern, Fanshop, Götze, Gericht
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