EVO setzt auf Fernwärme und dezentrale Kleinst-Kraftwerke

Drohen bei der EVO betriebsbedingte Kündigungen?

Wir versuchen, für unsere Belegschaft ein guter und sicherer Arbeitgeber zu sein. Bei der bestehenden Struktur sind wir mit unseren 400 Mitarbeitern an der Schmerzgrenze angelangt. Wir arbeiten im Schichtbetrieb, der Verwaltungsbereich ist ausgedünnt worden, gleichzeitig konfrontieren wir die Belegschaft mit immer mehr Arbeit. Wenn wir aber kein Geld mehr verdienen und der Druck der Anteilseigner steigt, müssen wir weitere kreative Maßnahmen entwickeln.

Was heißt das konkret?

Wir brauchen wieder zukunftsfähige neue Geschäftsmodelle. Wir wollen die Dienstleistungskette zum Kunden hin ausbauen, also etwa kleinere, dezentrale Anlagen ermöglichen.

Auf dem Neubaugebiet am Rechenacker ist so etwas geplant, eine Pelletanlage und ein Nahwärmenetz. Lohnt sich das denn?

Einzelne erfolgreiche Beispiele machen noch kein Geschäftsmodell, dazu muss mehr kommen. Das ist ein Schwerpunkt, den wir setzen wollen. Wir müssen auch daran ar­beiten, kundenorientierter aufgestellt zu sein. Und wir wollen sinnvolle Projekte in Bezug auf Erneuerbare Energien umsetzen.

Ein Windpark in Oberhausen?

Da gibt es keinen geeigneten Standort. Es macht in Oberhausen auch keinen Sinn, verstärkt auf Solarenergie zu setzen. Anders das Projekt Fernwärmeschiene Rhein Ruhr, bei dem wir verschiedene Fernwärmeinseln, die wir in den Städten schon jetzt haben, miteinander verbinden. Übrigens ist da die Steag unser größter Partner. Erneuerbare Energien sind auch ein Grund, warum wir uns an der Steag beteiligt haben. Wir wollen die Steag ein Stück weit auf Erneuerbare Energien ausrichten, mit Windparks in Spanien und Osteuropa.

Hat sich der Steag-Deal aus heutiger Sicht gelohnt?

Die Entscheidung damals war goldrichtig und ich würde wieder so entscheiden. Die Steag hat bis heute die Ergebnisabführung erreicht, die wir erwartet hatten. Aber auch die Steag kann sich langfristig vor den energiepolitischen Entscheidungen in Deutschland nicht wegducken. Wir brauchen aber die Beteiligungserträge der Steag, um die Durststrecke zu überwinden, bis wir neue Modelle haben. Denn dieser Ertrag liegt im Millionenbereich, das ist mehr als nur ein Taschengeld.