Es rappelt in der Kiste
07.05.2009 | 19:39 Uhr 2009-05-07T19:39:00+0200
Frisch eingezogen – und vielleicht ist schon Nachwuchs unterwegs: Zwei Asiatische Zwergkrallenotter leben ab sofort im Aquarium an der Marina.
Vielleicht war es das ungewohnt gute Wetter, dass sie abschreckte, vielleicht aber auch der Riesenrummel, der um sie gemacht wurde: Unter Beobachtung dutzender Reporter, Fotografen und Fernsehteams sollten Dusty und Berry gestern eigentlich ihr frisch erbautes Quartier in Oberhausen beziehen. Eigentlich. Denn irgendwie hatte das Asiatische Zwergkrallenotter-Paar keine Lust, von seiner sicheren Transportbox, mit der es am Mittwochabend aus dem regnerischen England ins Ruhrgebiet gekommen war, in das neue Außengehege des Sea Life Aquariums zu wechseln.
Eingemummelt in heimeligen Heuhaufen bekamen die zwei noch nicht einmal mit, wie eine diebische Elster das leckere Pferdefleisch stibitzte, das die Tierpfleger als Köder im Gehege ausgelegt hatten. Ein Glück für den dreisten Vogel, denn „Otter sind Raubtiere”, erklärte der biologische Leiter Robert Donoso der ungeduldig wartenden Presse. „Die greifen selbst Raubvögel an, wenn die ihnen zu nahe kommen.”
Schlaue Kerlchen hecken Fluchtpläne aus
Trotz aller Zurückhaltung kann man davon ausgehen, dass sich Ottermann Dusty und seine Frau Berry in Oberhausen wohlfühlen: In der Nacht zu gestern hat es nämlich schon mächtig gerappelt in der Kiste. Stefan Porwoll, neuer Manager des Aquariums, geht davon aus, dass sich Dusty und Berry bereits gepaart haben.
Asiatischer Zwergkrallenotter
Der Asiatische Zwergkrallenotter ist die kleinste Art der Seeotter. Während ihre großen Kollegen mit bis zu 45 Kilogramm echte Schwergewichte sind, bringen Zwergkrallenotter gerade einmal sechs Kilogramm auf die Waage.
Sie können bis zu fünf Minuten unter Wasser bleiben und während des Tauchgangs sowohl ihre Augen als auch die Nase schließen. Dabei können sie mit zwölf Kilometern in der Stunde schneller schwimmen als ein Mensch gehen kann.
Die natürliche Heimat der Asiatischen Zwergkrallenotter erstreckt sich von den südlichen Philippinen über Borneo und Indonesien bis Indien und dem Süden Chinas. Weil der Mensch seine Lebensräume zunehmend zerstört und die Tiere wegen ihrer Felle jagt, gilt der Asiatische Zwergkrallenotter als gefährdete Tierart.
„Hoffentlich auch erfolgreich”, wünscht sich Robert Donoso, der sich über baldigen Nachwuchs tierisch freuen würde. „Unser Ziel ist eine Gruppe mit sechs Tieren”, sagt der 45-Jährige. Genug Platz für kleine Otterngezüchte sei da: Das neue Außengehege ist insgesamt 600, das Otter-Gehege rund 300 Quadratmeter groß.
Trainingsplan gegen die Langeweile
Vielleicht ein bisschen wenig für Tiere, die in freier Wildbahn bis zu 20 Kilometer am Tag zurücklegen? „Nein, der Platz reicht”, meint Manager Stefan Porwoll und Robert Donoso ergänzt: „Wir haben schon einen Trainingsplan für die Otter erstellt, um sie bei Laune zu halten.” Denn Langeweile ist das Schlimmste, was einem Otter passieren kann, erklärt Donoso. „Daran gehen die Tiere zu Grunde.”
Oder sie kommen auf Ausbruchs-Gedanken. Denn Otter sind gar nicht mal so dumm. „Die können sogar Türriegel öffnen und untereinander Fluchtpläne aushecken”, erzählt der Biologe. Und man glaubt ihm sofort, wenn man einen Blick auf die Tierchen, die sich irgendwann dann doch noch aus der Kiste getraut haben, wirft: So vorwitzig, wie die aus den Büschen lugen, haben sie es bestimmt faustdick hinter den Ohren.

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