Es geht nicht um Paragraphen
12.01.2010 | 19:06 Uhr 2010-01-12T19:06:00+0100Warum über die Entscheidung, den neunjährigen Max ins Heim zu schicken, noch einmal nachgedacht werden muss
Ein Kind soll ins Heim – oder auch nicht! Dabei dürfen wir getrost davon ausgehen, dass weder die betreuende Diakonie noch der Vormund noch die Justiz dem kleinen Max oder seiner Pflegemutter Böses wollen. Aber auch Richter haben schon Fehlurteile gefällt und Betreuer sind zuweilen überlastet, dies sollten wir uns ebenfalls vor Augen halten. Das vom Duisburger Amtsgericht formulierte „suboptimale Umfeld” konnte die NRZ jedenfalls nicht ausmachen, als sie Frau L. gleich mehrmals in ihrer Wohnung aufsuchte.
Zugegeben, hierbei handelt es sich um eine Einschätzung, die einer belastbaren Prüfung kaum standhält, sondern nur vom Augenschein lebt. Vielmehr aber hat ein Vormund auch nicht zu bieten, wenn er vielleicht ein oder zweimal im Jahr mit dem Jungen redet. Mehr Gewicht besitzt deshalb sicherlich das Urteil der Lehrer.
Erfahrene Pädagogen, die in Kontakt mit der Pflegemutter stehen und Tag für Tag mit dem Kind umgehen, sprechen sich aber ganz eindeutig und mit bemerkenswerter Vehemenz gegen die Beschlüsse der Behörden aus. Diese Stimmen müssen gehört werden, wer sie nicht ernst nimmt, ist fehl am Platze. Denn natürlich geht es nicht um Paragraphen und Formalien, die zu erfüllen sind, sondern um ein schutzloses Kind.
Dessen derzeitige Gefühlslage mag man sich am liebsten gar nicht vorstellen.

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