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Übernachten in O.

Erstes Haus am Platze

05.02.2010 | 11:00 Uhr
Erstes Haus am Platze

In Oberhausen übernachten Touristen und Geschäftsreisende, Messebesucher oder Arbeiter, die auf Montage sind. Welche Angebote stehen für sie bereit? Mit der WAZ-Serie „Übernachten in O.” öffnen wir Türen der unterschiedlichen Bettenhäuser. Heute die des Parkhotel Bockmühle.

Dunkle Teppiche, dunkle Möbel und ein großes weiches Bett, das zu einem Nickerchen lockt. Doch, hier in dem Komfortzimmer im Parkhotel Bockmühle könnte man sich bestimmt wohlfühlen. Immerhin gilt das Vier-Sterne-Plus-Hotel als erstes Haus in Oberhausen. Damit ist es doch sicherlich auch Anziehungspunkt für zahlreiche Touristen, die sich von Osterfeld aus auf Revier-Expedition begeben? Zumindest würden es immer mehr, drückt sich Hotelbesitzerin Uschi Wischermann vorsichtig aus. „Aber noch sind 65 Prozent unserer Gäste Geschäftsreisende.”

Allerdings sei die Zahl der touristischen Übernachtungen ein Erfolg, „denn eigentlich haben wir erst 1996 angefangen, uns tatsächlich auch Gedanken über Touristen zu machen”. Die Eröffnung des Centros und des Bottroper Movie-Parks hätten die Region für Touristen interessant gemacht. „Allein im vergangenen Jahr habe ich hier 5000 Tickets für den Movie-Park verkauft. Das sind für mich 5000 Übernachtungen”, erklärt Uschi Wischermann. Gemeinsam mit dem Freizeitpark bietet sie Übernachtungspakete für ihre 85 Doppelzimmer an. Dabei können die Gäste zwischen dem Standard-, dem Komfort- und dem Deluxe-Zimmer wählen.

Längst sind auch Reiseveranstalter auf das Ruhrgebiet aufmerksam geworden und arbeiten mit Uschi Wischermann zusammen. 1997 hat sie den ersten Vertrag mit einem holländischen Veranstalter abgeschlossen. Für sie ein völlig neue Erfahrung: „Heute sind wir in fast allen Katalogen der großen deutschen Städtereisen-Veranstalter vertreten. Das war anfangs nicht leicht, die Verantwortlichen von der Attraktivität des Ruhrgebiets zu überzeugen.” Inzwischen bietet sogar Aldi Tripps nach Oberhausen an. Dort können die Kunden Übernachtungen in Uschi Wischermanns zweitem Hotel, dem Residenz buchen.

Im Parkhotel setzt die Chefin zudem auf fertige Arrangements, wie zum Beispiel das Romantik-Wochenende. Aber funktioniert Romantik in Oberhausen oder braucht es dazu nicht eher den Ausflug nach Paris oder Venedig? „Diese Skepsis ist mir anfangs auch entgegengebracht worden. Aber es rechnet sich, sonst würden wir es ja nicht machen.” Besonders begehrt bei Verliebten: Die Suiten mit dem großen Bad. „In drei dieser Zimmer haben wir dann auch Whirlpools, die sind ein Renner, zumal wir uns auch bei der Dekoration mit Kerzen und Rosenblättern viel Mühe geben”, erklärt Uschi Wischermann. Wer nicht ganz so romantisch veranlagt ist, kann von der Badewanne aus aber auch fernsehen. Neben dem Rasierspiegel hängen nämlich Flachbildschirme. „Gerade bei Geschäftsreisenden kommt das an”, so Uschi Wischermanns Erfahrung.

Die Gäste kommen teilweise sogar aus der nahen Umgebung. „Vielen von ihnen sind in der Woche lange Strecken im Auto unterwegs, da wollen sie für ein romantisches Wochenende oftmals gar nicht mehr so weit fahren”, glaubt Uschi Wischermann.

Trotzdem sei das Ruhrgebiet noch lange keine Tourismusregion. „Wer hierher kommt, der braucht immer einen Anlass, wie etwa das Shoppen im Centro, den Musicalbesuch oder den Abstecher zum Movie-Park.” Solche Attraktionen lockten die Menschen an. „70 Prozent unserer Zimmer sind am Wochenende als Paket vermietet.” Umso wichtiger sei es, den Gästen dann mit Tipps und Empfehlungen zur Seite zu stehen. „Das mussten wir lernen. Touristen haben andere Bedürfnisse als Geschäftsreisende, die einen viel strafferen Zeitplan haben.”

Matthias Düngelhoff

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