Erregte Debatte über Bordelle

Drei Monate vor der Oberbürgermeister-Wahl wird die Tonlage in den Gremien rauer. Die von der CDU-Opposition angestrebte Verlagerung des über 50 Jahre alten Rotlichtviertels aus der Innenstadt auf unbewohntes Gelände erregte im Hauptausschuss die Gemüter.

SPD und Grüne warfen insbesondere dem CDU-Oberbürgermeisterkandidaten Daniel Schranz vor, mit „nebulösen Aussagen“ Wahlkampf zu betreiben und die Bürger in die Irre zu führen. „Sie wissen genau, dass das nicht umsetzbar ist“, rief SPD-Fraktionschef Wolfgang Große Brömer seinem Amtskollegen von der CDU zu. „Sie sind unredlich: Sie wollen einen Stadtteil durch die Verlagerung aufwerten, sagen aber nicht, welchen Stadtteil sie abwerten wollen.“

Grünen-Fraktionschefin Regina Wittmann hieb in die gleiche Kerbe und kritisierte zudem, „die CDU wolle die Sexualarbeiterinnen an den Rand der Gesellschaft drängen“. Auch FDP-Fraktionschef Hans-Otto Runkler, seit einem Jahr Mitglied der Regierungskoalition, nannte die Bordell-Idee ein Feuerwerk nur für den Wahlkampf. „Es blendet, macht viel Krach – und am Ende bleibt nur Rauch übrig.“ Die Bordelle an der Flaßhof-straße würden Bestandsschutz genießen. Eine Verlagerung löse hohe Entschädigungspflichten für die Stadt aus. „Am Ende haben wir in Oberhausen einen weiteren Rotlicht-Standort.“

SPD-Fraktionsvize Karl-Heinz Emmerich nannte als Beispiel Frankfurt: Die Main-Metropole habe in den 80er Jahren versucht, das Rotlichtviertel vom Bahnhof wegzubekommen und habe nun zwei Standorte dieses Gewerbes.

Rechtsdezernent Frank Motschull (SPD) versicherte, dass eine Verlagerung rein rechtlich nur bei einem Straßenstrich möglich sei, nicht aber bei festen Bordellhäusern, denen der Bebauungsplan Bestandsschutz biete.

CDU-Ratsfraktionschef Daniel Schranz wehrte sich. Er bleibe bei seiner Rechtsauffassung, dass eine Bordellverlagerung umsetzbar sei. Andere Städte wie etwa Köln hätten dies bewiesen. Per echter Bürgerbeteiligung wolle man den geeigneten Rotlicht-Standort festlegen lassen. Deshalb nenne die CDU jetzt keine Fläche.

Und: „Wir wollen die Prostitution nicht verdrängen, sondern wollen nur, dass sie nicht mehr mit allen negativen Begleiterscheinungen in der Innenstadt stattfindet.“ Das würde die City weiter hinabziehen.