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Er starb für das fünfte Gebot

24.04.2014 | 08:00 Uhr
Er starb für das fünfte Gebot
Wilhelm Hetkamp starb, weil er sagte: „Ich kann nicht auf Befehl töten.“Foto: privat

Oberhausen.   „Du sollst nicht töten“ – daran glaubte der Bibelforscher Wilhelm Hetkamp. Mit ihm wurden drei weitere Angehörige der Familie von der NS-Justiz in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Auch Drucker und Verteiler des „Wachtturm“ mussten für ihren Glauben mit dem Leben bezahlen.

Was würden Sie tun, wenn hier Krieg ausbräche? Der Oberhausener Wilhelm Hetkamp gehörte zur Zeit des Nationalsozialismus der Religionsgemeinschaft der Bibelforscher an. Er wollte sich an die Gebote Gottes halten, von denen das fünfte besagt: „Du sollst nicht töten!“ Also verweigerte er den Dienst an der Waffe – und wurde dafür hingerichtet.

Heiligabend kam das Todesurteil

Seine Frau Elise Hetkamp erinnert sich: „Mein Mann sagte damals zu mir: Elise, ich kann es nicht. Ich kann keinen Menschen, wenn ich jetzt Soldat würde, auf Befehl töten. Das geht gegen mein Gewissen, das kann ich nicht. Dieser Mensch hat mir doch nichts getan. Und nur, weil die mich dahin schicken, soll ich den töten? Nein, ohne mich!“

Und so konnte die Nazi-Justiz Wilhelm Hetkamp zwar als Landesverräter, aber nicht wegen Fahnenflucht anklagen, berichtet Klaus Oberschewen. Der Vorsitzende des Historischen Vereins Oberhausen-Ost erzählt: „Am Heiligen Abend 1941 erhielt Elise Hetkamp die Nachricht, dass ihr Mann zum Tode verurteilt worden ist und dass er am 30. Januar 1942 hingerichtet wird.“

Doch damit nicht genug. Nachbarn von Elise Hetkamp spuckten vor ihr aus. „Das hörte erst auf, als der Pastor in der Kirche Wilhelm Hetkamp ausdrücklich seinen Respekt aussprach“, erzählt Klaus Oberschewen weiter.

Vier Mitglieder aus der Familie Hetkamp – die Brüder Heinrich und Wilhelm Hetkamp, ihre Mutter Auguste Hetkamp sowie Elise Hetkamps Schwager Wilhelm Bischoff – wurden wegen ihrer Zugehörigkeit zur Vereinigung der Bibelforscher von den Nazis umgebracht. Alle vier sind im Strafgefängnis Plötzensee in Berlin-Charlottenburg hingerichtet worden.

Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurde die Lage der freikirchlichen Religionsgemeinschaften immer kritischer. Doch trotz des Verbotes hielten sich auch in Oberhausen in allen Jahren des faschistischen Regimes Gebets- und Gesprächskreise der Bibelforscher.

Der Osterfelder Schlosser Walter Gluske etwa wirkte seit Januar 1937 als „Wachtturm“-Kurier für Oberhausen und Umgebung. „Zweimal monatlich holte er bei dem Essener Schlosser August Steffen je 75 Exemplare ab und gab sie an seine Glaubensschwestern und -brüder in Mülheim, Dinslaken, Duisburg, Alt-Oberhausen und Osterfeld weiter“, fand Klaus Oberschewen heraus.

360 „Wachtturm“-Hefte gedruckt

Aber auch die Tätigkeit von Julius Engelhard scheint ihm erwähnenswert. Engelhard – vorher in Südwestdeutschland für die Zeugen Jehovas tätig – lebte seit Anfang 1941 illegal bei seinem Glaubensbruder Heinrich Böke in Sterkrade. „Dort stellte er bis zum April 1943 jeden Monat eine Ausgabe des Wachtturm her“, erzählt Klaus Oberschewen. Zunächst in einer Auflage von 240, später von 360 Exemplaren. Julius Engelhards Lebensunterhalt wurde durch Spenden der Bibelforscher gesichert.

Von Sterkrade aus sorgte er für die „Wachtturm“-Verteilung im Ruhrgebiet und damit auch in Alt-Oberhausen, Mülheim und Essen. Stützpunkte richtete er darüber hinaus in München, Speyer, Mannheim, Dresden und Freiberg in Sachsen ein. Am 3. April 1943 kam er in Haft, 1944 wurde er in Plötzensee „wegen Wehrkraftversetzung und Feindbegünstigung“ zum Tode verurteilt und hingerichtet. Das gleiche Schicksal sollte auch seinen Unterstützer Heinrich Böke ereilen.

Barbara Hoynacki

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2014-04-24 08:00
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