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England macht Schule

06.03.2009 | 19:28 Uhr
England macht Schule

Matthew Watson (16) aus Blackpool bekam als Praktikant eine Woche lang Einblick in den Alltag einer deutschen Grundschulklasse. Die Kinder vermissen ihn jetzt schon.

Ganz still sitzen die Grundschüler im Stuhlkreis, blicken gespannt auf das Buch in der Hand ihres Lehrers und lauschen seiner Stimme. Wenn Matthew Watson zum Buch greift und mit dem Vorlesen einer englischen Geschichte beginnt, kann man in der 3b an der Postwegschule die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören. Kein Wunder: Matthew ist kein gewöhnlicher Lehrer. Der 16-Jährige ist einer von 22 Jugendlichen aus Blackpool, die im Rahmen eines Schüleraustausches mit dem Elsa-Brändström-Gymnasium als Praktikanten den Alltag an einer Grundschule erleben konnten.

„Die ersten Klassen sind sehr niedlich”

Eine Woche lang wohnte Matthew als Austauschschüler in einer Oberhausener Gastfamilie und half als Praktikant im Englischunterricht – aber auch in allen anderen Stunden – an der Postwegschule mit. Am Sonntag geht es zurück nach England. Abschied für immer? „Hoffentlich nicht”, sagt Matthew. Denn nach der Schule könne er sich gut vorstellen, als Englischlehrer zu unterrichten – am liebsten in Deutschland.

Mit den Grundschülern arbeitet der Jugendliche im Unterricht hauptsächlich spielerisch, singt mit ihnen etwa englische Lieder, liest aus englischen Kinderbüchern vor oder spricht mit ihnen über alltägliche Themen wie Sport. Dabei gilt: Die Kinder fragen auf Englisch – er antwortet ihnen auf Deutsch. „Die ersten Klassen sind sehr niedlich”, erzählt Matthew, der seit etwas mehr als einem Jahr an einer englischen Grundschule mithilft, grinsend. Und auch für die anderen Schüler hat er nur lobende Worte: „Sie sind alle sehr höflich und aufmerksam.”

Die Mädchen und Jungen haben „ihren” Matthew längst ins Herz geschlossen. Der Gast sei richtig „cool” verrät Justin, „auch weil der so gut Englisch sprechen kann”. Seiner Mitschülerin Anna gefällt besonders, dass Matthew auch außerhalb des Unterrichts ansprechbar sei. „Wir können ihn auch fragen, was er sonst alles so macht”, freut sich die Neunjährige.

Verständigungsprobleme haben die Grundschüler nicht: „Wir verstehen ihn gut – auf Deutsch und Englisch”, stellt Pascal klar. Wenn Matthew einmal ein deutsches Wort fehlt, machen ihm die Kinder schnell praktische Vorschlägen. Und wenn sie dem Älteren dann sogar einmal etwas beibringen können – etwa dass eine Katze „schläft” und nicht „schlaft” – können die Mädchen und Jungen ihren Stolz nur schwer verbergen.

Der rege Austausch freut auch die Lehrer. „Ziel des Praktikums ist es, dass die englischen Schüler ihre Deutschkenntnisse verbessern können”, erzählt Matthews Lehrerin Terry Bold.

Info: Die 22 Schüler aus Blackpool sind seit Anfang März mit ihrer Deutschlehrerin in Oberhausen und arbeiten hier an 15 verschiedenen Grundschulen. Bereits im Januar waren Schülerinnen und Schüler des Elsa-Brändström-Gymnasiums in England zu Gast und haben dort ebenfalls Praktika in Schulen absolviert.

Ann-Kathrin BROCKS

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