Energiewende setzt Stadttochter in Oberhausen unter Druck

Hartmut Gieske ist seit September 2003 der kaufmännische Vorstand der Energieversorgung Oberhausen AG (EVO).
Hartmut Gieske ist seit September 2003 der kaufmännische Vorstand der Energieversorgung Oberhausen AG (EVO).
Foto: Ulla Emig/ FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Mit seinem Kerngeschäft, der konventionellen Energieerzeugung, verdient die EVO immer weniger. Das Unternehmen musste 2014 an die Reserven gehen

Oberhausen.. Die Energiewende setzt den Oberhausener Versorger EVO unter Druck: Die Gewinne der je zur Hälfte der Stadt und dem Konzern RWE gehörenden EVO sinken. Denn mit dem Verkauf von Strom und mit Netzentgelten lässt sich immer weniger Geld machen, zugleich aber buhlen immer mehr Wettbewerber um Strom- und Gas-Kunden.

EVO-Vorstand Hartmut Gieske prognostiziert im Interview mit der WAZ, dass bei unveränderter Bundespolitik bisherige Erlöse von elf Millionen Euro im Jahr bis 2020 fast halbiert werden. Das hat nach Darstellung von Gieske gravierende Folgen für die Stadt und ihre Bürger: größere Finanzlöcher im Haushalt, weniger Sponsorengelder für Sport, Schulen und Kultur.

Betriebsbedingte Kündigungen drohen

So wie der EVO geht es praktisch allen Stadtwerken im Ruhrgebiet. Vor allem Energieversorger mit Beteiligungen an konventionellen Kraftwerken haben es schwer, weil umweltfreundlicher Strom subventioniert wird, hingegen Klima belastende Kohle- und Gaskraftwerke vielfach Verluste schreiben. Bei den einst sicheren Arbeitgebern drohen betriebsbedingte Kündigungen.

So weit ist es bei der EVO nicht. Zu der Möglichkeit von betriebsbedingten Kündigungen äußert sich Gieske zwar nicht, er weist aber daraufhin: „Die Schmerzgrenze ist erreicht.“ In den vergangenen zehn Jahren sei das Personal bei der EVO um rund ein Drittel abgebaut worden – mehr sei nicht möglich.

Zum Glück habe das Unternehmen frühzeitig in die umweltfreundliche Fernwärme investiert und neben Personal- auch Sachausgaben reduziert. Rosig sehe es bei der EVO dennoch nicht aus, meint der kaufmännische Vorstand. „Kurzfristig haben wir keine Probleme, aber in den nächsten drei bis fünf Jahren.“

EVO setzt auf langen, harten Winter

Noch 2013 hat die 1971 gegründete EVO ihre Anteilseigner an satten Umsätzen teilhaben lassen. Doch 2014 reichten die erwirtschafteten Gewinne nicht mehr aus, um die zugesagte Ausschüttung von elf Millionen Euro zu decken: „Wir mussten auf unsere Rücklagen zurückgreifen“, gibt Gieske unverhohlen zu. „2014 ging an unsere Substanz.“ Während die EVO für das jetzt laufende Jahr auf einen harten Winter und eine lange Heizperiode setzt, seien die elf Millionen Euro 2016 unter der derzeitigen Voraussetzung nicht mehr zu schaffen.

Die geringeren Gewinnausschüttungen werden nicht nur Kämmerer Apostolos Tsalastras zu schaffen machen, sondern auch vie­len Kultureinrichtungen und Vereinen. „Bei rückläufigen Gewinnen können wir die Messlatte beim Sponsoring nicht beibehalten“, sagt Gieske.