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Eltern bangen um Kitaplätze

27.12.2007 | 18:51 Uhr

Kritik: Für katholische Kinder wird die christlich orientierte Erziehung gestrichen

ROTSTIFT FALSCH ANGESETZT Es war am Donnerstag vor dem ersten Advent, als Anne Ahrens, seit 34 Jahren Leiterin der Kita "Unsere Liebe Frau", nach Essen zitiert wurde, um die Botschaft persönlich vom Zweckverband katholischer Tageseinrichtungen für Kinder im Bistum Essen zu empfangen: Bis spätestens zum Kindergartenjahr 2009/10 wird die Kita Schönefeld 53 um eine Gruppe reduziert. "Sukzessive und unter Verzicht auf Neuaufnahmen" habe der Abbau von 25 Kitaplätzen zu erfolgen. Die Konsequenz: Nicht alle der 35 Kinder, die in der Kita angemeldet sind, werden einen Platz bekommen, darunter auch Kinder, die katholisch getauft sind, deren Eltern Kirchensteuern bezahlen und Wert auf die religiöse Erziehung legen.

Genau hier setzt die Kritik der empörten Eltern an: Während einerseits beklagt werde, dass sich Erziehung immer weniger an christlichen Werten orientiere, nehme man Kindern ausgerechnet dort, wo das Interesse besonders groß sei, diese Chance. "Da im angrenzenden Stadtgebiet Alt Oberhausen neun weitere Kindergartengruppen geschlossen werden, rückt ein katholischer Kitaplatz für uns in weite Ferne", hat Ulrike Linscheid-Weiss an Bischof Vorrath geschrieben. Sie hat die Kindergartenzeit ihres ersten Kindes in der Kita "Unsere Liebe Frau" sehr positiv erlebt, bangt nun um einen Platz fürs jüngere Geschwisterchen.

Doch nicht nur die Entscheidung des Bistums, Kitagruppen und Einrichtungen zu schließen, erregt die Gemüter. Zeitgleich mit der Hiobsbotschaft hat der Zweckverband die Eltern gebeten anzugeben, ob sie 25, 35 oder 45 Kita-Wochenstunden für ihr Kind in Anspruch nehmen möchten. Diese Bedarfsabfrage sei eine Konsequenz aus dem neuen Kinderbildungsgesetz "KiBiz". Abgesehen davon, dass nicht garantiert werde, dass die gewünschte Stundenzahl auch angeboten werden könnte, befürchten Eltern erhebliche Nachteile für die Elementarbildung. "Wenn ich mich für 25 Stunden entscheide", fragt sich Ulrike Linscheid-Weiss, "darf meine Tochter dann am Nachmittag nicht mehr am Turnen teilnehmen?"

Leiterin Anne Ahrens Zukunftsbild erinnert an ein Schwimmbad: "Kinder erhalten je nach gebuchter Betreuungszeit verschieden farbige Armbändchen. Ist die Zeit für Gelb abgelaufen, dürfen Mutter und Gelb-tragendes Kind nicht am Elternnachmittag teilnehmen." Über die Schiene Zeit kostet Geld werde bewirkt, dass sich viele Familien für einen kürzeren Kindergartenaufenthalt entscheiden, so die Eltern. Das bewährte Konzept der Kita "Unsere Liebe Frau" mit der Möglichkeit der Ganztagsbetreuung sei zumindest stark gefährdet.

Von Gudrun Mattern

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