Einwanderung als Chance für Oberhausen sehen

Sie standen den Bürgern Rede und Antwort, v.l.: Heike Beier (Awo), Rechtsdezernent Frank Motschull, Sozialdezernentin Elke Münich, Ercan Telli (Intergrationsrat),  Superintendent Joachim Deterding und Wolfgang Schmitz vom Unternehmerverband.
Sie standen den Bürgern Rede und Antwort, v.l.: Heike Beier (Awo), Rechtsdezernent Frank Motschull, Sozialdezernentin Elke Münich, Ercan Telli (Intergrationsrat), Superintendent Joachim Deterding und Wolfgang Schmitz vom Unternehmerverband.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Vertreter von Stadt, Kirche, Awo, Integrationsrat und Firmen im Gespräch. Vor allem das Thema Wirtschaft und Arbeitsplätze beschäftigte die Besucher.

Oberhausen.. So wie es nicht den Einwanderer, den Flüchtling oder den Einwohner mit Migrationshintergrund gibt, so gibt es auch nicht den einen Weg, Menschen in die Stadtgesellschaft zu integrieren. Stadt, Schule und Wirtschaft sind hier besonders gefordert, wie das Stadtgespräch am Montagabend zeigte, zu dem VHS, Arbeit und Leben sowie die WAZ-Lokalredaktion eingeladen hatten. Im Mittelpunkt der Diskussion, zu der über 80 Interessierte ins Bert-Brecht-Haus kamen, stand dabei die Wirtschaft.

Angesichts des demographischen Wandels betonte Wolfgang Schmitz (Unternehmerverband) die Bedeutung von Zuwanderung und damit von Arbeitskräften, die künftig in die Renten- und Sozialkassen einzahlen. Wichtig seien aber drei Punkte: Das Beherrschen der deutschen Sprache und die berufliche Qualifikation, die ein Zuwanderer mitbringt, auf der einen Seite, der Abbau bürokratischer Hemmnisse auf der anderen, um sie auch einstellen zu können. Dass es in Oberhausen eine hohe Arbeitslosigkeit gibt, widerspreche einer Einwanderung nicht, denn: „Viele Arbeitslose sind Langzeitarbeitlose, haben nicht die erforderliche Qualifikation“, so Schmitz. Mangelhafte Qualifikation sieht er auch bei Schülern, weshalb Ausbildungsplätze nicht besetzt würden.

Schulen und Betriebe sollten enger zusammenrücken

Schuldezernentin Elke Münich plädierte dafür, dass Schulen und Betriebe enger zusammenrücken. Mit Blick auf die Flüchtlinge meinte sie: „Die Oberhausener sind offen. Die Stadt muss sich nicht verstecken.“ Weiterhin seien aber Anstrengungen erforderlich, Kinder und Jugendliche zu fördern und damit auch ihre beruflichen Chancen zu erhöhen.

Die Frage, ob es eine Parallelgesellschaft in Oberhausen gibt, beantwortete Ordnungsdezernent Frank Motschull mit einem eindeutigen „Nein“. Die Polizeistatistik belege, dass es keine signifikant höhere Kriminalitätsrate in der Gruppe der Flüchtlinge gebe. Probleme bereite allerdings ein kleiner Kreis von 50 bis 100 Menschen, die aus den EU-Staaten Rumänien und Bulgarien kommen. „Da werden dann ordnungspolitische Maßnahmen ergriffen.“

Ercan Telli, dessen Eltern aus der Türkei stammen, lobte die Willkommenskultur in Oberhausen. In Richtung der Unternehmen allerdings sieht er Nachholbedarf: Menschen mit Migrationshintergrund hätten es immer noch deutlich schwerer, eingestellt zu werden, auch wenn sie die gleiche Qualifikation wie andere hätten. Die Bundesrepublik befinde sich aktuell in einem Reifeprozess, weil sie jahrzehntelang keine Einwanderungspolitik betrieben habe.

"Noch viel Luft nach oben"

„Bei der Integration gibt es noch viel Luft nach oben“, unterstrich auch Superintendent Joachim Deterding. Unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet sieht er große Vorteile durch Einwanderer: „Bei der zunehmenden Bedeutung der Freizeitwirtschaft ist Multi-Kulti von Vorteil.“

Heike Breier von der Arbeiterwohlfahrt berät seit vielen Jahren Migranten. Ihre Erfahrung: „Die Menschen wollen die Integration und sie wollen die deutsche Sprache lernen.“