Einsatzbereitschaft und Beharrlichkeit gefragt

Harte Arbeit, für die sich die Anstrengung aber vollkommen lohnt: Wenn Ralf Kock, Obermeister der Elektro-Innung und Geschäftsführer von Kock Elektro, über das Handwerk spricht, dann kann man eine gewisse Leidenschaft in seiner Stimme erkennen. „Wenn einem die Arbeit keinen Spaß macht, dann macht es keinen Sinn“, erzählt er weiter. In seinem Betrieb will er Jahr für Jahr Jugendlichen eine Chance geben, sich selbst zu verwirklichen und eine Karriere aufzubauen. „Im Handwerk gibt es die reale Chance, sich später selbstständig zu machen.“ Aber bevor es so weit ist, bedarf es einer großen Einsatzbereitschaft und Beharrlichkeit – Eigenschaften, die nicht bei jedem Bewerber, beziehungsweise Azubi zu finden sind.

„Immer weniger Jugendliche haben Erfahrungen mit handwerklichen Aufgaben“, so Kock, der vor inzwischen 24 Jahren den elterlichen Betrieb übernommen. „Ich merke es oft bei Schülerpraktikanten, dass sie bereits Schwierigkeiten haben, wenn sie auf der vierten Stufe einer Leiter stehen.“ Doch gehöre dies zum Job dazu. „Wir sind auch auf Baustellen tätig, dort wird nun einmal Staub aufgewirbelt.“ Darum plädiert der Ur-Oberhausener dafür, Schülern so weit es nur geht, frühzeitig die Möglichkeit zu geben, in die Betriebe reinzuschauen. „Ich halte immer noch Betriebspraktika für den praktikabelsten Weg.“

„Man investiert viel Zeit und Geldin einen Azubi“

Doch ist das Finden geeigneter Azubis nicht die einzige Schwierigkeit. Mehrfach sei es in den vergangenen Jahren passiert, dass sich Azubis nach Ablegen ihrer Prüfung und kurzer Berufstätigkeit dazu entschieden haben, die Technikerschule zu besuchen: dort können sie einen Abschluss als „Staatlich geprüfter Techniker“ erlangen. „Als Techniker geht man nicht zurück ins Handwerk sondern in die Industrie“, so Kock. Er kann diesen Entschluss nachvollziehen, jedoch bringt ihn das ihn eine schwierige Lage. „Eine Ausbildung ist teuer. Man investiert viel Zeit und Geld in einen Azubi.“

Zumal es im Handwerk ebenfalls Möglichkeiten gibt, das eigene Einkommen zu steigern – dies braucht aber seine Zeit. „Ich selbst habe drei Töchter. Momentan sieht es so aus, als würde es sie alle beruflich eher in andere Bereiche ziehen.“ Darum will Kock ein Eigengewächs aus seiner Firma in den kommenden Jahren zu seinem Nachfolger aufbauen. „Er hat in der Abendschule seinen Meister gemacht und Interesse daran gezeigt, den Betrieb zu übernehmen.“ Solche Entwicklungen würde es in vielen Handwerksbereichen geben. „Viele Betriebe werden in den kommenden Jahren Probleme bei der Nachfolge haben.“ Gerade dies sei die Chance für junge Handwerker: hart arbeiten und später selbst der Chef sein.