Eine Viertelstelle für die Oberhausener Notfallseelsorge

Die Christus-Gemeinde konnte sich mit ihrem Antrag für eine feste Stelle für die Notfallseelsorge durchsetzen.
Die Christus-Gemeinde konnte sich mit ihrem Antrag für eine feste Stelle für die Notfallseelsorge durchsetzen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Evangelische Kreissynode stellt ab 2016 jährlich bis zu 30 000 Euro zur Verfügung.Kirchenvertreter rechnen künftig mit Armutswelle in nie dagewesener Größenordnung

Oberhausen.. „Die Gesellschaft, in der wir leben, verändert sich massiv“, sagt Superintendent Joachim Deterding – und bringt damit auch das Hauptthema der Kreissynode auf den Punkt. 55 Gemeindevertreter versammelten sich jetzt im Gemeindehaus der evangelischen Kirche Königshardt-Schmachtendorf. Erklärtes Ziel: Antworten auf die neuen Herausforderungen finden.

Und dazu gehört auch die Zustimmung der Synode zum Antrag der Oberhausener Christus-Gemeinde, eine Pfarrstelle im Umfang von 25 Prozent für die ökumenische Notfallseelsorge einzurichten. Ab dem 1. Januar stehen jährlich bis zu 30.000 Euro bereit, damit die Arbeit der überwiegend ehrenamtlichen Notfallseelsorge künftig hauptamtlich begleitet werden kann.

„Es ist vorgesehen, dass diese Stelle an eine bereits in einer der Gemeinden bestehende Pfarrstelle angebunden wird“, erläutert Deterding, der hofft, dass einer der Kollegen oder Kolleginnen nun vielleicht Interesse daran hat, seine Stundenzahl aufzustocken.

„Wir müssen da sein, wo die Menschen sind“

Auf große Zustimmung stieß auch der Antrag von Pfarrer Frank Meißburger zur europäischen Flüchtlingspolitik. „Darin wird vor allem ein Ende der europäischen Abschottungspolitik zugunsten einer menschenorientierten Flüchtlingspolitik verlangt“, erläutert Deterding. Außerdem gehe es um eine Verbesserung der Seenotrettung sowie Schutzmaßnahmen für unbegleitete Kinder und Jugendliche.

„Wir müssen da sein, wo die Menschen sind“, betont Deterding. Und da sieht er die Evangelische Kirche vor Ort unter anderem mit der Arbeit der Diakonie auch recht gut aufgestellt. Falle doch in ihren Aufgabenbereich etwa die Kinder- und Jugendhilfe, die Arbeit mit Obdachlosen, die psychosoziale Betreuung sowie die Schuldnerberatung. Deterding weiß aber auch: „Die Themen ändern sich im Laufe der Zeit.“

Altersarmut wird erwartet

So rechnet auch die Evangelische Kirche vor Ort mit zunehmend mehr Menschen, denen trotz Vollzeitstelle nicht mehr genügend Geld zum Leben bleibt. „Verschlimmert wird diese Situation durch den fatalen Beschluss der Politik, die ergänzenden Leistungen immer weiter herunterzufahren“, sagt Deterding. Prof. Uwe Becker von der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe habe im Rahmen seines Vortrages bei der Kreissynode gewarnt: „Wir reden hier von mehreren hunderttausend Menschen in Deutschland.“

Eine Altersarmut in nie dagewesener Größenordnung erwartet die Evangelische Kirche auch bei den künftigen Rentnern. „Die Rente ist heute bereits für viele knapp. Das wird sich durch die geplanten Rentenkürzungen drastisch verschlechtern.“ Zwar sei hier vor allem der Staat gefordert. „Aber wir als Kirche müssen uns ebenfalls schon heute darauf einstellen, diesen Menschen künftig in ihrer Not beizustehen“, sagt der Superintendent.