Eine Million für fünf Klassenräume

Die Toilettenanlagen an der Havensteinschule sind bereits saniert worden. Die alte Urinrinne unter den Pissoirs wurde komplett entfernt, der Boden neu gefliest. Jetzt nutzen die Kinder ihr WC wieder gerne.
Die Toilettenanlagen an der Havensteinschule sind bereits saniert worden. Die alte Urinrinne unter den Pissoirs wurde komplett entfernt, der Boden neu gefliest. Jetzt nutzen die Kinder ihr WC wieder gerne.
Foto: Oliver Mueller / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
In den Sommerferien starten zwei große Schulsanierungsmaßnahmen in Oberhausen. Auch Eltern konnten mitreden. Vater informierte über stinkende WC-Anlagen.

Oberhausen.. Die Ferien haben begonnen und mit ihnen starten die ersten Schulsanierungsmaßnahmen. Die zwei größten stehen in der Gesamtschule Osterfeld und in der Melanchthon-Grundschule an. In Osterfeld werden für 1 Million Euro fünf Klassenräume renoviert. In der Grundschule wird die Küchenausgabe erneuert (98 500 Euro). Neu: Schulleiter melden ihren Bedarf jetzt selbst – und auch Eltern können durchaus Einfluss nehmen.

Und dass, obwohl wegen des Sparpaketes der Etat im Bausektor der Stadt von insgesamt 17,5 Millionen Euro auf 12,5 Millionen Euro schrumpfte. Horst Kalthoff, Geschäftsführer der Oberhausener Gebäudemanagement GmbH (OGM), ist sich dennoch sicher: „Unsere Schulen sind und bleiben in einem ordentlichen Zustand.“

Alle Aufträge an Oberhausener Firmen

Unterhaltung und Sanierungsprogramm für die Oberhausener Schulgebäude wurden ab Januar 2014 bis 2021 europaweit ausgeschrieben. Stolz ist die OGM darauf, dass trotz des Kostendrucks sämtliche Aufträge letztlich an Oberhausener Firmen vergeben werden konnten. Zwei örtliche Hauptunternehmen sind damit für Osterfeld, drei für Sterkrade und vier für Alt-Oberhausen zuständig.

3,2 Millionen Euro flossen bereits 2014 in den Erhalt der Schulgebäude. 2015 kommen rund 1,7 Millionen Euro dazu. Was an welcher Stelle getan werden muss – das stimmen die Schulleiter mit den Unternehmen in Eigenregie ab. Die Hausmeister melden den Renovierungswunsch über ein Ticketsystem. „Die Aufträge sind dann in einer vorgegebenen Zeit zu erledigen – was von uns auch kontrolliert wird“, betont Kalthoff.

Auch der Brandschutz wird verbessert

In der Gesamtschule Osterfeld werden für 1 Million Euro fünf naturwissenschaftliche Klassenräume saniert. „Alle fünf Physik- und Chemieräume erhalten neue Bodenbeläge und Installationen, außerdem eine neue Technik und sämtliche Wände werden frisch verputzt“, führt Kalthoff aus.

In der Melanchthon-Grundschule dagegen werde die Küchenausgabe für 98 500 Euro erneuert. „Da geht es um einen verbesserten Brandschutz, ebenfalls um neue Bodenbeläge sowie einen Wanddurchbruch“, so Kalthoff.

Was dem Geschäftsführer wichtig ist: „OGM, Schulen und Unternehmen können ihre Maßnahmen flexibel terminieren.“ Dass dies funktioniert, beweist das Beispiel der Havensteinschule. Dort hatte Kai Klatt, Vater einer Erstklässlerin und Mitglied der Schulpflegschaft, die OGM auf untragbare Zustände in dem veralteten Sanitärbereich hingewiesen. „Die Toiletten der Jungs stanken nach Urin, viele Kinder hielten lieber an, bis sie zu Hause waren“, erzählt Klatt. Ein Mitarbeiter der OGM habe sich die Sache sofort vor Ort angesehen und bestätigt: „Das ist so schlimm geworden – diese eh geplante Maßnahme ziehen wir vor.“

Schule richtet einen Toilettendienst ein

Die Schüler und Lehrer der Havenstein-Grundschule freuen sich jetzt über einen frischen Anstrich in den Jungen- und Mädchentoiletten, über neue WC-Schüsseln, Spiegel, Waschbecken, Seifenspender und Handtuchhalter. Im Jungen-WC wurde teils ein neuer Bodenbelag verlegt. „Sonst wären wir den Gestank durch die alte Urinrinne unter den Pissoirs nie los geworden“, sagt Schulleiterin Andrea Witzmann.

Was ihr besonders wichtig war: „Die Kinder durften die Wandfarben mit auswählen.“ Die Mädchen entschieden sich für ein Rosebourdeaux, die Jungs für ein Petroltürkis. Damit die Sanitäranlagen so schön bleiben, wie sie jetzt sind, hat die Schule den Kindern die Verhaltensregeln noch einmal ins Gedächtnis gerufen – und einen Toilettendienst eingeführt. Den übernehmen die Kinder der dritten und vierten Klassen freiwillig. Sie erinnern die Kleinen ans Händewaschen und daran, dass die Papiertücher in den Abfallkorb gehören. Erfreut stellte Witzmann fest: „Alle 128 Kinder sind so stolz auf ihre Toilettenräume, dass sie sich große Mühe geben.“ Für die Havensteinschule gehören fliegende Klorollen und am Boden verstreute Papiertücher der Vergangenheit an.