Eine ganz besondere Kupplerin

Ehrenamtlerin mit Leib und Seele: Mathilde Horsthemke koordiniert den Besucherdienst.
Ehrenamtlerin mit Leib und Seele: Mathilde Horsthemke koordiniert den Besucherdienst.
Foto: Lars Heidrich
Was wir bereits wissen
Mathilde Horsthemke bringt bei ihrem Projekt „Gesellschaft leben“ Ehrenamtliche und alleinlebende Menschen zusammen. Fingerspitzengefühl ist gefragt.

Oberhausen.. Wenn Verwandte weit weg wohnen oder der Lebenspartner verstorben ist, dann ist der Austausch mit einem Vertrauten meist der sehnlichste Wunsch. Deshalb bietet Mathilde Horsthemke, Koordinatorin für Oberhausen-Ost, mit dem hiesigen Projekt „Gesellschaft leben“ seit 2012 einen ehrenamtlichen Besuchsdienst an, der sich an Menschen richtet, die alleine leben oder in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Ehrenamtler schenken ihnen ein paar Stunden Zeit in der Woche, besuchen sie, gehen mit ihnen spazieren oder hören einfach nur zu.

Soziales Engagement hat in ihrer Familie schon lange Tradition: „Mein Vater hat mir vorgelebt, ohne Erwartung auf Anerkennung auch für andere da zu sein. Trotz seiner starken beruflichen Einbindung hat er sich diesen Freiraum geschaffen, das hat mich stark geprägt“, erzählt Horsthemke.

Im Vorfeld finden erstmal Treffen statt

Daher zögerte sie auch nicht lange, als sie vor drei Jahren von einem Freund erfuhr, dass es möglich ist, sich bei dem Kooperationsprojekt „Gesellschaft leben“ ehrenamtlich zu engagieren: „Ich war davon sofort begeistert, denn hier kann ich mich sinnvoll und gut einbringen – lange hatte ich danach schon gesucht.“ Seitdem bringt die 64-Jährige ehrenamtlich Tätige mit Menschen, die alleine leben und Kontakt suchen, zusammen. „Im Vorfeld findet erstmal ein Treffen statt, damit ich mir ein Bild von dem neuen Ehrenamtlichen machen kann und frage nach seinen Wünschen und Vorstellungen“, sagt die Koordinatorin.

Dann ist Fingerspitzengefühl und Menschenkenntnis gefragt: „Ich bringe meiner Einschätzung nach die passenden Paare zusammen – das ist der schwierigste Part meiner Arbeit und jedes Mal eine Herausforderung. Manchmal hat’s auch nicht geklappt, aber meine Freude ist umso größer, wenn es zwischen ihnen passt.“ Denn Horsthemke weiß um ihre große Verantwortung: „Wenn die Besuche beispielsweise in der Wohnung stattfinden, müssen sich beide einfach vertrauen.“

Suche nach ehrenamtlichen Helfern

Die 64-Jährige ist für das Projekt immer wieder auf der Suche nach ehrenamtlichen Helfern, die einmal wöchentlich, zwei bis drei Stunden, ihre Zeit verschenken möchten: „Wie sie die Zeit gestalten, entscheiden sie gemeinsam – ob spazieren gehen, einkaufen, Spiele spielen oder über die letzten Tage reden.“ Sie hebt hervor, dass es bei dem Projekt nicht um die Pflege der Menschen geht, sondern einzig und allein um die gemeinsame Freizeitgestaltung.

Dennoch werden auch die Ehrenamtlichen in Erster Hilfe geschult, um auch im Ernstfall reagieren zu können. Zudem absolvieren sie Fortbildungen zur Selbstverteidigung, Sterbebegleitung und Kommunikation. „Wir achten auf die Wünsche der Ehrenamtlichen, beispielsweise veranstalten wir jedes Jahr ein gemeinsames Treffen, damit sich alle miteinander austauschen können. Zudem bin ich jederzeit Ansprechpartner für sie“, erzählt Horsthemke. Die jüngste Helferin im Team ist 22 Jahre und der Älteste 83 Jahre – insgesamt gibt es für den Standort Oberhausen-Ost, für den Horsthemke zuständig ist, 37 Ehrenamtliche mit jeweiligem Partner. „Jeder betreut ausschließlich eine Person zwischen 50 und 96 Jahren, nur im Notfall, wenn die Chemie überhaupt nicht stimmen sollte, kann auch gewechselt werden.“ Ihre ehrenamtliche Arbeit bedeutet der 64-Jährigen sehr viel: „Ich möchte den Menschen einfach etwas zurückgeben, besonders denen, die vom Glück bisher eher benachteiligt wurden.“ Und die Rückmeldungen der Menschen, die besucht werden, bestätigen ihre Arbeit: „Ich höre immer wieder, dass sie sich schon die ganze Woche auf den Besuch freuen, dass es die schönsten Stunden seien und oftmals entstehen tolle Freundschaften.“