Das aktuelle Wetter Oberhausen 11°C
Berufswahl

Einblicke in die Welt der Chemie

24.09.2012 | 08:00 Uhr
Einblicke in die Welt der Chemie
Eric Schmidt ist im 3. Lehrjahr als Chemikant und erklärt Lea, Lukas und Marie (v.l.) die Umkehrosmoseanlage.Foto: Kerstin Bögeholz

Oberhausen.   Das Ausbildungslabor des Oxea-Werks lud junge Menschen zum Infotag.Das Unternehmen bietet Lehrstellen in fünf Berufen an

Weiße Kittel, Schutzbrillen und sprudelnde Flüssigkeiten hinter Sicherheitsglas – als Sascha Becker (16) und seine Eltern das Labor betreten, schauen sie sich erst einmal schüchtern um. Wo sollen sie da anfangen? An fünf Stationen stehen angehende Chemielaboranten bereit und warten darauf, die Neugierigen in ihr Tun einzuweihen.

Anlass für die Familie hierher, in das Ausbildungslabor des Oxea Werkes Ruhrchemie, zu kommen, war am Samstag der „Informationstag der Ausbildung“. Schüler und Studenten konnten den Lehrlingen an Werkbänken und Labortischen über die Schulter schauen, Fragen stellen und hinter die Fassade des Konzerns schauen. Derzeit bildet Oxea in fünf Berufen aus: Industriekaufmann, Industriemechaniker, Elektroniker, Chemiekant und Chemielaborant.

1750 Bewerbungen auf 30 Plätze

Für letzteren interessiert sich auch Sascha Becker, der extra aus Wesel gekommen ist. Er will hier überprüfen, ob die Arbeit im Labor wirklich seinen Vorstellungen entspricht. Ein Vorhaben, das Gerald Mosel (52), Ausbildungsleiter der Ruhrchemie, nur gutheißen kann: „Wir erleben in Bewerbungsgesprächen immer wieder, dass die Jugendlichen gar nicht genau wissen, was zu ihrem angestrebten Beruf dazu gehört.“ Um dem entgegen zu wirken, setzt Oxea also auf ausführliche Informationen – am besten auf Augenhöhe, weshalb die Beratung an diesem Tag hauptsächlich von Auszubildenden im ersten bis dritten Lehrjahr erfolgt. Auch praktisch stehen sie den Interessierten zur Seite: Man kann Seife pressen, ein Geschicklichkeitsspiel aus Draht bauen oder die Dichte einer Flüssigkeit messen.

Werbung in diesem Maße hat der Chemiekonzern aber eigentlich gar nicht nötig: Im letzten Jahr kamen auf 30 Lehrstellen 1750 Bewerbungen. Aufgrund des Abiturdoppeljahrgangs dürften es 2013 noch mehr werden. Gerald Mosel beobachtet folgendes: „Es strömen immer mehr Abiturienten auf den Ausbildungsmarkt und verdrängen so teilweise die Realschüler. Außerdem bewerben sich auch immer mehr Studienabbrecher bei uns.“

Gute Übernahmechancen

Eine von ihnen ist auch Margarete Herzog, die sich nach vier Semestern Chemie-Studium für eine Ausbildung zur Chemielaborantin bei Oxea entschied und nun im zweiten Lehrjahr ist. „Es gefällt mir hier besser als im Studium, denn es ist praxisorientierter“, sagt die 25-Jährige. Außerdem schätzt sie die berufliche Sicherheit, was durchaus berechtigt ist, da Oxea bedarfsorientiert ausbildet. Gerald Mosel erklärt: „In den nächsten zehn Jahren werden etwa 30 Prozent unserer Beschäftigten in die Altersrente gehen.“ Die Übernahmechancen stehen für Margarete und ihre Mitstreiter also allem Anschein nach gut – eine richtige Garantie gibt es jedoch nicht.

Sascha Becker ist nach Margaretes Beratung sehr angetan. Als Junge gehört der 16-Jährige damit allerdings – zum Bedauern des Ausbildungsleiters – zum Großteil der Interessierten: Er ist männlich. „Bei unseren Auszubildenden besteht insgesamt ein Verhältnis von 30 zu 70 zugunsten der Männer“, berichtet Mosel. Und das, obwohl der Konzern gerade in typischen Männerberufe wie dem Elektroniker und Industriemechaniker gerne mehr Mädchen sehen würde. Diese bevorzugen aber weiterhin den kaufmännischen Bereich.

Dass es auch anders geht, zeigt Sarah Laufenburg (19), die einzige angehende Industriemechanikerin im Betrieb: „Ich habe Mädchen beraten, die eigentlich zu unserem Chemikanten wollten - aber da sind sie dann gar nicht mehr hingegangen.“ Vielleicht ist die 19-Jährige ja schon bald nicht mehr alleine.

Josephine Parol



Kommentare
Aus dem Ressort
Der Stoff, aus dem die Kunst entsteht
Soziales
Die Ruhrquilterinnen haben Spaß an Formen und Farben – und das nötige Geschick, um mit Nadel und Faden textile Kunstwerke entstehen zu lassen. Nur für sich selbst nähen die Mitglieder der Gruppe aber schon lange nicht mehr. Sie unterstützen auch karitative Einrichtungen.
Auf der Jagd nach wilden Müllkippen in Oberhausen
Umwelt
1045-mal mussten die WBO-Mitarbeiter bereits ausrücken, um solche Dreckecken zu beseitigen. Manchmal wird der Umweltsünder geschnappt.
40 Jahre fit wie ein Turnschuh
Vereine
Die Frauengymnastikgruppe des Radsportvereins Adler schwört auf wöchentliche Bewegung. Nicht nur Gymnastik, auch Ausflüge und Feste schweißen die Frauen zusammen.
Oberhausener entscheiden über Spendenvergabe der Volksbank
Soziale Förderung
Zum 150. Geburtstag hat sich die Volksbank Rhein-Ruhr in Oberhausen etwas ganz Besonderes ausgedacht: Initiativen können sich, wie üblich, um Geld aus dem Spendentopf der Bank bewerben — aber nicht die Bank allein entscheidet über die Vergabe, sondern die Bürger.
Warten auf besseres Wetter
10 Jahre Montagsdemo
Vor zehn Jahren begannen die Montagsdemonstrationen - auch in Oberhausen. Von anfangs 200 Teilnehmern sind noch rund zehn übrig. Sie lassen sich aber nicht beirren und fordern weiterhin: „Weg mit Hartz IV.“ Die älteren Menschen erreichen sie noch immer mit ihrer Botschaft. Bei den Jüngeren haben sie...
Fotos und Videos
City als Partymeile
Bildgalerie
Musik-Sommer-Nacht
"Dumm gelaufen"
Bildgalerie
Theater
Das Revier bewirbt sich um die Akademie
Bildgalerie
Sparkassen-Akademie