Ein Viertel ist in Feierlaune

Birgitt Auge hat die Gardine in ihrer Küche zur Seite geschoben. Sie hat nur Zeit für einen kurzen Blick nach draußen, auf die Mühlenstraße, wo gerade der große Pulk der Radfahrer vorbei saust. Denn die Dame des Hauses ist dabei, die zweite Kaffeemaschine neu aufzufüllen. Sie und ihr Mann Martin haben den Garten voller Gäste. Seit 31 Jahren laden die Auges Freunde und Nachbarn zum geselligen Beisammensein am Rande des Pfingstradrennens ein.

Ein gelber Sonnenschirm vor der Garageneinfahrt ist das Erkennungszeichen des Festes. Darunter stehen zwei Männer an einem Stehtisch und sind miteinander ins Gespräch vertieft. Neben ihnen cremt ein junger Vater die Arme seiner kleinen Tochter ein, die seine Frau auf dem Arm hält. Der Wettergott hat es gut gemeint an diesem Pfingstsonntag.

Ein Nachzügler wird angefeuert

Wieder kommt der Lautsprecherwagen durch die Mühlenstraße gefahren und kurz danach das Hauptfeld der Radfahrer. Vor der Hecke des Vorgartens von Familie Auge haben Beobachter auf einer langen Bank Platz genommen. Sie nehmen aber nicht immer von den vorbeifahrenden Rennfahrern Notiz. Es gibt viel zu erzählen. Diesmal feuern sie nur einen Nachzügler an.

Drinnen, in der Küche von Birgitt Auge, hilft eine Bekannte, den Kuchen servierfertig zu machen. Die Auges wohnen seit 33 Jahren im Eigenheim an der Mühlenstraße. „Vor 31 Jahren, also 1984, haben wir unsere Garage gebaut“, erinnert sich die 58-Jährige. „Zur Einweihung gab es ein kleines Fest, das zufällig mit dem Radrennen zusammenfiel. Seitdem feiern wir jedes Jahr zusammen.“ Anfangs, gesteht sie, habe sie sich daran gewöhnen müssen, so viele Leute in Haus und Garten zu lassen.

Ehemann Martin macht sich gerade in dieser Garage nützlich, ordnet die Weinflaschen. Ein Bekannter bedient die Zapfanlage. Denn hier ist das große Büfett aufgetischt. Die Getränke und die Grillwürstchen stellen die Gastgeber. Die Zutaten bringen die Gäste mit. Und so reihen sich etliche Schalen mit Salaten, Platten mit Frikadellen und andere Köstlichkeiten aneinander. Der Großvater, der mit dem Enkelkind die Garage betreten hat, er hat es auf den Nachtisch abgesehen, füttert die Kleine mit Erdbeeren und Joghurt.

Auf der Terrasse der Familie Auge haben es sich einige Gäste unter der Markise gemütlich gemacht. Andere sitzen im luftigen Zelt auf dem Rasen. Die Tochter des Hauses steht am Grill. Stefan Wieneke ist eigens aus Frankfurt/Main nach Oberhausen gekommen, um alte Bekannte wiederzusehen. Er ist hier aufgewachsen, hat das Heinrich-Heine-Gymnasium besucht, dann aber in Frankfurt studiert und Arbeit gefunden. „Seit zehn Jahren treffe ich mich hier regelmäßig mit Freunden“, erzählt er, während er nach den Erdnüssen greift.

Harald Scheidegg (65), ein weiterer Gast, erinnert an das Malheur, dass der Familie Auge im vergangenen Jahr passiert ist. „Da hat ihnen Sturm Ela am Tag nach dem Fest doch glatt das Zelt zertrümmert.“ „Aber mein Schwiegervater hat ein neues Zelt angeschafft“, ergänzt Christoph Laaks (32), der hier eingeheiratet hat.

Auf der Straße rasen die Radler wieder vorbei, bevor sie scharf rechts in die Straße Priestershof abbiegen. Auch vor der Gaststätte Frintrop ist viel los. Und aus einer Garage gegenüber von Familie Auge dröhnt laute Musik herüber. Junge Leute sitzen beim Bier zusammen. Ein ganzes Viertel ist in Feierlaune.