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Ein selbstbestimmter Lebensabend ist das Ziel

10.07.2008 | 17:29 Uhr

GESUNDHEIT. Anfang August wird Oberhausens erste Wohngemeinschaft für Demenzkranke an der Danziger Straße bezogen.

Ein selbstbestimmtes Leben mit Demenz? Für viele, die mit dieser Krankheit eher Vorstellungen von geistiger Umnachtung und absoluter Hilfslosigkeit verbinden, mag das zunächst paradox klingen. Doch die Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Oberhausen (GE-WO), die Ruhrwerkstatt und die Stadt wollen genau diesen Weg nun beschreiten: An der Danziger Straße 81 entsteht Oberhausens erste Wohngemeinschaft für Demenzkranke, im August werden die ersten Mieter - es sind ausdrücklich keine Patienten - ihr Domizil beziehen.

Acht Zimmer stehen in dem Haus an der Danziger Straße für Demenz-Kranke offen. Die GE-WO hat das Haus aus ihrem Bestand den Bedürfnissen der künftigen Bewohner angepasst: Die Bäder sind behindertengerecht, ins Treppenhaus wurde ein Fahrstuhl eingebaut. Für Angehörige der Bewohner stehen für den Notfall Gästezimmer bereit.

Für die Betreuung der Menschen sorgt Tag und Nacht die Alten- und Krankenpflege der Ruhrwerkstatt. Um Kontinuität zu gewährleisten, wird in der Wohngemeinschaft ein festes Team eingesetzt, das aus Pflegefach- und Pflegehilfskräften besteht.

Positive Erfahrungen

Das Haus an der Danziger Straße ist bereits das zweite Projekt dieser Art unter pflegerischer Obhut der Ruhrwerkstatt. In Mülheim wurden bereits viele positive Erfahrungen gesammelt. "Die Menschen blühen noch einmal richtig auf, sie werden wieder aktiver", beschreibt Geschäftsführerin Birgit Beierling. Schließlich ist es auch das Ziel, die noch vorhandenen Ressourcen und Kompetenzen der Bewohner nach Möglichkeit zu fördern.

Allerdings gibt es einen weiteren Aspekt, der die Demenz-WG zu einem lohnenden Vorhaben macht: das liebe Geld. "Die Gemeindeprüfungsanstalt hat die Stadt schließlich auch aufgefordert, den ambulanten Pflegebereich auszubauen", erklärt Sozialbereichsleiter Hans-Georg Poß.

Denn das Projekt an der Danziger Straße ist auch finanziell interessant: Die Kosten liegen für einen Platz in der WG bei gut 1600 Euro, hinzu kommen noch die 350 Euro Miete an die GE-WO - die Kosten für einen Platz in einem Pflegeheim beziffert Poß auf 2800 bis 3700 Euro. "Wir haben in Oberhausen einen starken stationären Bereich und sind froh, dass wir jetzt anfangen können, einen ambulanten Bereich für Demenzkranke aufbauen zu können."

Nähere Infos zum Thema Demenz-WG erteilt Gabi Harmann unter Tel: 80 16 51STEIGENDE ZAHLENNach Einschätzung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leiden derzeit etwa 1,1 Millionen Menschen in Deutschland an Demenzerkrankungen, die meisten von ihnen unter der Alzheimer-Krankheit. Das Problem wird sich bei einer alternden Gesellschaft rapide verschärfen. So werden 2010 etwa 16,8 Millionen Deutsche über 65 Jahre alt sein, die Gesellschaft rechnet dann mit gut 1,2 Millionen Kranken. 2020 sind nach Schätzungen 18,6 Millionen über 65 und über 1,5 Millionen Menschen erkrankt.

JOACHIM BÄUMER

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Kommentare
10.07.2008
23:19
Ein selbstbestimmter Lebensabend ist das Ziel
von medicus | #1

Herzlichen Glückwunsch zu diesem Projekt.
Es ist schon ideal, wen mit weniger Kosten ein Zugewinn an Lebensqualität für die Betrofenen erzielt werden kann. Ein Leben ohne Zwänge und mit vollem Verständnis für die Betroffenen sollte zunehmend selbstverständlich werden.
An dieser Stelle hat Oberhausen mal die Nase vorn.

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