Ein Rektor in Oberhausen mit einer stets offenen Türe

Norbert Mölders hat das Klima an der Hauptschule, die in drei Jahren geschlossen wird, entscheidend geprägt.
Norbert Mölders hat das Klima an der Hauptschule, die in drei Jahren geschlossen wird, entscheidend geprägt.
Foto: FUNKE Foto Services
Norbert Mölders (63), Leiter der Hauptschule Alstaden, geht in den Ruhestand. Rund 30 Jahre lang war er im Schulleitergeschäft tätig.

Oberhausen.. Wenn Norbert Mölders sagt, dass an der Hauptschule Alstaden ein tolles Lehrer-Team arbeitet, dass es Spaß macht, hier arbeiten zu gehen und jeder ohne Bauchschmerzen hierher kommt – dann ist das erstens nicht nur glaubwürdig, sondern dann hat er zweitens in seiner Funktion als Schulleiter mit dafür gesorgt, dass es so ist.

Eine allzeit offene Chef-Türe, gegenseitiger Respekt, so muss Schule funktionieren, findet Mölders. Warum geht er dann mit 63 Jahren in den vorgezogenen Ruhestand? „Die Schule zu übergeben, ist nicht so gelungen, wie ich mir das vorgestellt habe“, sagt der scheidende Rektor vorsichtig. Noch drei Jahre gibt es die Hauptschule Alstaden, dann ist sie Geschichte.

Seit 1978 an der Schule

Mölders hätte den Standort gerne erhalten, zum Beispiel als Teil des Modellprojekts Primusschule – eine Schulform, die Kinder vom ersten bis zum zehnten Jahrgang in einem festen Klassenverband unterrichtet –, aber die Eltern in Oberhausen haben sich gegen die Einführung entschieden. Als Letzter das Licht ausmachen, wollte Mölders, der 1978 an die Alstadener Schule kam, dort seit 1986 Konrektor und seit 2005 Schulleiter ist, denn doch nicht. „Man lebt ja auch nicht länger, wenn man länger arbeitet“, sagt er aufgeräumt.

„Ich wollte nie hier weg“, sagt der gebürtige Mülheimer, der aber seine Jugend und eben sein Arbeitsleben in Oberhausen verbracht hat. Ein großer Vorteil war zum Beispiel früher für seine pädagogische Arbeit, dass Alstaden wie ein Dorf mit der entsprechenden sozialen Kontrolle funktionierte. Der Lehrer aus Überzeugung hatte nach seinem eigenen Abi erst mal die Nase voll von Schule, aber nach der Bundeswehrzeit hatte Mölders wieder Lust auf Bildung. Er studierte und ging dafür auch jobben, das war es wert.

Keine hoffnungslosen Fälle

Mölders hat sich in seinem langen Berufsleben nie zu einem Zyniker gewandelt, er hat über einen Schüler nie gesagt: Das ist ein hoffnungsloser Fall, aus dem wird nix. Sondern: Mal gucken, was wir machen können. Auch, wenn der Anteil problematischer Schüler zugenommen hat. Überhaupt, die Veränderungen in der Schullandschaft. „Als ich hier anfing, ging die Hälfte aller Kinder zur Hauptschule, heute sind es noch zehn Prozent. Es drängen zu viele ins Abitur“, ist der Schulleiter überzeugt. Um das System zu vereinfachen, müsste es seiner Ansicht nach für einen kleinen Teil der Schülerschaft das achtjährige Gymnasium geben, aber für alle anderen eine gemeinsame Schule („Egal, wie die nun heißt“), in der die Schüler bis zur Klasse zehn gemeinsam beschult werden – bei innerer Differenzierung, also Förderung. Von da aus könnten Schüler an ein Oberstufenzentrum oder eine Berufsschule gehen. Und: Solche Systeme dürften nicht zu groß werden, „bei 600 Schülern sollte Schluss sein“.

Was hat er jetzt vor? Mit seiner Frau zusammen im Cabrio die deutschen Landschaften erkunden. Eifel, Kaiserstuhl, Schwarzwald. Dann wäre da noch das kommunalpolitische Engagement: Norbert Mölders sitzt in der Nachbarstadt Mülheim für die SPD im Rat und in diversen Ausschüssen.

Am Freitag wird er zum letzten Mal die Zeugnisse austeilen. „Das mache ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Mölders. „Den täglichen Kontakt zu den Menschen, den werde ich vermissen.“