Ein Ort zum Spielen für Flüchtlingskinder in Oberhausen

Malen, spielen, basteln: Dreimal in der Woche treffen sich rund 35 Kinder in der Bruppe im Wohnheim an der Bahnstraße.
Malen, spielen, basteln: Dreimal in der Woche treffen sich rund 35 Kinder in der Bruppe im Wohnheim an der Bahnstraße.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Terres des Hommes Oberhausen bietet im Flüchtlingswohnheim an der Bahnstraße eine Kinder-Spielgruppe an. Die hierhin kommen, haben oft Schlimmes erlebt.

Oberhausen.. Ein grüner Drache leuchtet am Fenster, auf der Tür kleben Papierblumen. In der Ecke ist Betreuerin Maryam Attarnejad gerade dabei, einem Mädchen einen Zopf zu flechten. Die Kleine hält ganz still, sie genießt das Frisieren, „wie eine kleine Prinzessin“, ruft Betreuerin Maryam fröhlich und umarmt die Dreijährige liebevoll, als sie mit den Haaren fertig ist. Derweil malt die siebenjährige Diana „Winnie Pu“, den Bären aus, jagen die älteren Jungs den Kickerball übers Feld.

Was auf den ersten Blick wie eine normale Kindergartengruppe aussieht, ist keine. Weil sich dieser Raum im Wohnheim für Flüchtlinge an der Bahnstraße 72, noch hinter der städtischen Kindertageseinrichtung Holten, befindet. Weil die Kinder in dieser Gruppe derzeit kein richtiges Zuhause haben und schon gar kein eigenes Spielzimmer, sondern mit ihren Eltern in der Holtener Asylunterkunft wohnen.

Und weil viele dieser Kinder einen Rucksack mit schlimmen Erfahrungen schleppen, die sie in ihren von Krieg geschüttelten Heimatländern oder auf der Flucht gemacht haben. „Es gibt hier Kinder, die mit angesehen haben, wie Familienmitglieder geköpft wurden“, berichtet Andrea Schreiber von Terres des Hommes Oberhausen.

Spielgruppe dreimal in der Woche

Für die Mädchen und Jungen aus Syrien, afrikanischen Ländern oder den Balkanstaaten ist der Raum mit dem Drachen am Fenster der einzige Ort, der ein wenig auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist: Mit Spielen, kleinen Stühlen und Tischen, einer Bauecke – und Menschen wie Maryam Attarnejad, Nicole Mühlberger, Daniel Brands oder Mona Glowka. Die Honorarkräfte leiten die Spielgruppe, die der Verein Terres des Hommes Oberhausen dreimal in der Woche an der Bahnstraße 72 anbietet. Immer dienstags, mittwochs und donnerstags stehen die Kinder im Alter von drei bis dreizehn Jahren vor der Tür, die sich um 14 Uhr jeweils für drei Stunden öffnet.

Soziales „Offenes Programm für alle mit Hausaufgabenbetreuung“ lautet das Angebot offiziell, für den Nachwuchs der Flüchtlingsfamilien bedeutet es wohl vor allem: Hier dürfen sie Kind sein, basteln, malen, kickern, Puzzle legen, sich beim „Mensch-ärgere-dich-nicht“ schlagen, spielen halt – und das funktioniert zum Glück meist ohne Worte, denn eine gemeinsame Sprache haben die Kleinen noch nicht, obwohl die meisten schnell Deutsch lernen.

Englisch, Französisch oder gar Persisch können die Betreuer noch zur Verständigung anbieten, zur Not geht’s aber auch mit Händen und Füßen. Mona Glowka hat derzeit ein ganz anderes Problem, „es ist schwierig, sich alle Namen zu merken“, sagt die Studentin. Rund 35 Kinder sind immer da, aber eben nicht immer dieselben, aktuell wechseln die Bewohner im Heim, ziehen einige in Wohnungen oder andere Heime. Mit den Kindern spielen, ihnen Regeln bei- und Aufmerksamkeit entgegen bringen und „immer wieder sagen, dass sie hier sicher sind, das können wir für sie tun“, sagt Andrea Schreiber.

Diskussion über Flüchtlingsheime erschreckend

Soziales 1155 Flüchtlinge leben aktuell in Oberhausen, im Januar 2014 waren es 539. Den großen Zustrom in den vergangenen Monaten empfindet „Terres des Hommes“-Mitarbeiterin Andrea Schreiber fast als Segen, „weil das Schicksal der Flüchtlinge ein öffentliches Thema geworden ist, auch politisch“, sagt die 54-Jährige, die seit elf Jahren sozialarbeiterisch in diesem Bereich tätig ist. Ängste gegenüber Flüchtlingen hält Schreiber für unbegründet, „das sind Menschen wie wir auch, die meisten haben Bildung und sind bereit, sich zu integrieren und zu arbeiten“, sagt sie aus ihrer Erfahrung. „Da gibt’s kein größeres Gewaltpotenzial“.

Erschreckend findet sie die Diskussion um Standorte und die ablehnende Haltung manch eines Oberhauseners. „Es kommt ja keiner hierhin und macht das alles durch, weil es so schön ist“, meint Andrea Schreiber. „Jeder von uns kann doch froh sein, dass er in Deutschland geboren ist.“ Flüchtlinge ja, aber bitte nicht bei mir nebenan – diese Haltung kann die Sozialarbeiterin nicht verstehen.

Was sie sich für ihre Arbeit wünscht? „Dass wir mehr Platz, mehr Betreuungsräume haben“, sagt Andrea Schreiber sofort. Und welche Spenden könnten helfen? „Wir brauchen immer Bastelmaterial!“ Kontakt unter der Telefonnummer 85 97 8-22.