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Volkstrauertag

Ein nicht ganz unproblematischer Tag

15.11.2009 | 16:45 Uhr
Ein nicht ganz unproblematischer Tag

Nachdenkliche Worte gar es bei der Kranzniederlegung zum Volkstrauertag an der Gedenkhalle. Eine neue Infotafel steht neben der Skulptur von Willy Meller.

„Ist das der richtige Ort?”, hatten die Grünen noch im letzten Jahr gefragt, als die Kranzniederlegung wie immer zu Füßen der „Trauernden” neben der Gedenkhalle vorgenommen wurde. Künstler Willy Meller, der die Skulptur schuf, habe mit seinen Werken die Nazi-Ideologie unterstützt, monierte Manfred Lorentschat im November 2008. Am gestrigen Volkstrauertag nun legte der frisch gewählte Bürgermeister selbst Hand an, und zwar an gleicher Stelle. Schließlich steht neben dem Kustwerk neuerdings die lange geforderte Infotafel, die auf die umstrittenen Fragen eingeht.

„Tatsächlich ist es so, dass sich die Ikonographie der Figur aus der christlichen Tradition ableitet und die nichtchristlichen Opfer auf diese Weise zumindest nicht einschließt”, so die Erläuterung, die Clemens Heinrichs in seiner Begrüßungsansprache zitierte. Vor nur rund zwei Dutzend Besuchern wies der Leiter der Gedenkhalle auch noch einmal auf die problematische Biografie des Künstlers hin, der 1937 in die NSDAP eintrat und anlässlich Hitlers 50. Geburtstag zum Professor ernannt wurde.

Unabhängig davon sei der Volkstrauertag, an dem der Gewaltopfer aller Nationen gedacht wird, ein zumindest nicht ganz unproblematischer Tag. Heinrichs erinnerte an Opfergruppen innerhalb der Wehrmacht oder auch Polizeibataillonen, die hinter der Front Massenerschießungen durchgeführt haben. „Kann man ihrer gedenken und zugleich würdig ihrer Opfer, den Juden, aber auch der Sinti und Roma?”, fragte Heinrichs sinngemäß.

Prof. Harald Müller wagte dann als Festredner eine ungewöhnliche Art des Gedenkens, indem er nicht die Vergangenheit fokussierte, sondern den Blick in die Zukunft warf. „Nie wieder Krieg – ist eine friedliche Weltordnung im 21. Jahrhundert möglich?”, hieß sein Vortrag, der mehr Zuhöher verdient hätte.

Mit verblüffenden Einsichten beeindruckte Müller ebenso wie mit weniger brisanten Erkenntnissen, die er allerdings in überraschende Zusammenhänge stellt. Quintessenz seiner Überlegungen: „Der Krieg ist ein menschengemachtes Produkt wie die Umweltverschmutzung, deshalb ist er auch abschaffbar.” Ein Irrtum sei dabei aber der Glaube, die Welt müsse hier und jetzt nach den Maximen liberaler Demokratien regiert werden. Auch seien die Werte des Westens noch längst nicht weltweit akzeptiert. Aber: „Der Kampf der Kulturen ist kein Naturgesetz, sondern ein Ergebnis von törichter Politik.”

Hannes Fritsche

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