Ein Nein zur Linie 105 hätte eine fatale Außenwirkung

Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen“ – besser als mit dem Klassiker von Karl Valentin lässt sich die Diskussion um den Lückenschluss der Linie 105 nicht umschreiben. Als nach monatelangem Meinungsaustausch kaum noch Fleisch am Knochen war und sich alle Argumente in Endlosschleife wiederholten, würzte die Stoag mit einem frivolen Videoclip nach. Respekt für diesen PR-Coup. Seither ist die 105 aber auch bundesweit ein Thema, und damit nimmt die Fallhöhe für Oberhausen zu. Scheitert die 105, ist eine ganze Stadt blamiert, weil ihren Verantwortlichen der Mumm fehlte.

Wir leben in einem der größten Ballungsräume Europas, mit immenser Wirtschaftskraft, aber politisch ein schlafender Riese. Leider bleibt die Metropole Ruhr zu oft hinter dem eigenen Anspruch zurück, was vor allem für den öffentlichen Nahverkehr mit seinen zeitweise schlechten Anschlüssen gilt. Ein klares Ja zur 105 wäre deshalb auch ein Zeichen für ein stärkeres Ruhrgebiet, mit besseren Verkehrsverbindungen. Am 8. März geht es schließlich nicht um ein teures, überflüssiges Prestigeprojekt, sondern um eine von Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften und Umweltverbänden unisono für sinnvoll gehaltene Strukturmaßnahme, die der Stadt quasi auf dem Silbertablett serviert wird.

Nicht zuletzt hat sich auch unser Verhältnis zum Auto gewandelt. Als Statussymbol hat es an Bedeutung verloren. Manche Bürger verzichten bewusst darauf, weil es zu viele Staus und zu wenig Parkplätze gibt. Die so genannten intermodalen Verkehre nehmen dagegen zu: Mit dem E-Bike zur (bewachten) Haltestelle, weiter mit Zug, Bus oder Straßenbahn. Oder mit dem Taxi oder per Car-Sharing. Die Netze dafür sind vorhanden. Auch deshalb ist der Ausbau der 105 zukunftsweisend.

Ein Nein zum Lückenschluss hätte dagegen eine fatale Außenwirkung. Tenor: Oberhausen schafft es nicht einmal, ein 66-Mio-Euro-Geschenk für eine wichtige Straßenbahnverbindung zu realisieren. Wer die Linie 105 und damit einen positiven Schub für unsere Stadt will, sollte am 8. März kein Risiko eingehen.