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Architektur

Ein Haus aus der blauen Tonne

10.09.2010 | 18:44 Uhr
Ein Haus aus der blauen Tonne
Das Papierhaus PH-Z2 auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen. Foto: Uwe Möller

Mentosverpackungen, Chiquita-Kartons, Haribotütchen, Einkaufszettel – es gibt allerlei zu entdecken in den bunten Wänden des „Papierhaus PH-Z2“ auf dem Gelände des Weltkulturerbes Zeche Zollverein in Essen. Anerkennend wandern die Blicke der Gäste während der Eröffnung über die aufeinander gestapelten Altpapierballen, die das Mauerwerk bilden. Eine äußerst lebendige Oberfläche.

Wertstoff Altpapier

„Das sind Verpackungsmaterialien aus dem Supermarkt – die Logos und Schriftzüge kennt jeder“, erklärt der Oberhausener Architekt Ben Dratz, der das Papierhaus zusammen mit seinem Bruder Daniel entworfen hat. Kein Wunder also, dass sich Jürgen Fischer, Programmdirektor der Ruhr 2010, im Papierhaus an seine Kindheit erinnert fühlt: „Hier findet sich die bunte Warenwelt von draußen wieder.“

Aber wie kommt man auf die Idee, ein solches Papierhaus zu bauen? Auf einem Recyclinghof entdeckten die Brüder Dratz gestapelte Altpapierballen. „Von der Ästhetik und dem Patchwork an verschiedenen Farben waren wir unglaublich fasziniert“, schwärmt Ben Dratz. Und die Ballen erinnerten sie an Mauerwerk. „Da müssen wir was draus machen“, hätten sie sich gedacht.

Video
Zwei Architekten stellen auf Zollverein ihr Konzept für mobiles Arbeiten von morgen vor.

Diese innovative Idee, Altpapier als Baustoff zu verwenden, findet Anklang: Im Jahr 2007 gewann das Projekt den Architekturwettbewerb „Mobile Working Spaces“, nun ist es ein offizielles Projekt von Ruhr 2010. „Das Papierhaus ist zukunftsweisend“, lobt Hermann Marth, Vorsitzender der Stiftung Zollverein. „Es passt genau hierhin, es passt genau in diese Zeit.“

Altpapier als Baustoff, nicht als Abfall – ein ganz neuer Ansatz. Es wurde fleißig experimentiert, getestet, ausprobiert. Wie viel Druck halten die Papierballen aus? Wie schützt man das Bauwerk vor Feuchtigkeit? Wie sieht’s aus mit dem Brandschutz?

„Anfangs sind wir zum Supermarkt gefahren, haben das Auto mit Kartons vollgestopft und sie in der Werkstatt mit einer Handpresse zusammengedrückt“, erzählt Ben Dratz. Auch am Recyclinghof hätten sie mit den Ballen experimentiert. „Manche haben uns angeschaut, als hätten wir sie nicht mehr alle“, lacht Ben Dratz. Ihre Konstruktion haben die beiden Architekten zum internationalen Patent angemeldet. „Wir wollen den Baustoff Altpapier zur Marktreife bringen, als Alternative zu herkömmlichem Material.“

Und was nun?

Das Papierhaus in seiner ganzen Pracht ist in der künftigen „Designstadt“ auf Zollverein zu bewundern. Zwar wurde die Fertigstellung des Bauwerks durch den harten Winter, durch ständige Regenfälle und zwei Orkane verzögert, doch die Mühen haben sich gelohnt. „Alleine die Idee ist toll“, lobt der Oberhausener Klaus Kowa. „Dass sich junge Leute an so etwas heranwagen – da kann man nur Glückwunsch sagen“.

Und wie geht’s nun weiter mit dem Gebäude aus Papier? Gedacht ist es als Multifunktionshaus, das für Modenschauen, Pressekonferenzen, Ausstellungen und andere Events genutzt werden kann. Ende 2011 wird es dann wieder im Altpapier landen.

Denn Ben und Daniel Dratz setzen dem Projekt eine zeitliche Grenze: Sie leihen sich die Materialien aus dem Wertstoffkreislauf, um daraus Gebäude zu bauen. Und die können später wiederum zu 100 Prozent recycelt werden.

Lisa Weitemeier

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Kommentare
11.09.2010
15:59
Ein Haus aus der blauen Tonne
von Kountroit32 | #2

Über sowas wird berichtet.

Die Redaktion in OB schafft es bis jetzt nicht über den Mord in Lirich von heute morgen vor 6 Uhr zu berichte. Selbst die Bild schreibt schon darüber.
Die Duisburger Redaktion hat es sogar schon einen Bericht plus Fotostrecke vom Brand im Hafen heute Mittag online....aber in OB wird über Postkarten und Altpapier berichtet....

....und jetzt aus auf...löscht mich!!!!

10.09.2010
22:25
Ein Haus aus der blauen Tonne
von Haribo macht Künstler froh | #1

Wo gibts denn Haribotütchen aus Papier??? Im Supermarkt meines Vertrauens jedenfalls nicht...

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