Ein Grundeinkommen für alle?
31.03.2009 | 18:17 Uhr 2009-03-31T18:17:00+0200Die Evangelische Kirche Oberhausens plädiert für eine gerechtere Verteilung als Antwort auf die Krise der Arbeitsgesellschaft.
Die Abstimmung im Saal war eindeutig: Es gibt nur wenige, die ein Grundeinkommen für alle rundweg ablehnen. Mehrere Befürworter gibt es, die meisten hingegen sind noch unentschlossen. Um diese Zahl zu verringern, fand am Samstag das „Oberhausener Gespräch 2009” in der Friedenskirche Sterkrade statt. Alle durch den Ev. Kirchenkreis Eingeladenen aus Wirtschaft, Stadtrat, Gewerkschaften und Verbänden konnten sich zwei kompetent vorgetragene Referate anhören.
Der erste Vortragende, Manuel Franzmann, Mitglied des „Netzwerkes Grundeinkommen”, Dozent an der Uni Frankfurt, sieht im Grundeinkommen eine Antwort auf die Krise der Arbeitsgesellschaft. Industrialisierung und Automatisierung trügen dazu bei, dass der Traum von der Vollbeschäftigung ausgeträumt sei, darum müsse es eine Lösung für alle Menschen geben, besonders die, die keine Chance mehr auf eine Erwerbsarbeit haben. Alle sollen, mit oder ohne Arbeit, in Würde leben können.
Dr. Harry W. Jablonowski, Mitarbeiter am SI (Sozial-Wissenschaftlichen Institut) der EKD in Hannover, verglich vier bekannte Modelle zu einem bedingungslosen Grundeinkommen, um sie dann aus sozialethischen Gründen in Frage zu stellen. Sollte man die Gesellschaft aus ihrer sozialen Verantwortung entlassen, indem man den Arbeitslosen oder Armen eine „Stillhalte-Prämie” gebe, alle anderen Sozialleistungen wie Kündigungsschutz, Arbeitgeberanteil an der Sozialversicherung aber verschwinden lasse?
Teilnehmer der anschließenden Diskussion erregten sich über die Milliarden, die Banken zur Verfügung stehen, aber für die Armen sei man nicht bereit umzudenken. Vertreter der Unternehmerverbände plädierten für eine leistungsbezogene Nutzung der vorhandenen Sozialsysteme. Es könne nicht sein, dass Nutzer von Transferleistungen mehr erhielten als Menschen, die arbeiteten.
Einigkeit herrschte darüber, dass die Debatte um ein Grundeinkommen nicht beendet ist und auch durch die Ev. Kirche weiter geführt wird. Bemängelt wurde übrigens noch, dass Ratsmitglieder zwar auf der Teilnehmerliste der Veranstaltung standen, aber nicht anwesend waren.

12:32
Es handelte sich um eine sehr informative Veranstaltung, vielen Dank an alle Beteiligten. Der letzte Satz der Berichterstattung ist allerdings etwas missverständlich: Es sind sicherlich nicht alle Ratsmitglieder gekommen, die sich angemeldet hatten, aber zumindest den Vertreter meines Stadtteils habe ich gesehen.