Ein großes Herz für Flüchtlinge in Oberhausen

Gerngesehene Gäste in der Flüchtlingsunterkunft an der Gabelstraße: Hildegard Laskowski (l.) und Sigrid Culemann.
Gerngesehene Gäste in der Flüchtlingsunterkunft an der Gabelstraße: Hildegard Laskowski (l.) und Sigrid Culemann.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Das haben Sigrid Culemann und Hildegard Laskowski, die sich seit 20 Jahren ehrenamtlich für denBunten Oberhausener Norden engagieren.

Oberhausen.. Mit einem scheuen aber charmanten Lächeln steht Firas in der Tür. So ganz jung ist er nicht mehr. Höflich schüttelt er die Hand. „Tee?“ Sein fragender Blick richtet sich an die beiden Frauen, die ganz selbstverständlich Tische und Stühle im Vorzimmer rangieren. Sigrid Culemann (65) und Hildegard Laskowski (63) kennen sich aus, sind oft hier an der Gabelstraße im neuen Übergangswohnheim für Flüchtlinge. Die beiden Frauen sind ehrenamtlich für den Bunten Oberhausener Norden tätig und das seit rund 20 Jahren.

„Warum?“ Culemann zückt die Augenbauen, als sei es eine überraschende Frage. „Na weil in der Welt schreckliche Zustände herrschen. Mir geht es so gut, davon möchte ich etwas abgeben.“ Laskowski ergänzt: „Und man bekommt unheimlich viel zurück.“ Viele Kontakte zu ehemaligen Flüchtlingsheim-Bewohnern bestünden noch heute. Beide sind sich einig, dass die Hilfe vor Ort noch viel wichtiger sei als ein Scheinchen im Spendentopf.

Culemann und Laskowski sind mindestens ein Mal in der Woche an der Gabelstraße und bieten eine Sprechstunde für die Flüchtlinge an. „Gemeinsam besprechen wir, was beispielsweise noch fehlt oder wo es Probleme gibt“, erklärt Laskowski, die sich nicht nur ehrenamtlich für den BON engagiert, sondern, neben ihrem Beruf als Steuerberaterin, noch für die Caritas und die katholische Kirche tätig ist. Auch die ehemalige Lehrerin Culemann ist vielfältig ehrenamtlich im Einsatz, unter anderem im Oberhausener Flüchtlingsrat.

Sprechstunde ein Mal in der Woche

Im Gang der Unterkunft duftet es nach Mittagessen. Ein Grüppchen hat sich im Flur platziert. Auf Kinderstühlen hocken die Bewohner um den kleinen Tisch und rühren in den großen Kochtöpfen. Die Köchinnen winken Culemann und Laskowski heran. „Mitessen! Sehr lecker!“ Aber die beiden Ehrenamtlichen haben ihren Rundgang durch die Einrichtung noch nicht beendet. Hier und da steht eine Tür offen, drinnen sieht es sehr unterschiedlich aus. Während einige ziemlich spartanisch leben, ist bei anderen die rund 15 Quadratmeter große Wohnung gut gefüllt mit allerhand Elektrogeräten.

Der skeptische Blick entgeht den beiden Frauen nicht. „Das sind alles Spenden“, erklärt Laskowski, die selbst ihren „Drittfernseher“ gestiftet hat. Von der Resonanz auf Spendenaufrufe sind die beiden begeistert. „Die Oberhausener waren sehr großzügig, auch die Kleiderkammer ist voll“, erzählt Culemann. Doch beide wissen, dass den Flüchtlingen allein mit dem Flachbildschirm und der Stereoanlage nicht geholfen ist.

„Das Allerwichtigste wäre ein Ansprechpartner, der jeden Tag vor Ort ist und sich um die Menschen hier kümmert“, sagen Culemann und Laskowski. Beide seien zwar oft dort, aber mit Ehrenamtlichen allein könne man hier nicht arbeiten. „Plötzlich flattern hier Briefe von der GEZ ein. Keiner versteht, was da drinsteht und einige glauben, es sei ein Abschiebungsbescheid“, erzählt Culemann. Die beiden Frauen und die 24 weiteren Unterstützer des Flüchtlingsheims fungieren auch als Übersetzer, als Organisatoren, als Vermittler, auch als diejenigen, die den Flüchtlingen das Leben in Deutschland erklären. Die eine Sozialarbeiterin der Stadt, die sich zusammen mit einer Kraft von Terre des hommes um 690 Flüchtlinge kümmern müsse, reiche bei Weitem nicht aus.

Vertrauen und Dankbarkeit

Wenn die beiden Frauen von ihrer Tätigkeit und den Problemen vor Ort reden, schwingt eine Bestimmtheit mit, die versichert, dass sie ihre Arbeit aus voller Überzeugung machen. Sie helfen nicht, weil sie schon ewig dabei sind und das Ehrenamt irgendwie dazu gehört, oder, weil sie sich besser fühlen, wenn sie andere unterstützen können, sondern, weil sie es auch nach 20 Jahren immer noch wirklich wollen, weil es sie berührt, was mit den Menschen passiert, die aus ihrer Heimat geflohen sind und hier auf ein friedliches Leben hoffen. Die Flüchtlinge danken es ihnen mit Vertrauen, Offenheit und Dankbarkeit.

Als Culemann und Laskowski von ihrer Runde durch die Unterkunft zurück in den Vorraum kommen, stehen zwei Tassen mit dampfendem Tee bereit; Zucker, Aschenbecher. Firas nickt mit dem Kopf und lächelt.