Ein echter Hingucker
02.08.2010 | 18:45 Uhr 2010-08-02T18:45:00+0200
Die Filmstiftung NRW zeigt eine Komödie über schwule Fußballer: „Filmschauplätze“ zu Gast im Niederrheinstadion
Er hatte es nicht leicht. Die Toten Hosen klangen im Trommelfell nach, der Fuß wippte noch zum Takt von Bon Jovi, das Herz schlug zum Abspann des Vorfilms. Da plänkelt „Männer wie wir“ mit den Bildern eines jungen Fußballspielers langsam in die leider unterbesetzten Reihen des Niederrheinstadions – und überrascht seine Zuschauer mit einer liebevoll gemachten, witzigen Geschichte über homosexuelle Kreisligisten: Die Filmstiftung NRW war wieder einmal zu Gast in Oberhausen.
„Filmschauplätze“ nennt sich das Konzept der NRW-Stiftung, das Anna Fantl 1997 auf den Weg gebracht hat. Ein französischer Kollege hatte sie davon überzeugt, dass man außergewöhnliche Filme an ungewöhnlichen Orten zeigen sollte, die sich inhaltlich auch noch auf das Gezeigte beziehen. Seitdem reist Fantl jeden Sommer mit ihrer 54 Quadratmeter großen Leinwand durch die Region, zeigt meist von der Filmstiftung geförderte Werke, die in NRW spielen „und so den Zuschauer seine Heimat neu entdecken lassen.“
Unsere Stadt gehört seit Beginn des Projekts zu seinen Stammplätzen. Nach Burg Vondern, Schloss und Altenberg packte Fantl am Sonntag ihre Leinwand erstmals am Niederrheinstadion aus, an einer „geilen Location“, wie die Leiterin des Projekts sagte.
Mottek: bekannt-gelungener Griff in die Evergreen-Kiste
Einig war sie sich da mit den Musikern der Oberhausener Gruppe „Mottek“, die sich über ihr Heimspiel freuten und das recht gemischte Publikum mit bekannt-gelungenem Griff in die Evergreen-Kiste bestens unterhielten. Bis zur Dämmerung spielten sie ihre knapp 150 Zuhörer warm, Schlagzeuger André Zimmermann sogar mit solchem Elan, dass ihm einer seiner Drumsticks kaputt ging.
Ein Andenken für die Fans, die ab Viertel vor zehn nur noch mit einem Auge auf die mit Abbauarbeiten beschäftigten Musiker achteten: Auf der Leinwand hatte der Kurzfilm „Heimspiel“ von Bogdana Vera Lorenz, Absolventin der Filmschule Köln, begonnen. Für den Nachwuchspreis „First Steps“ sei dieser hervorragende und Fragen stellende Film über einen Hooligan im Lehrberuf (Wotan Wilke Möhring) nominiert, hatte Fantl zuvor gesagt, und der Zuschauer verstand recht schnell, warum.
„Männer wie wir“ trat also gegen ein starkes Vorprogramm an und musste sich dennoch nicht dahinter verstecken: Mit Situationskomik und Dialogwitz greift diese Komödie von Sherry Hormann tief in die Klischeekiste und amüsiert sich abwechselnd über schwule Rocker, knorrige Ex-Fußballer und sture Dorfbewohner, die stets einen Schwulenwitz auf den Lippen haben und sich dann doch eines Besseren belehren lassen. Ein gelungener Abend. Mehr davon!
Weiter geht’s: Sommer-Programm
Filmschauplätze, ein Angebot der Filmstiftung NRW, läuft noch bis Ende August. Vor jedem Film wird ein Vorprogramm geboten, dass jeweils von der Kommune organisiert wird. Am 24. August findet das nächste Open-Air-Kino statt: In Heiligenhaus wird auf dem Rathausplatz „Zurück in die Zukunft II“ gezeigt. Der Eintritt ist wie immer frei. Weitere Infos unter www.filmstiftung.de
Kommentar: Beim nächsten Mal nicht verpassen!
Schlechte Terminlage? Desinteresse? Oder schlicht übersättigt nach der Local-Heroes-Woche und den Großevents der Kulturhauptstadt? Was auch immer der Grund für die geringe Teilnehmerzahl des Open-Air-Kinos war, er war ein schlechter. Kostenfrei war die Veranstaltung, dabei hätte man für dieses Programm gerne Eintritt bezahlt: Großartige Musik von unseren Mottek-Jungs wurde geboten, ein bemerkenswerter Kurzfilm im Vorprogramm gezeigt und die eigenwillige aber unterhaltsame Komödie von Sherry im Hauptfilm schickte einen mit einem Lächeln zu Bett. Wer da zu Hause bleibt, ist selber Schuld. Tipp: Beim nächsten Mal nicht verpassen!

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