Durchbruch nach Oberhausen

Die Tunnelbohrmaschine gräbt sich in 30 Metern Tiefe durch Oberhausener Erde.
Die Tunnelbohrmaschine gräbt sich in 30 Metern Tiefe durch Oberhausener Erde.
Foto: Rupert Oberhäuser
Was wir bereits wissen
Der Bohrer für den Abwasserkanal Emscher erreicht die Stadtgrenze – in 30 Metern Tiefe. Der Bauabschnitt ist der zweit teuerste des gesamten Projekts.

Oberhausen.. Der unterirdische Vortrieb des Abwasserkanals Emscher hat am Montagmorgen das Stadtgebiet von Oberhausen erreicht – und das in rund 30 Metern Tiefe. Um Punkt 6 Uhr unterquerte die Emschergenossenschaft von Bottrop aus kommend die Stadtgrenze.

Zirka 750 Meter brauchte die Vortriebsmaschine vom Schacht SD-033 südlich der A42-Ausfahrt Bottrop-Süd bis zur Grenze. Mittlerweile ist der südliche Tunnel der Doppelrohrstrecke des Abwasserkanals Emscher 763 Meter lang. Der nördliche Tunnel steht derzeit bei 662 – dieser Vortriebsmaschine fehlen noch rund 90 Meter bis zur Oberhausener Grenze.

Trasse verläuft größtenteils durch Oberhausen

Diese wird sie voraussichtlich in der kommenden Woche erreichen. Die Trasse des sogenannten Bauabschnitt 40 des Abwasserkanals Emscher beginnt an der Stadtgrenze Bottrop/Oberhausen und endet östlich des Holtener Feldes in Oberhausen-Holten (im Bereich der A 3).

Hauptsächlich verläuft die Kanaltrasse auf Oberhausener Stadtgebiet – oder besser gesagt: darunter. Denn die Emschergenossenschaft baut den Abwasserkanal Emscher in Tiefenlagen von 25 bis 37 Metern. Verlegt werden auf einer insgesamt knapp 20 Kilometer langen Doppelrohrstrecke Kanalelemente mit Innendurchmessern von 2,60 Meter.

Anderes Bauverfahren

Anders als in den anderen Bauabschnitten wird der Abwasserkanal Emscher in Oberhausen nicht im reinen Rohrvortrieb verlegt, sondern im sogenannten Tübbingausbau. Generell unterscheidet sich der Vortrieb mit Tübbingausbau vom Rohrvortrieb dadurch, dass keine kompletten Rohrelemente durch den Boden geschoben werden, sondern das Rohr aus einzelnen Segmenten direkt in der Vortriebsmaschine hergestellt wird.

Während beim Vortrieb ganzer Rohrelemente und somit des gesamten Kanalstranges Reibung im Boden erzeugt wird, begrenzt das Tübbingverfahren die entstehende Reibung auf den Bereich der Vortriebsmaschine, da sie sich als einziges Element bewegt. Folglich bietet das Tübbingverfahren den Vorteil, aufgrund der begrenzten Reibung längere Vortriebsstrecken fahren zu können.

Beindruckende Zahlen

Und auch hier sind es wieder die Zahlen, die beeindrucken: Im aktuellen Bauabschnitt werden insgesamt zirka 17.000 Tübbingringe mit einer Länge von rund 1,18 Meter verbaut. Jeder Ring wiegt 6,6 Tonnen. Vergeben wurde der Bauauftrag Ende 2013 an die Firma Porr aus Österreich. Mit dem Investitionsvolumen von rund 170 Millionen Euro ist dies der zweithöchste Einzelauftrag in der Geschichte der Emschergenossenschaft und des Emscher-Umbaus.

Die Firma Porr indes hat bereits Erfahrung mit dem Abwasserkanal Emscher: Sie hat schon den Bauabschnitt 20 des AKE auf Bottroper Stadtgebiet verlegt. Die Investitionssumme ist nicht die einzige Zahl, die beeindruckt: Nach der Planung der Emschergenossenschaft werden in dem nun anstehenden Bauabschnitt rund 7600 Tonnen Bewehrungsstahl verbaut. Zum Vergleich: Der Pariser Eiffelturm wiegt „nur“ zirka 7300 Tonnen. Der verlegte Beton hat ein Gesamtgewicht von rund 135.000 Tonnen (der Kölner Dom hat ein Gewicht von etwa 160.000 Tonnen). Für die Schachtbauwerke werden rund 290.000 Kubikmeter Boden ausgehoben – zum Vergleich: Der Oberhausener Gasometer hat ein Volumen von zirka 347.000 Kubikmeter.