Düsteres, faszinierendes Zukunftsmärchen

Grobklotzige, rauflustige Hügelhinterwäldler und pfeifen­irre Gypsies auf Freigang, abgetakelte alte Nüttchen, einbeinige Stricher: Der Buchtipp des Sterkrader Buchhändlers Arndt Wiebus entführt die Leser in die Dunkle Stadt Bohane, durch die der gleichnamige Fluss Ungutes transportiert. Die heruntergekommene Stadt dieses düsteren Zukunftsmärchens aus dem Jahr 2053 ist eine ortlos scheinende Ansiedlung, obwohl ihre Topographie und die Originalsprache auf Irland weisen. So grandios von Bernhard Robben in ein betörendes Deutschgebräu aus Jugendsprache, Rotwelsch, Gaunersprache und Kanaksprak mit seit Jahrzehnten ungebräuchlich gewordenen Begriffen gebracht, dass man in den vollen Genuss dieser Lektüre kommt. Rivalitätskämpfe, archaische Brutalität, ein fast ritualartiges Hängen an Althergebrachtem. Und das im Jahr 2053, Internet und Handys spielen keine Rolle. Dafür aber einarmige Espressomaschinen und messerartige Mordwerkzeuge, die besonders die jugendliche Männlichkeit dekorieren. Je tiefer der Abgrund, desto schimmriger die Hoffnung. Autor Kevin Barry ist für diesen dystopischen Stadtroman reich mit Literaturpreisen bedacht worden.


Kevin Barry: Dunkle Stadt Bohane. Tropen Verlag, 2015. 19,95 Euro.