Druckfrisch und zum Schmökern bestimmt

Foto: Stephan Glagla / Funke Foto Serv

Die Auswahl in der Oberhausener Stadtbibliothek ist so gigantisch, dass es wohl kein Mensch fertig bekäme, auch nur in alle Medien einmal hineinzuschnuppern. 112 000 Bücher, Zeitschriften, Hörbücher, CDs, Bildbände und vieles mehr sind allein im Bestand der Zentralbibliothek an der Langemarkstraße. Nimmt man die Auswahlen der Zweigstellen in Osterfeld, Schmachtendorf und Sterkrade noch hinzu, sind es sogar 206 000 Medien, die für die Kunden verfügbar sind.

Aber nicht alle sind bei den Oberhausenern gleich beliebt. „Natürlich haben wir eine Gesamtausgabe von Immanuel Kant, aber die leiht doch eher selten jemand aus“, sagt Lektor Stefan Keune und lacht. Andere Werke dagegen haben eine Standzeit in den Regalen, für die beinahe eine Sekunden-Stoppuhr ausreicht. Eine Übersicht:

Bitte ohne Tier

Der absolute Renner sind seit einigen Monaten Bücher über veganes Essen. Von den 58 Titeln im Bestand der Stadtbibliothek sind derzeit 45 ausgeliehen. „Wir haben rund anderthalb Regalmeter für diese Bücher und die über vegetarisches Essen vorgesehen. Die würden natürlich eigentlich für so viele Bücher niemals ausreichen, weil sie aber kaum hier sind, reicht ein einziges Regalbrett aus“, sagt Keune, der auf seinem Schreibtisch schon die nächsten beiden komplett tierfreien, aber trotzdem kulinarisch hochwertigen Neuanschaffungen der Bibliothek liegen hat – eines davon voll mit den schönsten veganen Grillrezepten. Sachen gibt’s...

Wie zu Omas Zeiten

Alles hat sein Comeback. Zuletzt feierte das Stricken eine Renaissance, seit knapp einem Jahr erlebt Oberhausen einen neuen Handarbeits-Boom. „Unsere Bücher über das Nähen sind praktisch immer vergriffen“, sagt Keune. 71 Titel von der Einsteiger-Hilfe bis zu Tipps für den Näh-Profi sind im Bestand, am Welttag des Buches sind davon aber keine 30 mehr in den Regalen. „Wir reagieren auf solche Trends und passen unseren Bestand an“, erklärt Keune, der für gleich mehrere Sachbuch-Bereiche verantwortlich ist. Anders als bei manchen Romanen gibt es bei den Sachbüchern aber von jedem Werk in der Bibliothek nur ein einziges Exemplar.

Reif für die Prüfung

Noch für wenige Tage hat außerdem eine andere Buchgattung Hochkonjunktur: die Abitur-Hilfen. Seit einigen Jahren kommen immer mehr junge Menschen zu Lerngruppen in der Bibliothek zusammen und bereiten sich auf die erste große Prüfung in ihrem Leben vor. Gemeinsam büffeln sie über Mathe-, Biologie- oder Physik-Aufgaben und finden der Rätsel beste Lösungswege in den kleinen rot-weißen Helferlein. Zweites wichtiges Anreise-Argument für die jungen Leute, da ist sich Keune sicher, ist die drahtlose Internetverbindung in dem Gebäude, die zudem kostenlos ist.

New York, New York

„Ich war noch niemals in New York...“ sang Udo Jürgens einst. Für viele Oberhausener scheint das nicht mehr zu gelten, denn die Reiseführer für die Stadt, die bekanntlich niemals schläft, sind nahezu vergriffen. Gleiches gilt für die Bücher über Frankreichs Hauptstadt Paris. Allerdings hat Stefan Keune einen Tipp für alle, die im Urlaub lieber keine bekannten Gesichter treffen möchten: „Offensichtlich reisen die Oberhausener gerade nicht nach London. Die Reiseführer stehen bei uns alle im Regal.“

Jetzt gibt’s was auf die Ohren

Selbst ein echter Lesemuffel sollte mal über einen Bibliotheks-Ausweis nachdenken (Jahresgebühr: 16 Euro). Denn der Bestand an Hörbüchern wächst ständig. 3300 Titel sind aktuell vorrätig. Neben Romanen und Krimis – oft vorgelesen von bekannten Schauspielern – stehen aber seit vielen Jahren ganz andere CDs bei den Oberhausenern hoch im Kurs: Meditations-CDs. „Egal ob nur Musik, oder mit Anleitungen, die gehen schon immer gut“, sagt Keune. Ein Satz heißer Ohren klingt aber wohl eher anders.

Schon immer, für immer

Keine Veränderung gibt es bei der Belletristik. In der Unterhaltungsliteratur liebt der Oberhausener schon immer – und wohl auch für immer – was spannend ist: Krimis.