Dreiklang
29.05.2008 | 19:27 Uhr 2008-05-29T19:27:00+0200
Die neue Ausstellung des Vereins für aktuelle Kunst/Ruhrgebiet bietet dem Besucher ein Farb-Raum-Erlebnis. Bilder sind so in Szene gesetzt, dass sie den Blick anziehen und dennoch miteinander kommunizieren.
Drei Maler, ein gemeinsamer Klang. Ein Farb-Raum-Erlebnis vermittelt die neue Ausstellung des Vereins für aktuelle Kunst/Ruhrgebiet, die am Sonntag, 1. Juni, um 11.30 Uhr eröffnet wird und bis zum 13. Juli im Zentrum Altenberg zu sehen ist. Er handelt sich um eine Präsentation mit enormer Anziehungskraft. Gezeigt werden Bilder des Künstlers Alfonso Fratteggiani Bianchi, der in Italien lebt und arbeitet sowie von Ulrich Wellmann und Thomas Kemper, die beide in Köln zu Hause sind. Wer die Halle betritt, fühlt sich auf eine eigenartige Art geleitet, ein Weg durch die Ausstellung scheint festgelegt zu sein, obwohl sich gerade dieser Präsentationsort durch extrem viel Platz auszeichnet. Es fällt auf: Hier wurde etwas komponiert, inszeniert. Obwohl jedes der Bilder voll zur Geltung kommt, sind alle Werke Bestandteil eines Ganzen. Nichts wurde hier dem Zufall überlassen, viel Zeit haben sich die beiden Kölner Maler für die Gestaltung genommen. „Die Bilder streben einen Lieblingsplatz im Raum an”, sagt Wellmann. Um zur vollen Ausstrahlung zu kommen, möchte man ergänzen und trotzdem miteinander zu reden, um einzuladen, Interesse zu wecken, den Blick anzuziehen, zu irritieren. „Das sinnliche Erlebnis ist wichtig”, erklärt Dr. Wilfried Darlath, der zweite Vorsitzende des Vereins. Beim Aufbau einer Ausstellung sei es wichtig, den Raum nicht zu überfrachten. Doch wie auch immer das Menü angerichtet sei, am Ende sei es wie bei einem guten Wein: „Er muss schmecken.” Bianchis Bilder schmecken einzigartig, bieten Farberfahrung pur. Per Hand und ohne Bindemittel zu benutzen, reibt der Künstler Pigmente in Sandstein, den Pietra Serena, der in der Toskana und in Umbrien wächst, ein. Das Ergebnis ist verblüffend. Samtig wirkende Farbflächen besitzen unglaubliche Strahlkraft. Doch Vorsicht ist geboten, das Berühren der Bildoberfläche würde das Werk zerstören. Wellmann übersetzt Emotianalität in Malerei. „Es ist der Versuch, eine Farbe zu malen”, sagt er.
In Öl auf Leinwand spielt er mit Fabnuancen so lange, bis „beim Malen eine gewisse Spannung entsteht, die schon zum nächsten Ton führt.” Genau dies ist der Punkt, an dem die zweite Farbe hinzu kommen muss. Die Entscheidung, wo diese platziert wird, ist eine Gefühlssache. „Man kann es emotional nur so ertragen”, erklärt Wellmann. Bei einer seiner Arbeiten ist der Bildträger angeschliffenes Plexiglas, was bewirkt, dass Licht ins Spiel kommt und eine Brücke baut zu den Arbeiten von Kemper, der mattierte kleine Plexiglasblöcke als Bildträger benutzt. Der Farbauftrag erfolgt auf der Vorderseite, die Seitenkanten sind lichtdurchlässig, was, je nach Licheinstrahlung, den Eindruck erwecken kann, das Bild schwebte vor den Wand. Die Flächen, einem strengen geometrischen Raster folgend kombiniert, sind monochrome oder aneinandergesetzte monochrome Felder oder – sparsam eingesetzt – lineare Farbspuren auf weißem Grund. Auffällig ist ein extremer Raumbezug. Die Arbeiten können über große Distanzen hinweg miteinander kommunizieren.

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