Bildung
Dramatisches Jahr für die Stadtbibliothek
29.04.2009 | 11:00 Uhr 2009-04-29T11:00:00+0200
Nach Etatkürzung und Haushaltssperre hat die Bücherei nicht mal mehr ein Medium je Einwohner Oberhausens im Bestand.
„Das Jahr 2008 muss als einer der tiefsten Einschnitte bewertet werden, die es in der Geschichte der Oberhausener Stadtbibliothek bislang gab”: So beginnt Bibliotheksleiter Ronald Schneider den Jahresbericht, den er am Dienstag dem Kulturausschuss vorgelegt hat. Wegen der Haushaltssperre, des Stellenabbaus und anderer Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung habe es so dramatische Veränderungen gegeben wie seit den Wiederaufbaujahren nach 1945 nicht mehr. Ein Beispiel: der Bestand. Inzwischen hat die Stadtbücherei nicht mal mehr ein Medium je Einwohner.
Auf Platz 1 der Wunschliste: Mehr Sichtbarkeit
Der Bestand ist wegen der Kürzung des Etats und der Schließungen von knapp 230 000 auf 220 000 Bücher, CDs, DVDs, CD-ROMs und Zeitschriften gesunken. Das ergibt eine Kennzahl von 0,97 „Medien pro Einwohner”; der Durchschnitt in den Großstadtbibliotheken Nordrhein-Westfalens liegt bei 1,3.
Die Zahl der Ausleihen ist 2008 noch mal um fast 600 auf 868 673 gestiegen – rechnet man den Bücherbus, der in der zweiten Jahreshälfte nur noch selten fuhr, und die Zweigstelle Lirich nicht mit, die im Dezember geschlossen wurde. Während die Zahl der Nutzer, die in der Zentrale und den Filialen Medien ausleihen, in etwa gleich geblieben ist, finden immer weniger Menschen den Weg in die Bibliothek, um sich dort nur zu informieren, etwa in Zeitschriften oder an den Internet-Arbeitsplätzen. Die Zahl sank um 7,5 Prozent.
Ursache für die zurückgehenden Besucherzahlen der vergangenen Jahre sei der im Vergleich zu anderen Städten niedrige Bekanntheitsgrad der Bibliothek, erklärt Schneider; das liege vor allem an der „versteckten Lage” der Einrichtungen: „Eine Präsenz der Zentralbibliothek im Erdgeschoss des Bert-Brecht-Hauses bleibt weiterhin auf Platz 1 der Wunschliste.”
Um die Erfüllung dieses Wunsches ging es auch im Kulturausschuss, weil die Grünen um eine Stellungnahme der Verwaltung zu den Planungen fürs Bert-Brecht-Haus gebeten hatten. Wie die NRZ berichtete, soll Geld aus dem Konjunkturpaket II dafür verwendet werden, den Saporoshje-Platz umzugestalten und das Haus mit einem Vorbau aus Glas zum Platz hin zu öffnen. Während die SPD die Mittel und die Planungen als „Lichtstrahl” sieht, mahnte die CDU, bei einer der markantesten Fassaden der Stadt, die zudem denkmalgeschützt sei, genau zu überlegen, „ob man da was vorsetzen soll”.
Viel weniger Aktuelles für Schulbüchereien
Die Arbeit der Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle (SBA), die im vergangenen Jahr 62 Schulbibliotheken fachlich und organisatorisch betreute, sei 2008 „in vielfältiger Weise beeinträchtigt gewesen”, berichtet Schneider – durch einen hohen Krankenstand, die Etatkürzung um 80 Prozent und die Haushaltssperre, wegen der auch kein Bibliotheksmobiliar angeschafft werden konnte; das wirke sich in Schulbüchereien wegen der besonderen pädagogischen und didaktischen Zielvorgaben besonders nachteilig aus. Statt 14 000 neuen Medien wie noch 2007 konnten 2008 nur 7874 angeschafft werden, der Bestand sank von 141 000 auf knapp 134 000. Die Zahl der Ausleihen in den Schulbibliotheken sank um 3,3 Prozent auf 163 230.

15:28
Jaaa, Herr Dittmeyer, Sie haben auch nen tollen Einspruch gehabt und das wissen wir jetzt auch alle. Trotzdem sollten Sie lieber mal Vorschläge machen wie die (statistisch leicht) gestiegene Leselust der Oberhausener trotz Haushaltsproblemen befriedigt oder wie noch mehr Leselust geschaffen werden kann. Darum geht es hier nämlich - nicht darum, wer von wem abgeschrieben hat.
Auch wenn Sie das in ihrem populistischen Ego kränkt, aber vielleicht ist es ja nicht der mangelnde journalistische Anspruch von Frau Idems, sondern einfach die Tatsache, dass die linke keinen Menschen interessiert.
Um eine Bibliothek interessant zu machen muss der Inhalt stimmen. Es müssen neu erschienene Bücher in ausreichender Anzahl vorhanden sein, die Bibliothek muss gut sortiert sein und Sowohl Personal als auch Kataloge müssen den Benutzer bei Recherche, Suche und Ausleihe unterstützen. Eine kleine regelmäßige Info im Lokalteil der WAZ/NRZ könnte zum Beispiel helfen. Wenn den Bürgerinnen und Bürgern regelmäßig gezeigt wird, dass ihre Bibliothek auf dem aktuellen Stand ist, dann stimmen mit Sicherheit auch die Besucherzahlen. Ob da jetzt jemand Glasplatten vor die Fassade hängt ist sekundär.
Oder wählen Sie Ihre Lektüre nach Gestaltung des Buchdeckels aus?
14:53
Verwunderung und Fragen löst der Beitrag über die Sitzung des Kulturausschusses aus. Monika Idems gibt die dort geführte Diskussion leider nicht angemessen und sehr unvollständig wieder.
Richtig ist zweifelsohne, dass die SPD den Vorschlag der Verwaltung, das Bert-Brecht-Hauses mit einem Vorbau aus Glas zum Saporoshje-Platz hin zu öffnen, in gewohnter ritualisierter Form abfeierte und von einem „Lichtstrahl“ sprach. Jedoch verschweigt Frau Idems, dass auch zunächst die CDU sich nicht kritisch zu dem Projekt äußerte. In meinem Beitrag, der völlig verschwiegen wird, wies ich darauf hin, dass mit diesem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude, dass zweifellos zu den schönsten und eigenwilligsten in Oberhausen gehört, sehr behutsam umgegangen werden müsse und hinterfragte, ob es sinnvoll sei, hier einfach ein „Aquarium“ vorzusetzen. Deshalb bat ich die Verwaltung, dem Ausschuss Baupläne vorzulegen und vor Umsetzung des Projektes eine öffentliche Diskussion darüber zu führen. Dieser Bitte schloss sich der Vorsitzende Daniel Schranz an und äußerte sich dann in der von Frau Idems wiedergegeben Weise.
Es stellt sich tatsächlich die Frage, inwieweit der Beitrag dem journalistischen Anspruch gerecht wird, die Öffentlichkeit objektiv über Diskussionen, die in politischen Gremien der Stadt geführt werden, zu informieren. In diesem Fall drängt sich leider der Verdacht auf, dass Meinungsäußerungen von politisch unliebsamen Gruppierungen verschwiegen oder wie hier geschehen, einfach anderen zugesch(r)anzt werden.
Frank Dittmeyer
Kulturpolitischer Sprecher und Oberbürgermeisterkandidat der LINKEN.LISTE
13:49
Etatkürzung trotz steigender Anzahl der Ausleihen? In dieser Situation den Etat zu kürzen ist wirklich unverantwortlich. so wird kulturell interessierten Bürgern signalisiert, welchen Stellenwert Kultur für die Stadt Oberhausen hat. Vielleicht können die Bibliothekare ja ne weiterbildung zum Bademeister machen, für überteuerte Spaßbäder scheint ja genug Geld da zu sein.