Die stille Reserve in Oberhausen aktivieren

Im persönlichen Gespräch klärt Verena Dutschmann Einzelheiten zu einem möglichen Wiedereinstieg.
Im persönlichen Gespräch klärt Verena Dutschmann Einzelheiten zu einem möglichen Wiedereinstieg.
Foto: Funke Foto Services
Arbeitsagentur sucht gut ausgebildete Menschen, die derzeit nicht arbeiten. Dafür wurde die Beraterin Verena Dutschmann eingestellt.

Oberhausen.. Sie haben eine Ausbildung abgeschlossen oder ein Studium, eine Zeit lang haben sie gearbeitet, doch dann sind sie aus dem Berufsleben ausgestiegen. Diese stille Reserve gut qualifizierter Menschen möchte Verena Dutschmann von der Ar­beitsagentur zur Rückkehr ins Berufsleben bewegen. Der Grund dafür ist der drohende Fachkräftemangel.

Marion Steinhoff, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, nennt etwa den Bereich der Gesundheitsberufe: „Wird da eine Stelle frei, dann ist sie im Schnitt vier Monate lang unbesetzt, weil es an Fachkräften mangelt. Das betrifft übrigens nicht nur die Pflegeberufe, sondern auch die Ärzte.“

Über zehn Jahre raus aus dem Beruf

Dutschmanns Hauptklientel sind Frauen, denn sie sind es in aller Regel, die aus dem Berufsleben ausscheiden, um sich um die Familie zu kümmern. Die meisten, mit denen sie bislang Kontakt hatte, sind seit über zehn Jahren raus aus ihrem erlernten Beruf. „Finanziell sind die meisten nicht auf einen Job angewiesen, aber sie machen sich Gedanken darüber, dass es noch was anderes gibt als Familie.“

Dem Wunsch, wieder zu arbeiten, stehen aber auch Bedenken ge­genüber, zu lange raus aus dem Beruf zu sein. Schließlich hat sich dort in den vergangenen Jahren vieles geändert. Aber daran muss eine Rückkehr nicht scheitern. Die Bundesanstalt für Arbeit bietet verschiedene Möglichkeiten zur Qualifizierung, um sich auf den aktuellen Stand zu bringen. „Außerdem haben diese Frauen eine Familie gemanagt, Kinder aufgezogen oder Angehörige gepflegt, viele haben sich in Vereinen engagiert, dort Aufgaben erledigt wie eine Vollzeitkraft, andere haben immer mal wieder gejobbt.“

Wie kommt Dutschmann an diese Personen? Zum einen nutzt sie das breite Netzwerk der Arbeitsagentur, zum anderen sucht sie Kontakt zu Vereinen, Institutionen, zu Multiplikatoren, zu Familienbildungsstätten „und natürlich über die Medien.“

Unternehmen stehen Projekt positiv gegenüber

Die Branchenbreite derer, mit de­nen sie gesprochen hat, ist weit, sie reicht vom Vertrieb über das Controlling und die Arztpraxis bis zur Rechtsanwaltskanzlei und zur Werbebranche. Im Gespräch klärt Dutschmann, welche Kompetenzen vorliegen, wie viel Arbeitszeit jemand einem Unternehmen anbieten möchte, wie seine Chancen auf eine Anstellung stehen. „Bei der Arbeitszeit stellen sich viele acht bis zwölf Stunden in der Woche vor, aber möglichst verteilt auf mehrere Tage. Das geht in aller Regel nicht. Wenigstens einen vollen Tag sollte man anbieten.“

Jürgen Koch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, weiß von Unternehmen, dass sie dem Projekt erst mal positiv gegenüberstehen. „Entscheidend aber ist, wenn es zum Schwur kommt“, sagt er und geht davon aus, dass die eigentlich bis Ende des Jahres ausgerichtete Maßnahme auch noch 2016 fortgesetzt wird. „Oder sogar ein fester Bestandteil der Arbeitsagentur wird.“

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