Die spitze Feder der Claudia Sassen
02.01.2010 | 09:00 Uhr 2010-01-02T09:00:00+0100
Sage einer, scharf Gebranntes sei ungesund. Claudia Sassen ist das personifizierte Gegenbeispiel: Die 38-jährige Grafikerin und Englisch-Dozentin im Oberhausener Weiterbildungsinstitut ist gewissermaßen im Gärbottich einer Schnapsbrennerei aufgewachsen.
Claudia Sassen ist der Typ Frau, wo Mann erst einmal den Atem anhält und Hochprozentiges zur Beruhigung braucht. In auf das Jahr 2010 gerichteten Kreisen kennen sie so manche auch als Kalaudia, die dunkelhaariger Duisburgerin mit sauerländischen Wurzeln hat den Kalauer-Kalender des WbI gezeichnet. Hübsch bissig. Das scheint nach autobiografischer Zeichensprache.
In Gütersloh wird sie geboren, wächst sie auf, trinkt sie in einem Alter, in dem die anderen Mädchen in den Kindergarten gehen, ihren ersten Schnaps - ein Versehen. Die alte Industrieanlage aus dem 19. Jahrhundert mit Eigentümer-Villa auf dem Gelände und allem hochherrschaftlichen Zick und Zack ist ein toller Spielplatz, mit Schnapsfässern gefüllte Räume mit riesig hohe Decken, Lithos auf den Dachböden, im Nachbarort wird der Steinhäger gebrannt, nicht so gut, aber weltbekannt. Wenn Claudia Sassen von ihrem Spielplatz erzählt, an dem sie damals immer eine Tür findet, die sie verbotenerweise öffnen kann, dann kommen ihr nicht nur die Fachausdrücke der destillierenden Zunft über die Lippen, als hätte sie Likörkes und Korn statt der Muttermilch aufgesogen. Mit Wehmut erzählt sie, dass die Anlage in eine paar Monaten schon abgerissen werden soll, ein Null-Promille-Gewerbehof soll entstehen. Ein (Trink- )Kulturschock.
Eigentlich wollte sie über Flugzeugunglücke promovieren
In Güterloh macht die Tochter des Brennmeisters das Abitur am Evangelischen Stiftischen Gymnasium mit hauseigenem Posaunencorps und will eigentlich Filmregisseurin werden (das will sie heute noch, auch wenn sie es nicht sagt). Aber sie ist sich nicht sicher, ob sie da eine Zukunft hat und studiert erst einmal Biologie und Englisch auf Lehramt Sek I und II. Sie zieht das Studium durch, lässt die Referendarzeit sausen und entwirft stattdessen erste Sympathieträger für die Schnapsbrenner. Die Recherchen in dieser Sache sind wohl ursächlich für die erste Idee zu einer Dissertation, sie soll von Flugzeugabstürzen handeln, speziell zu der dann besonderen Sprache in Cockpit und Tower. 2002 promoviert sie, bildet Studenten in Dortmund in Sprecherziehung, Grammatik und Phonetik aus, auch Journalisten. Dann erscheint Claudia Sassen ein Geist – es soll nicht der des Weines gewesen sein – im Traum und flüstert ihr zu, Autorin und Cartoonistin zu werden, Dozentin zu bleiben. Immerhin hat sie während des Studiums schon beim WDR als „Mädchen für alles” gejobbt, war auch bei Radio Bielefeld: „Aber Fernsehen war schöner.”
Jetzt WbI, auch als Cartoonistin der weiterbildungsinstitutseigenen Zeitschrift „WbI Kompakt”, da ist Claudia Sassen gewissermaßen der witzige Charme zwischen nüchternen Daten und Fakten. Wenn sie nicht zeichnet - ja, Klavier würde sie gern wieder spielen. Lange Jahre hat die im Zeichen des Fisches geborene Dozentin die Tastatur bedient, seit einiger Zeit hat sie kein eigenes Klavier mehr, man hört es durch: das bedauert sie. Gershwin gehört zu ihren Favoriten, heute mehr online oder auf dem Handy. Und sie bügelt gern, Kreativität gegen Falten und Kniffe. Außerdem stöbert die fest Liierte gern durch alte Industrieanlagen, von Phoenix in Dortmund bis zum Landschaftspark Duisburg-Nord.
In ihren Cartoons gibt sie die Missgeschicke des Alltags launig wieder mit der Botschaft, das man Fehler, die andere schon gemacht haben, auch selbst machen kann. Tetsche vom „Stern” ist ihr Favorit bei den Zeichnern, ihr Lieblingsschnaps ist Unterberg. Der hilft immer übern Berg.
Existenzgründung in Cartoons
Das Thema Existenzgründung trägt Kalaudias Kalauer-Kalender von Januar bis Dezember durch das neue Jahr. Im April z.B. präsentiert sich Existenzgründer Dr. Karl S. als Helfer für Ehepaare mit Singlewunsch beim letzten Umzug: „Das mit dem Tod Ihres Mannes war wirklich eine schwere Geburt.”

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