Die Neuordnung von 1929 als Überlebensfrage

Oberhausen verfügte gegenüber vielen Städten der Region über einen beachtlichen Vorteil: Es war Sitz eines bedeutenden deutschen Konzerns, der Gutehoffnungshütte, zu welcher seit 1921 auch die MAN in Bayern, Werften und weitere Metallverarbeiter gehörten. Das erhöhte die Größe der Firmenzentrale, den Bedarf an Angestellten, und die Steuerleistung der GHH an die Stadt.

Zudem hatte GHH-Vorstandschef Paul Reusch als Vorsitzender eines wichtigen deutschen Industrieverbandes (des sog. Langnam-Vereins) beste Kontakte zur Berliner Regierung. So änderten sich die Zukunftsaussichten Oberhausens grundlegend, als Reusch 1928 entschied: Eine Aufteilung der drei GHH-Städte brächte für seinen Konzern nur Nachteile. Fortan unterstützte er Oberbürgermeister Havenstein bei der Vereinigung Oberhausens mit Sterkrade und Osterfeld, die 1929 gelang.

Diese Umstände verdeutlichen: Mehr war für Oberhausen 1929 wirklich nicht drin! Und das gilt, obgleich die Verwaltungsspitze durchaus noch weiter reichende Pläne verfolgte. – Hätte die Staatsregierung mitgespielt, wäre OB Havenstein sogar angetreten, um die Vereinigung der neuen, größeren GHH-Stadt mit dem südlichen Nachbarn Mülheim zu fordern. Getreu dem Motto von Hoebink „Mehr Raum – mehr Macht“ lagen Havensteins Argumente auf der Hand: Ein Ausgreifen nach Nord und Süd hätte das Geschäftszentrum Marktstraße langfristig gestärkt, Oberhausen umfangreiche neue Flächen für Wohngebiete und einen schiffbaren Zugang zur Ruhr verschafft. Aufgrund der deutlich verschiedenen Wirtschaftsstrukturen – OB mehr Kohle, Eisen- und Stahl; MH mehr Handel – wäre die Finanzkraft der größeren Stadt robuster und größer ausgefallen.

Die ablehnende Haltung der Staatsregierung zu Oberhausens Vision zeigte, dass unsere Stadt im Ruhrgebiet nicht ganz auf Augenhöhe seiner großen Nachbarn spielte: Mülheims Lebensqualität als Stadt wurde trotz weniger Einwohnern (130 000 statt 190 000) nicht geringer veranschlagt. Vor allem hielt der Regierungspräsident die Zukunft zugunsten Essens offen: Sollten später einmal noch größere kommunale Einheiten im Ruhgebiet erforderlich werden, so galt Essen vor Oberhausen als legitimer Aspirant für die Aufnahme der Ruhrstadt.