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Die Lust am Schreiben

17.12.2007 | 18:37 Uhr

SCHULE. Band Nummer 10 ist da: Der Literaturkurs der Jahrgangsstufe 12 des "Elsa" packt seine Texte zwischen Buchdeckel.

Am Anfang schreibt man für den Papierkorb. Das weiß jeder, der schon mal versucht hat, Gedichte oder Prosa zu verfassen. Den jungen AutorInnen im Literaturkurs "Schreibwerkstatt" des Elsa-Brandström-Gymnasiums ist das auch nicht neu, aber sie haben immerhin nicht nur für den Papierkorb, sondern auch für ein eigenes Buch geschrieben. Seit zehn Jahren bringt der Kurs einen Band heraus, und der heißt doch tatsächlich: "Am Anfang schreibt man für den Papierkorb". Jetzt ist der jüngste erschienen.

Sooo toll findet Teresa Spancken den Titel allerdings gar nicht: "Ich will ja, dass andere meinen Text lesen. Deswegen finde ich nicht unbedingt, dass ich für den Papierkorb schreibe", sagt die 18-Jährige. Die Lust am Schreiben hat die junge Frau in den Kurs geführt, den Literaturlehrer Heinz Schumacher ins Leben gerufen hat. Die Resonanz sei hervorragend: "In diesem Schuljahr mussten wir wegen der hohen Nachfrage sogar erstmals zwei Literaturkurse anbieten."

Kritik lieber von Mitschülern

Das Buch ist für die Schülerinnen und Schüler eher zweitrangig, die Eindrücke der Anderen sind das Spannende. Darin liegt auch der kleine, feine Unterschied zum Deutschunterricht. "Ich finde die Kritik von Mitschülern besser als die der Lehrer", sagt etwa Sandra Höner. Und Ronja Nappe stimmt ihr zu: "Man kennt den Autor persönlich, nicht wie in Deutsch. Das ändert die Perspektive auf den Text."

Ob Kurzgeschichten oder Gedichte, über das Genre der Texte entscheiden die jungen Autoren selbst; auch ihr Thema suchen sie sich aus. "Ich gebe nur ein paar thematische Anregungen", sagt Schumacher, "sie sind aber nicht verpflichtend."

In diesem Kurs muss sich auch der Lehrer der Kritik seiner Schüler stellen. Zum Beispiel Ronja: Die 18-Jährige ist bei seinen Texten "sehr, sehr kritisch. Ich sehe da zuerst das Negative an dem Text". Das sieht Schumacher aber durchaus positiv. Nach mehrmaligem Durchlesen seiner Texte fielen ihm bestimmte Dinge - etwa Wortwiederholungen - gar nicht mehr auf; "Betriebsblindheit" nennt der Experte das. Durch die kritischen Äußerungen der Schüler kann der Lehrer seine Texte entsprechend ändern. Ob es geholfen hat, müssen die Leserinnen und Leser selbst entscheiden: Auch der Lehrer ist mit einem Gedicht in dem Buch vertreten.SCHREIBWERKSTATTBereits zum zehnten Mal ist jetzt das kleine Büchlein "Am Anfang schreibt man für den Papierkorb" erschienen. Das Buch ist das Produkt des Literaturkurses "Schreibwerkstatt", den das Elsa-Brandström-Gymnasium seit elf Jahren für seine Zwölftklässler anbietet. Der kleine Band kostet zehn Euro und ist überall im Handel erhältlich. (wal)

MARIUS WALLNISCH

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