Das aktuelle Wetter Oberhausen 14°C
Kultur

Die letzte Chance

23.12.2009 | 09:00 Uhr
Die letzte Chance

Während des geplanten Umbaues des Bert-Brecht-Hauses wird die Zentralbibliothekt aus Kostengründen nicht in ein Ausweichdomizil ziehen. Der Bibliotheksleiter sagt zu der umbaubedingten „Auszeit” der Zentrale: Die Besucher werden doppelt und dreifach entschädigt.

Wir sind Kulturhauptstadt und den Oberhausenern geht der Lesestoff aus? Eine Befürchtung, die nach der letzten Sitzung des Kulturausschausses die Runde macht. Jedenfalls scheint sicher zu sein, dass die Zentralbibliothek während des geplanten Umbaues des Bert-Brecht-Hauses nicht in ein Ersatzgebäude ziehen wird, da die Kosten für ein Ausweich-Domizil das Budget überschreiten würden (die WAZ berichtete).

„Die Summe von 2,5 Millionen, die wir aus dem Konjunkturpaket bekommen, ist äußerst knapp”, so Bibliotheksleiter Dr. Ronald Schneider. Daraus resultiere, dass Ausweichquartiere für beide Partner, die vom Umbau profitieren, VHS und Bibliothek, nicht drin seien. Und obwohl schon eine Bauzeit von neun Monaten kursiert, betont Schneider: „Noch steht nichts fest. Die Ausschreibung ist noch nicht erfolgt, der Auftrag noch nicht vergeben.” Und dennoch werden bereits fieberhaft Möglichkeiten gesucht, die Ausfallzeit – die Zentrale beherbergt die Hälfte des gesamten Medienbestandes – so kundenfreundlich wie möglich zu gestalten.

„Die Besucher werden doppelt und dreifach entschädigt, ich bin sicher, dass das geplante offene, moderne und attraktive Haus die Besucherzahl um die Hälfte verdoppeln wird. Es ist die absolut letzte Chance für die Zukunft der Bibliothek”, so Schneider.

Schon 2003 war eine Modernisierung geplant, beschlossen und in letzter Sekunde vom RP gestoppt worden. Schneider: „Wir saßen bereits auf den gepackten Koffern!” Hätte es damals geklappt, wäre sehr viel mehr Geld geflossen. „Für den Notbetrieb im TZU hatten wir 1,5 Millionen kalkuliert”, so Schneider, „allein eine halbe Million für die Miete”.

Sind die Leser bereit, Einschränkungen hinzunehmen? „Das wär' schon echt blöd”, sagt Anja Bäcker. „Das kann man bestimmt auch anders lösen”, meint Helga Meiß. Dass eine Modernisierung längst überfällig sei, findet sie nicht unbedingt. Und wie wird sie auf eine vorübergehende Schließung reagieren? „Ich weich' nach Sterkrade aus.”

„Das Angebot ist für eine Stadt wie OB gut”, ist Jochem Wirtz überzeugt. Er ist seit 1990 regelmäßiger Nutzer und erinnert sich an verschiedene kleinere Umbau-Maßnahmen. Würde er eine vorübergehende Schließung verkraften? „Vier bis sechs Wochen könnte ich überbrücken, es wird schon nicht so lange dauern.”

„Wenn's nicht anders geht”, würde Jürgen Krause eine „Auszeit” der Zentrale akzeptieren. „Es gibt ja noch Zweigstellen.” Ist der Umbau wirklich unbedingt nötig? „Das wird schon seine Gründe haben” sagt Gerald Pannier. Wichtig sei, „dass man es den Besuchern vernünftig erklärt.”

„Wer aus Oberhausen kommt, weiß es eben”, sagt Claudia Müller zu der Tatsache, dass die Bibliothek optisch in der Alten Mitte keine Rolle spielt und „gut versteckt” ist, wie Ronald Schneider es auszudrücken pflegt. Eine umbaubedingte Schließungszeit würde Claudia Müller „schon hinkriegen, wenn ich Bescheid wüsste und noch ausleihen könnte”.

Gudrun Mattern

Facebook
 
Videos die Sie interessieren könnten
Kommentare
23.12.2009
14:24
Die letzte Chance
von post.it | #3

Hat man vielleicht mal bei den Eigentümern des Peek&Cloppenburg Hauses nachgefragt?Das Gebäude ist schön, bietet Platz und steht leider schon seit mehreren Jahren leer. Ich denke mal, das man innen auch nicht großartig renovieren müßte, ist ja nicht abgewirtschaftet gewesen. Wäre das nicht eine gute Ausweichmöglichkeit?

23.12.2009
09:47
Die letzte Chance
von berthold_h | #2

Es müsste doch möglich sein, eines der zahlreichen leerstehenden Gebäude in der Innenstadt vorübergehend für eine neunmonatige Bibliotheksnutzung herzurichten. Es muss ja nicht perfekt sein. Die Bücher und Regale müssen sowieso ausgelagert werden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden ebenfalls weiter bezahlt. Keine Institution, die etwas auf sich hält stellt ihren Betrieb für 9 Monate ein - das ist absurd und kontraproduktiv. Durch den Umbau will man doch Leserinnen und Leser gewinnen und nicht verlieren.

23.12.2009
09:05
Die letzte Chance
von chris66 | #1

Für einen Umzug der Bücherei ist kein Geld vorhanden????
Aber im Kaisergarten soll eine Brücke gebaut werden, die niemand braucht.
Sehr Bürgerfreundlich.
Typisch Oberhausen

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2301284/create

Umfrage der Woche
Die Stadt Oberhausen hat zu Bürgerversammlungen zum Sparpaket eingeladen und ein Online-Forum geschaltet, in dem Bürger ihre Meinungen zu den Sparvorschlägen für den städtischen Haushalt kundtun können. Was halten Sie von dieser Form von Bürgerbeteiligungen?

Die Stadt Oberhausen hat zu Bürgerversammlungen zum Sparpaket eingeladen und ein Online-Forum geschaltet, in dem Bürger ihre Meinungen zu den Sparvorschlägen für den städtischen Haushalt kundtun können. Was halten Sie von dieser Form von Bürgerbeteiligungen?

Captcha

Bitte übertragen Sie den Code in das folgende Feld:

Wort unleserlich? (Neuladen)

 
Aktuelle Fotos und Videos
Brings im Ebertbad in Oberhausen
Bildgalerie
Konzert
Stimmen zum Rauchen
Video
Video
Radrennen in Oberhausen
Bildgalerie
Pfingstradrennen
Wohnhausbrand in Lirich
Bildgalerie
Feuer
Aus dem Ressort
Der Oldtimer als Familienhobby
Unser Norden
Ulf Berens hat einen 57 Jahre alten Ford-Pickup originalgetreu und aufwändig restaurieren lassen. Jetzt wollen die Amerikaner den Wagen gerne zurück
Foto
Jugendarbeitslosigkeit in Oberhausen sinkt
Arbeitsmarkt
Auch die Zahl der erwerbslosen Ausländer sowie älteren Menschen verbesserte sich leicht. Doch obwohl es mehr freie Stellen gibt, stagniert Arbeitslosigkeit