Die Last mit der Vergangenheit
18.07.2008 | 16:54 Uhr 2008-07-18T16:54:00+0200
Erinnerung an NS-Zeit wird in vergrößertem Raumangebot neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen Platz geben.
Mit der Vergangenheit tut sich die Stadt bisweilen schwer. Und mit dem Gedenken an Zeit und Opfer des Nationalsozialismus erst recht. War Oberhausen zwar 1962 die erste Stadt Deutschlands mit einer Gedenkhalle (siehe Infokasten), hat es in den letzten Jahren und Jahrzehnten doch bisweilen gehakt, vor allem mit der für das Gedenken unerlässlichen Aufarbeitung und Einordnung.
Auch die Neukonzeptionierung des räumlichen und inhaltlichen Rahmens verläuft zögerlich. Zur Erinnerung: Schon 2004 kam der Kulturausschuss übereinstimmend zur Ansicht, dass etwas geschehen müsse. Ein Jahr später entwickelte ein unabhängiger wissenschaftlicher Beirat Empfehlungen, wieder ein Jahr später wurden fünf Architektur-Büros zu einem Wettbewerb aufgerufen. Der Sieger (hg merz architekten museumsgestalter, Stuttgart) darf seine Entwürfe weitgehend verwirklichen.
Großzügiger Zeitplan
Der weitere Zeitplan scheint großzügig bemessen, erfuhr man jetzt bei einer Visite der „SPD-Sommerschule” in der seit Mai geschlossenen Gedenkhalle. Manfred Flore, kulturpolitischer Sprecher der SPD, blieb vage: Im „Spätherbst” solle „der grobe Umbau abgeschlossen” sein, „Anfang 2010 die Daueraustellung” wiedereröffnet werden.
Der südliche Flügel im Schloss Oberhausen trägt seit 1962 die Aufschrift „Gedenkhalle”.
Zwei Jahre zuvor hatte der Rat der Stadt einvernehmlich beschlossen, die Räumlichkeiten dem Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus zu widmen. Derartige Einrichtungen hatte es bis dahin in der Bundesrepublik nicht gegeben. Entsprechend groß war das Echo, und viele Städte folgten dem Oberhausener Vorbild. Traditionell ist die Gedenkhalle Schauplatz der Veranstaltung zum Volkstrauertag.
Warum Flore sich so nebulös äußerte, hängt offenbar damit zusammen, dass man sich über die Inhalte von Ausstellungen und Arbeitsformen in der Gedenkhalle noch nicht einig ist: „Darüber wird der Kulturausschuss im September beraten. Der Umbau und der Inhalt werden Hand in Hand gehen” kündigte er an. Sicher ist zumindest, dass weiterhin eine Kommission aus Wissenschaftlern und Zeitzeugen das Projekt vorbereitet und begleitet. „Schließlich”, so Flore, „müssen neue Erkenntnisse eingearbeitet werden.”
Immerhin ist die Geschichtswissenschaft eine Disziplin, die vor allem von Quellen und deren Bewertung lebt. Zur NS-Zeit ergeben sich immer wieder neue Aspekte, die gerade ein solches Museum lebendig erhalten. Beispielsweise sind erst kürzlich im Stadtarchiv Schriftstücke aufgetaucht, die die unrühmliche Rolle des damaligen Feuerwehr-Dezernenten der Stadt beim Brand der Synagogen beleuchten. Auch die „Arisierung” der Innenstadt fand in der Gedenkhalle bislang kaum statt.
Hilfe zur Darstellung und Bearbeitung – auch und gerade in Schülerprojekten – soll das aufgelassene Lehrerseminar am Kaisergarten bieten.

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