Die Gartenstadt in Oberhausen als Gegenpol

Der Friedensplatz mit seiner zweireihigen Platanenallee zwischen Polizeipräsidium (links) und dem Amtsgericht an seiner Kopfseite.
Der Friedensplatz mit seiner zweireihigen Platanenallee zwischen Polizeipräsidium (links) und dem Amtsgericht an seiner Kopfseite.
Foto: WAZ-FotoPool
Was wir bereits wissen
Sechs Parks und grüne Plätze lassen in Alt-Oberhausen die Stadt der Zechen und Hütten vergessen. Vom Berliner Park bis zum Saporosjhe-Platz.

Oberhausen.. Wenn Oberhausen seine Entstehung und Bedeutung schon ganz den rauchenden Schloten von Zechen und Hütten verdankt, sollte doch wenigstens im Stadtbild ein Gegenpol entstehen. So etwa müssen es die Stadtväter in früheren Zeiten gesehen haben. Nach und nach legten sie jedenfalls im Stadtzentrum einen Park nach dem anderen an, um wenigstens hier die industrielle Prägung vergessen zu machen. Gästeführerin Silvia Golz führt für die letzte Folge der Serie durch die Parks in Alt-Oberhausen.

„Die waren jahrelang in ei­ne Art Dornröschenschlaf versunken“, sagt die Gästeführerin. „Erst für die 75-Jahr-Feier des Zusammenschlusses mit Sterkrade und Osterfeld 2004 wurden sie wiederentdeckt und aufgewertet.“

Stadtbaumeister Ludwig Freitag

Eingerahmt werden sie von den beiden mit ihren würfelähnlichen Formen so imposanten Backsteinbauwerken aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg: dem 1927/28 unter Stadtbaumeister Ludwig Freitag entstandenen Rathaus und dem 1930 von Architekt Kurt Schwingel entworfenen Hauptbahnhof.

Wer vom Hauptbahnhof aus kommt, betritt zunächst an der Freiherr-vom-Stein-Straße den kleinen Berliner Park mit seinem Rundweg im Dreieck mit Tannenberg- und Schwartzstraße.

Auslöser der Stadtwerdung

Über die Tannenbergstraße geht es in den Königshütter Park. Er un­terscheidet sich mit seiner rechtwinkligen Anlage deutlich. An seinem Rand steht die Direktorenvilla der Zeche Concordia von 1897. Sie war 1850 mit der Auslöser für die Stadtwerdung Oberhausens.

Auch der nächste, sich anschließende Park verdankt seine Entstehung einem Industriellen, dem Zinkfabrikanten Wilhelm Grillo. 1887 entstand an der Stelle eine Kiesgrube. Sein heutiges Aussehen mit den rechtwinkligen Beeten geht auf eine Umgestaltung der 1920er Jahre zurück. Nicht nur die weißen Parkbänke stellen eine Verbindung zum benachbarten Rathaus her. Die terrassenförmige Anlage betont das Rathaus als Hort der bürgerschaftlichen Selbstverwaltung.

Inselcharakter

Nur Inselcharakter hat demge­genüber die von Hecken eingesäumte Grünfläche vor der in den 1970er Jahren entstandenen Luise-Albertz-Halle.

Abgerundet wird der Gartenstadt-Charakter vom Friedensplatz zwischen Polizeipräsidium, früherer Reichsbank-Niederlassung und Amtsgericht, ebenfalls 1924 von Freitag entworfen, und vom Saporoshje-Platz.