"Die Frau als Gattin und Mutter"
11.08.2009 | 18:50 Uhr 2009-08-11T18:50:00+0200
67 Teilnehmerinnen verzeichnete der am stärksten besuchte VHS-Kurs vor 90 Jahren. Dreiteilige NRZ-Serie zum Jubiläum
In der Gaststätte „Heideblümchen” war's, am 20. Mai 1919: Oberbürgermeister Otto Havenstein und Dr. Fischer, der Vorsitzende des Philologenvereins, hatten zur Vorbesprechung der Gründung einer Volkshochschule geladen. Gut fünf Monate später, Ende Oktober, wurde das vom Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung der Weimarer Republik angeregte Vorhaben in die Tat umgesetzt. Im Rahmen eines „Volksbildungsabends im altvertrauten Sinne” wie es in den Annalen heißt, wurde – wieder in einer Gaststätte – im „Haus Union”, die Volkshochschule Oberhausen gegründet. In diesem Jahr kann die VHS, die inzwischen im Bert-Brecht-Haus eine dauerhafte Bleibe gefunden hat, also auf 90 Jahre Bildungsarbeit zurückblicken – die NRZ blickt mit: Im ersten von drei Teilen geht's um die Zeit von der Weimarer Republik bis zum Ende des Nationalsozialismus.
Fünf Reichsmark kostete anno 1919 die Hörerkarte – und beachtliche 1200 konnten bereits fürs erste Semester verkauft werden. Ein Drittel der Hörer waren Arbeiter oder Handwerker, die stärkste Nachfrage wurde für die Kurse „Buchführung” (53 Teilnehmer) sowie „Die Frau als Gattin und Mutter” (67 Teilnehmerinnen) verzeichnet.
Eigene Räumlichkeiten besaß die Volkshochschule nicht, aber hiesige Schulen stellten Klassenzimmer zur Verfügung. Und nicht nur das. Mancher Lehrer erklärte sich bereit, abends als Dozent tätig zu sein. Der Stundenplan des Jahres 1920 umfasste schon neun Lehrgänge: Chemie, Physik, Geschichte und Kunstgeschichte, Erdkunde und Himmelskunde, Einführung in das Verständnis von Musikwerken, Staats- und Bürgerkunde mit Verfassungsgeschichte, Volkswirtschaftslehre, Einführung in die deutsche Literatur, Erziehungsfragen und Philosophie.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten endete 1933 die freie Entfaltung der Volkshochschulen im Lande, die endgültige Gleichschaltung kam ein Jahr später per Reichskanzler-Erlass, der die Volkshochschulen „zur Verbreitung der nationalsozialistischen Ideologie” verpflichtete. „Über das Schicksal der Volkshochschule Oberhausen in den späten zwanziger Jahren und während der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur existieren keine Unterlagen mehr”, heißt es in einer Chronik der Einrichtung.

0mitdiskutieren